Donnerstag, 30. April 2026
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Der Spagat der Zentralbanken

Die Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks setzen ihren Kurs fort. Im Angesicht mรถglicher Inflationsrisiken werden die geldpolitischen Zรผgel enger gezogen und der Leitzins angehoben.

Das Jahr 2023 beginnt aus Sicht der Wรคhrungshรผter, wie das vorige zu Ende ging. Sowohl die Europรคische Zentralbank (EZB) als auch die Fed fรผhren ihren Anti-Inflationskurs fort und drehen weiter an der Zinsschraube. Der Blick รผber den Atlantik lรคsst jedoch vermuten, dass der Leitzins bald an seinem Hรถhepunkt angelangt sein kรถnnte. 

Fed gibt sich reserviert

Die Pressemitteilung des Federal Open Market Committee (FOMC) wurde am 01.02.2023 und damit einen Tag vor der Ankรผndigung der EZB verรถffentlicht. Darin begrรผndet das oberste Beschlussorgan der Fed seine weiteren finanzpolitischen MaรŸnahmen mit dem schwierigen Spagat aus Inflationszielen und Konjunkturdaten. Aufgrund der gรผnstigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, etwa der hohen Beschรคftigungsquote, sieht es sich dazu befรคhigt, den Leitzins wie angekรผndigt anzuheben. Damit wendet sich die amerikanische Zentralbank gegen die kriegsinduzierten Inflationsrisiken und hรคlt Kurs auf den avisierten Zielwert von zwei Prozent Inflation. 

Demnach wird der Hauptrefinanzierungssatz um 25 Basispunkte steigen und bei insgesamt 4,75 Prozent landen. Das Abflachen der Zinskurve wird zwar als Signal verstanden, dass ihr Hรถhepunkt in Sichtweite liegt. Wie viele Schritte bis dahin zu gehen sind, lรคsst sich jedoch nicht mit Gewissheit sagen. Anders als zuvor kรผndigt das FOMC nun an, die Zahl weiterer Zinsschritte von der Marktdynamik abhรคngig zu machen. Darรผber hinaus gibt die amerikanische Zentralbank bekannt, dass sie ihren Bestand an Staatsanleihen, Schuldtiteln und Hypothekenpapieren abbauen wird. 

EZB holt auf

Die EZB reagiert in รคhnlicher Weise auf die wirtschaftspolitischen Entwicklungen und die daraus resultierenden Anforderungen. Im Gleichklang mit der Fed ist der EZB-Rat zuvorderst bestrebt, die Inflationsrisiken einzudรคmmen. Auch im Euroraum wird der Leitzins nach oben angepasst, um die Preissteigerungen der vergangenen Monate wieder einzufangen. Anders als die Fed behรคlt die EZB jedoch ihr Tempo bei. Die erneute Steigerung um 50 Basispunkte hebt den Hauptrefinanzierungssatz auf nunmehr drei Prozent. Der Abstand zum amerikanischen Leitzins liegt in der Folge erstmals seit Juli 2022 unter 2 Prozent. 

Lautete Christine Lagardes Antwort auf die Frage, mit wie vielen Steigerungsrunden denn zu rechnen sei, im letzten September noch โ€œmore than two and less than fiveโ€, so ist diese Ansage heute รผberholt. Mit Blick auf die nรคchsten Geldpolitischen Beschlรผsse kรผndigte die EZB-Prรคsidentin an, einen weiteren, also fรผnften Zinsschritt vornehmen zu wollen. Gleichzeitig wird die EZB ab Mรคrz damit beginnen, ihre Anleihebestรคnde aus dem Asset Purchase Programme (APP) zu verringern. Hierzu soll das Eurosystem zu erwartende Tilgungsbetrรคge nach Fรคlligkeit nicht wieder vollumfรคnglich anlegen. 

Fรผr ihren Kurs erntet die EZB von deutscher Seite viel Zustimmung. Henriette Peucker, Stellvertreterin des Hauptgeschรคftsfรผhrers des Bankenverbands (BdB), hรคlt den gegenwรคrtigen Inflationstrend im Euroraum mit gut fรผnf Prozent fรผr entschieden zu hoch. Sie konstatiert, dass die EZB vรถllig zurecht die lรคngerfristige Entwicklung im Blick halte. ร„hnlich bewertet der Prรคsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis, die Entscheidung der obersten europรคischen Notenbank. In Anbetracht abzusehender Zweitrundeneffekte sei es notwendig, die Geldpolitik zu normalisieren. Hierzu gehรถre ebenso die Rรผckfรผhrung der Bilanzsumme der Notenbanken des Eurosystems. 

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