Digitalisierung ist heute das Schlagwort fรผr teils disruptive Verรคnderungen in allen mรถglichen Lebens- und Geschรคftsbereichen. Wenn im vorliegenden Beitrag von Digitalisierung die Rede ist, dann sprechen wir allein davon, einen Kaufvorgang entweder vollstรคndig mit dem Smartphone durchzufรผhren oder an einem Punkt im Kaufprozess, der vor dem eigentlichen Bezahlvorgang liegt, das Smartphone einzusetzen. Dabei ist es eine der zentralen Fragen, wie man das Bargeldhandling durch die Digitalisierung reduziert โ also Kaufprozesse unaufwรคndiger gestaltet. Der naheliegende Gedanke ist der Einsatz von Mobile Payment. Doch nur, weil der Bezahlprozess plรถtzlich digital via App und nicht mehr analog ablรคuft, wird der Kรคufer nicht umschwenken und lange gelernte Gewohnheiten รคndern. Dafรผr ist der Mehrwert des bargeldlosen Bezahlens mit einer App gegenรผber dem Bezahlen mit Bargeld zu gering. Es gilt, den gesamten Kaufprozess zu betrachten und diesen anders zu denken.
Ein gutes Beispiel liefern die zahlreichen Sportvereine in Deutschland. In diesen verlรคuft das Vereinsleben noch weitgehend analog, und es wird hauptsรคchlich mit Bargeld bezahlt, das vom Verein bei den Veranstaltungen in einer Geldkassette aufbewahrt wird. Die Digitalisierung flรคchendeckend in den vielen Sportvereinen einzufรผhren, ist eine groรe Herausforderung. Diese kann nur gelingen, wenn die Digitalisierung nicht erst beim Bezahlen selbst beginnt, sondern bereits davor. Etwa bei den Produkten โ im Falle der Sportvereine beim Essen, bei den Getrรคnken oder bei Sportkursen.
Das Smartphone ersetzt die Geldkassette
Eine typische Situation ist der Essens- und Getrรคnkeverkauf bei einem Sport-event. Man stellt sich in der Schlange an, bestellt bei einer Person, bezahlt, erhรคlt sein Rรผckgeld und einen Bon. Diesen tauscht man eine Station weiter gegen die Bestellung ein. Nicht allein der Ablauf ist aufwรคndig, sondern auch die dafรผr notwendige Organisation und Infrastruktur. Wie aber kann dieser Vorgang fรผr den Kรคufer und den Verein effizienter gestaltet werden? Indem jedem Getrรคnk und jedem Essen entweder ein eigener QR-Code zugewiesen wird oder die Produkte schon digital in der App aufgefรผhrt sind. Der Kรคufer scannt dann den QR-Code mit seinem Smartphone oder wรคhlt das Produkt in der App aus. Er legt also seine Bestellung via App fest, bezahlt diese nahtlos und erhรคlt einen QR-Code als Bon. Auf diesem Weg werden Vorgรคnge, die normalerweise an der Ausgabestation via Personal stattfinden, vorverlagert und vom Kรคufer selbst ausgefรผhrt โ ohne Personal. Der digitale Bon in Form eines QR-Codes wird an der Station nur noch gescannt, entwertet und die Bestellung ausgegeben.
Durch die Digitalisierung des Kaufvorgangs ergeben sich Vorteile sowohl fรผr den Nutzer und als auch fรผr den Verein. Kรคufer und Verein sparen Zeit, weil Bestellung und Bezahlung vor dem Anstehen durchgefรผhrt werden. Damit verkรผrzt sich fรผr den Kรคufer die Zeit bis zur Ausgabe der Bestellung, und fรผr den Verein erhรถht sich der Durchsatz in den Stoรzeiten. Der Verein kann Zusatzinformationen zu seinen Produkten digital bereitstellen, etwa zu den Inhaltsstoffen der Lebensmittel und ihrem Allergiepotenzial. Fรผr den Verein entfรคllt das gesamte Bargeldhandling, das mit der App durch eine kostengรผnstige Lรถsung ersetzt wird. Eine Geldkassette mit Bargeld ist nicht mehr notwendig, da sich die Kasse im Smartphone befindet. Die Umsรคtze werden dem Konto des Vereins gutgeschrieben. Der Tagesabschluss erfolgt automatisiert, ist immer aktuell und jederzeit digital nachvollziehbar. Differenzen in den Warenbestรคnden kรถnnen problemlos nachvollzogen werden. In der Konsequenz werden Organisation und Logistik vereinfacht.
Ohne Mehrwerte wird sich Mobile Payment nicht etablieren
An dem beschriebenen Beispiel lรคsst sich erkennen, dass eben nicht ausschlieรlich Mobile Payment, sondern digitale Mehrwerte im Fokus stehen sollten, um den bargeldlosen Kaufprozess via App fรผr den Nutzer attraktiv zu gestalten. In der Folge kann das Angebot mit zusรคtzlichen Mehrwerten sinnvoll erweitert werden. Auch kรถnnen die digitalen Serviceleistungen in bestehende elektronische Kassensysteme integriert werden. Entscheidend dabei ist, den Kaufprozess anders zu denken.
Patrick Urban ist Chief Marketing Officer (CMO) von MUUME. Patrick hat Betriebswirtschaftslehre studiert und war in mehreren B2C-Firmen in diversen Positionen tรคtig, bevor er sich als Retail- und Marยฌkenยฌexperte selbststรคndig machte. In dieser Zeit hat Patrick Unternehmen im analogen und digitalen Umยฌfeld beraten. Patrick verantwortet bei MUUME den Bereich Marketing, Markenfรผhrung & Kommunikation.

