Dienstag, 10. Mรคrz 2026
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Fraud im internationalen Umfeld einer Privatbank

An einem Fallbeispiel lassen sich Vorgehen und Internationalisierung der Tรคter sehr gut illustrieren: Im Frรผhjahr 2014 ging eine Sendung ein, die vorgeblich von einemย  Kunden in Sรผdafrika versandt wurde. Der Brief enthielt ein unterschriebenes Anschreiben mit einem รœberweisungsauftrag sowie einen Scheck. An sich ein unverdรคchtiger Vorgang, aber dass die fรผnfstellige รœberweisung zur angeblichen Bezahlung einer Immobilie nach Bangkok รผberwiesen werden sollte, passte nicht zu den bisherigen Auftrรคgen des Kunden. Zudem wurde der beigelegte australische Scheck (ebenfalls fรผnfstellig) quasi als Zug-um-Zug Geschรคft zur รœberweisung vorgelegt, obwohl gerade Auslandsschecks immer unter โ€žEingang vorbehaltenโ€œ gutgeschrieben werden. Der Berater informierte umgehend das Fraud Management. Der Auftrag wurde nicht ausgefรผhrt, die vorgelegten Dokumente wurdenย  als Fรคlschungen identifiziert. Bei dem Scheck handelte es sich jedoch um Originalpapier. Es gelang, die Spur zum Kontoinhaber zurรผckzuverfolgen: einem australischen Bergbauingenieur, dem die Scheckvordrucke bereits im Jahre 2011 in Sรผdafrika entwendet wurden.

Tรคter handeln strukturiert, professionell und arbeitsteilig

Damit wรคre der Vorgang als versuchte Straftat eigentlich abgeschlossen gewesen, wenn sich nicht taggleich mit Eingang der Sendung ein deutschsprachiger Anrufe von einem sรผdafrikanischen Handy beim zustรคndigen Berater gemeldet hรคtte. Er gab vor, der โ€žechteโ€œ Kunde zu sein und erkundigte sich nach dem Ausfรผhrungsstand des Auftrages, da er anhand der DHL Trackingdaten festgestellt habe, dass der Brief eingegangen sei. Der Berater erkannte anhand der Stimme, dass es sich nicht um seinen Kunden handelte, fรผhrte das Gesprรคch jedoch fort. Nach einem kurzen Smalltalk bestand der Anrufer auf einer sehr schnellen Auftragsausfรผhrung, das Scheck-Inkasso schien ihm weniger wichtig zu sein. Das Gesprรคch wurde ohne Hinweise auf den erkannten Betrugsversuch beendet, da auch Kriminelle aus ihren Fehlern lernen kรถnnen. Um den Auftrag doch noch zur Ausfรผhrung zu bringen, legten die Tรคter einige Tage spรคter eine gefรคlschte Passkopie des Kunden vor, die sogar einen โ€žEchtheitsvermerkโ€œ der sรผdafrikanischen Polizei enthielt. Der Vorgang wurde daraufhin den deutschen Ermittlungsbehรถrden angezeigt, weitere Kontaktversuche der Tรคter wurden abgewiesen.
Festzuhalten bleibt, dass die Tรคter Zugang zu einem Teil der Kontodaten des echten Kunden hatten, mutmaรŸlich รผber den Diebstahl von Bankkorrespondenz in Sรผdafrika. Sie verfรผgten zur Verschleierung der inkriminierten Geldstrรถme zudem รผber ein Netzwerk von sogenannten โ€žMoney Mulesโ€œ in Sรผdostasienย  und waren in der Lage, Schecks und Pรคsse professionell zu fรคlschen. Mindestens einer der Tรคter war deutschsprachig und wahrscheinlich hatten die Tรคter Unterstรผtzung bei der sรผdafrikanischenย  Polizei. Der hohe Organisationsgrad wird auch durch die Tatsache untermauert, dass die gestohlenen Scheckvordrucke erst nach drei Jahren eingesetzt wurden.

Sensibilisierung der Mitarbeiter ist elementar

Was zur Verhinderung solcher Straftaten oder zurย  Eingrenzung ihres Schadens getan werden muss, ist von Haus zu Haus unterschiedlich. Gerade bei kleineren Banken ist die Sensibilisierung der Mitarbeiterย  ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor. Ohne die entsprechenden Schulungen durch Compliance wรคre der Kundenberaterย  womรถglich nicht aufmerksam geworden.ย ย  Technische Monitoring-Lรถsungen lassen sich besonders in kleineren Privatbanken hรคufig nicht wirtschaftlich einsetzen. Neben der eigentlichen Investition fallen in den nachgelagerten Kontrollprozessen Aufwรคnde an, die im Verhรคltnis zum Schadenspotenzial bewertet werden mรผssen. Die technischen รœberwachungssysteme kรถnnen nur eine Ergรคnzung des โ€žSchlรผsselfaktors Menschโ€œ darstellen.
Der Blick auf die zukรผnftige Entwicklung des Tatvorgehens ist ein eher dรผsterer. Bisher lรคsst sich feststellen, dass die Tรคter mit eingeschrรคnktem bankfachlichen Wissen vorgehen. Aufgrund der Attraktivitรคt dieser Sparte der Wirtschaftskriminalitรคt werden die Tรคter dieses Know-how aufbauen oder die Zusammenarbeit mit Innentรคtern suchen, um Wissenslรผcken zu schlieรŸen. In den letzten Jahren zeichnet sich eine zunehmende Professionalisierung der Tรคter und ihres Vorgehens ab. Die Dokumentenfรคlschungen wurden optimiert, tatvorbereitende Handlungen dehnen sich รผber lange Zeitrรคume aus und die Tatverschleierung gewinnt zunehmend an Bedeutung. So wird aktuell versucht, unbefugte Depotverfรผgungen dadurch authentischer wirken zu lassen, dass nur ein Teil auf Konten der Tรคter รผbertragen werden soll, wรคhrend der (deutlich kleinere) Teil auf Konten der echten Kunden geleitet wird.
Somit mรผssen sich auch kleinere Privatbanken einem immer professionelleren Vorgehen von Kriminellen stellen. Aufgrund der sehr individuellen Kundenbeziehungen haben sie allerdings auch besonders gute Chancen, ungewรถhnliche Vorgรคnge zu erkennen und zum Schutz ihrer Kunden darauf zu reagieren. Aus wirtschaftlicher Sicht lohnen sich Prรคvention und Wachsamkeit in jeden Fall.

Ramon Schรผrer arbeitet seit 2015 im Bereich Anti Fraud & Investigations bei der Deutsche Bank AG. Vorher war er als Anti Fraud Manager bei der BHF-BANK Aktiengesellschaft tรคtig.

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