Donnerstag, 20. August 2026

Bundesbank: Deutsche Wirtschaft erholt sich – Niedrigwasser könnte Aufschwung bremsen

Die deutsche Wirtschaft hat sich im Frühjahr 2026 robuster entwickelt als erwartet. Die Bundesbank sieht Deutschland inzwischen auf einem erkennbaren Erholungskurs. Hohe Energiepreise, eine schwache Konsumnachfrage und neue Belastungen durch Niedrigwasser könnten den Aufschwung im dritten Quartal allerdings bremsen.

Die deutsche Wirtschaft hat ihre Erholung im zweiten Quartal 2026 fortgesetzt. Das reale Bruttoinlandsprodukt stieg gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 0,2 Prozent. Bereits im ersten Quartal war die Wirtschaftsleistung nach revidierten Daten um 0,4 Prozent gewachsen. Damit entwickelte sich die Konjunktur besser, als die Deutsche Bundesbank noch in ihrer Juni-Prognose erwartet hatte. In ihrem am 20. August veröffentlichten Monatsbericht spricht sie von einer inzwischen „deutlich erkennbaren“ wirtschaftlichen Erholung.

Exporte stützen die deutsche Wirtschaft

Ein wesentlicher Wachstumstreiber waren nach Einschätzung der Bundesbank die Exporte. Die solide Nachfrage aus dem Ausland stützte die deutsche Industrie, die sich trotz hoher Energiepreise und Problemen in den Lieferketten widerstandsfähig zeigte. Gleichzeitig blieb die Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe niedrig. Gestiegene Zinsen und die Unsicherheit infolge des Konflikts im Nahen Osten belasteten zudem die privaten Investitionen.

Auch im Bankgeschäft macht sich die veränderte konjunkturelle Lage bemerkbar. Die Buchkreditvergabe an nichtfinanzielle Unternehmen belebte sich im zweiten Quartal merklich. Gleichzeitig verschärften Banken ihre Kreditvergabepolitik gegenüber Firmenkunden erneut. Als Gründe nennt die Bundesbank unter anderem branchen- und unternehmensspezifische Risiken sowie weiterhin verhaltene Konjunkturaussichten.

Arbeitsmarkt profitiert bislang nicht von der Erholung

Die bessere gesamtwirtschaftliche Entwicklung kommt allerdings noch nicht auf dem Arbeitsmarkt an. Die Erwerbstätigkeit ging im Frühjahr weiter zurück, während die Arbeitslosigkeit leicht zunahm. Auch Frühindikatoren liefern laut Bundesbank kaum Hinweise auf eine baldige Verbesserung.

Gleichzeitig hat sich der Tariflohnanstieg abgeschwächt. Die Tarifverdienste lagen im zweiten Quartal nur noch 2,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Bislang erkennt die Bundesbank zudem keine Anzeichen dafür, dass die höheren Energiepreise über steigende Tariflöhne Zweitrundeneffekte bei der Inflation auslösen.

Inflation steigt wieder auf 2,8 Prozent

Ein wesentliches Risiko für die weitere Entwicklung bleibt die Inflation. Im zweiten Quartal stiegen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 0,9 Prozent. Die Inflationsrate erreichte 2,6 Prozent. Damit wurde der zuvor weit fortgeschrittene Rückgang der Inflation durch den Energiepreisschock unterbrochen. Anders als während der vergangenen Hochinflationsphase ist der Preisauftrieb bislang jedoch vor allem auf Energie konzentriert. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel sank im zweiten Quartal sogar leicht auf 2,4 Prozent.

Im Juli zog die Inflationsrate erneut auf 2,8 Prozent an. Neben höheren Energiepreisen verteuerten sich auch Industriegüter stärker. Nach Einschätzung der Bundesbank könnte die Teuerungsrate in den kommenden Monaten vorübergehend noch weiter steigen. Entscheidend sei insbesondere die weitere Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten und dessen Auswirkungen auf Energieversorgung und Rohölpreise.

Niedrigwasser könnte Erholung ausbremsen

Für das dritte Quartal erwartet die Bundesbank deshalb nur noch ein leichtes Wirtschaftswachstum. Dabei kommt zu den bestehenden Belastungen ein weiterer Faktor hinzu: die ausgeprägte Dürre und die niedrigen Pegelstände wichtiger deutscher Wasserstraßen.

Eingeschränkte Transportmöglichkeiten auf den Flüssen und steigende Transportkosten könnten Industrieproduktion und Exporte belasten. Zugleich drücken die hohen Energiepreise, der schwache Arbeitsmarkt und pessimistische Einkommenserwartungen auf die Konsumneigung der privaten Haushalte. Auch die schwache Nachfrage im Wohnungsbau bleibt ein Bremsfaktor.

Die grundlegende konjunkturelle Entwicklung bewertet die Bundesbank dennoch positiver als noch vor wenigen Monaten. Eine robuste Auftragslage in der Industrie, steigende staatliche Ausgaben und zunehmende Infrastrukturinvestitionen sprechen dafür, dass die Erholung grundsätzlich anhält. Im dritten Quartal dürfte sie jedoch zunächst deutlich an Schwung verlieren.

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