Dienstag, 21. April 2026
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Banken sind die besseren Finfluencer

Auf TikTok oder Instagram treffen die Finanztipps unqualifizierter Finfluencer auf junge und unerfahrene Kleinanleger โ€“ eine gefรคhrliche Mischung. Hier mรผssen Banken einspringen.

Deutschland hat endlich eine neue Aktienkultur โ€“ Corona sei Dank. Besonders die jรผngere Generation hat es wรคhrend der Pandemie an die Bรถrse geschafft und ist geblieben. Laut einer Studie des Deutschen Aktieninstituts ist die Zahl der Aktionรคre unter 30 Jahren zwischen 2019 und 2020 sprunghaft um 577.000 angestiegen. Und auch die jรผngsten Zahlen weisen darauf hin, dass es sich hierbei um eine langfristige Entwicklung handelt. Damit diese neue Aktienkultur fรผr junge Menschen tatsรคchlich zu positiven Ergebnissen fรผhrt, also zu einem nachhaltigen Vermรถgensaufbau und einer stabilen Altersvorsorge, braucht es vor allem Eines: finanzielle Bildung.

Doch fรผr viele junge Menschen der Generationen Y und Z haben nicht Banken, sondern die sozialen Medien die Funktion als finanzieller Berater รผbernommen. รœber Kanรคle wie Instagram und TikTok teilen sogenannte Finfluencer ihre persรถnlichen Investment-Erfolge, erklรคren in einfacher Sprache Fachbegriffe sowie Grundlagen und geben Tipps zu Aktien und Altersvorsorge. Doch eine Studie vom Swiss Finance Institute lรคsst erhebliche Zweifel aufkommen, ob Finanz-Influencer รผberhaupt das nรถtige Fachwissen besitzen, um eine seriรถse Beraterfunktion einzunehmen.

Einer Auswertung der Empfehlungen von รผber 29.000 Finfluencern zufolge kรถnnen nur 28 Prozent von ihnen als โ€žskilledโ€œ, also fachkundig, eingestuft werden. Dieses Ergebnis deckt sich auch mit den inhaltlichen Schwerpunkten der deutschen Finfluencer. Laut einer aktuellen Studie der Leipzig Graduate School of Management beschรคftigen sie sich mehrheitlich mit der Analyse von Einzelaktien. Die Themen Vermรถgensaufbau und Altersvorsorge machen dagegen jeweils nur zehn Prozent des Contents aus. Um das Geschรคft mit riskanten Anlageberatungen fรผr Kleinanleger hat sich in den letzten Jahren ein regelrechtes ร–kosystem entwickelt. Das Hamburger Fintech NAGA etwa bietet eine Trading-App mit integriertem Sozialen Netzwerk an. Durch das Angebot von Copy-Trading, bei dem Anleger einfach die Handelsaktivitรคten angeblicher Top-Trader automatisch kopieren kรถnnen, richtet sich das Unternehmen explizit an Kunden ohne Fachwissen.

Riskantes Copy-Trading

Gehandelt wird vor allem mit CFDs (Contract for Difference), einem Finanzderivat, das auf Kursschwankungen spekuliert und durch den Einsatz von Margins zu besonders hohen Verlusten fรผhren kann. Laut einer Umfrage im Auftrag der BaFin nutzten 30 Prozent der Anleger unter 40 Jahren in den letzten zwei Jahren Social-Trading-Plattformen wie NAGA, 60 Prozent von ihnen setzten dabei auf riskante Finanzprodukte wie CFDs. Die Finfluencer nehmen hier eine wichtige Rolle ein. Die wachsende Follower-Zahl von bis zu hundert Affiliate Finfluencern sorgt fรผr einen stetigen Strom an Neukunden. NAGA verdient an den Gebรผhren und Spreads und die Finfluencer kassieren Provisionen. Nur die unerfahrenen Kleinanleger mรผssen am Ende die Rechnung zahlen. Laut Disclaimer des Unternehmens erleiden rund 85 Prozent der Privatanlegerkonten Verluste, wenn sie auf der Plattform mit Derivaten handeln. Natรผrlich wรคre es unfair zu behaupten, alle Finfluencer wรผrden leichtfertig den Einfluss auf ihre jungen Follower an den Hรถchstbietenden verkaufen.

Viele von ihnen fรผllen nur eine Lรผcke, die von der etablierten Finanzbranche zu lange nicht beachtet wurde: Die finanzielle Bildung und spezifischen Bedรผrfnisse junger Menschen โ€“ genau dort verfรผgbar, wo diese unterwegs sind. Statt nur zu versuchen, mit Corporate Influencern die Markenbotschaft bestmรถglich zu transportieren, sollten Banken ihre Social-Media-Strategie auch darauf konzentrieren, Wissen zu vermitteln, Vertrauen aufzubauen und ihre jungen Kunden in die richtige Richtung zu weisen.

Authentisch, persรถnlich und unterhaltsam, dieses Erfolgsrezept fรผr Corporate Influencer haben Finfluencer schon lange fรผr sich entdeckt. Banken sollten diese Strategie nutzen, um den Zugang zu jungen Kunden zurรผckzuerobern. Denn auch wenn seriรถse Geldanlage nicht sexy ist, sind Banken es der jungen Generation schuldig, diese als die einzig sinnvolle Strategie bestmรถglich zu verkaufen. Es sind schlieรŸlich ihre Kunden, die ihr Geld verzocken und ein zukรผnftiges Vermรถgen riskieren, bevor es รผberhaupt aufgebaut werden kann.

Daniel Fernandez ist seit 2025 Chefredakteur der BANKINGNEWS. Seine journalistische Laufbahn begann er 2017 in der Redaktion als Volontรคr. Er studierte English Studies an der Universitรคt Bonn (B.A. 2016) und vertiefte seine akademische Ausbildung mit einem Master in English Literatures and Cultures, den er ebenfalls in Bonn abschloss. Erste redaktionelle Erfahrungen sammelte er parallel zum Studium als freier Werbetexter.

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