Montag, 09. Mรคrz 2026
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Mehr Kundenorientierung muss heute beginnen!

Thorsten Hahn ist Geschรคftsfรผhrer des BANKINGCLUB und Herausgeber der BANKINGNEWS. Die Redaktion hat mit ihm darรผber gesprochen, wo die Branche steht, und welche Herausforderungen sie kรผnftig bewรคltigen muss. 

BANKINGNEWS: Thorsten, vor knapp zwanzig Jahren hast Du den BANKINGCLUB gegrรผndet, um die Akteure der Finanzbranche miteinander zu vernetzen. Hat das Konzept, Menschen zusammenzubringen, im Zeitalter von Digitalisierung und KI รผberlebt?

Thorsten Hahn: Nein, im Gegenteil. Obwohl auch Banken immer mehr Aufgaben an Kollege Computer auslagern und die Zahl der Filialen in der Flรคche verringern, ist das Netzwerken unter Bankmitarbeitern selbst und mit den Kunden unverzichtbar. Wir bekommen bei unseren Veranstaltungen von den Teilnehmern immer wieder gespiegelt, wie wichtig der persรถnliche Austausch ist. Auch wenn die direkten Kontakte seltener werden, wird ein Bankberater, der bei der Hausfinanzierung oder Unternehmensgrรผndung persรถnlich unterstรผtzt, also hรถherwertige Services erbringt, auch in zehn Jahren noch seine Daseinsberechtigung haben. Auf die klassische Filiale mit Schalterhallen, wo ich mein hรคndisch ausgefรผlltes รœberweisungsformular abgebe, trifft das eher weniger zu. Die Filiale sollte bleiben, aber das Wie sollten Banken dringend รผberdenken. 

Trotz Digitalisierung, Automatisierung und immer mehr KI-Einsatz sind in der deutschen Finanzbranche aktuell รผber 60.000 Stellen unbesetzt. Was bedeutet das? 

Das ist kein Widerspruch, denn die meisten Arbeitskrรคfte fehlen ja im IT-Bereich. Und deshalb kommt die Digitalisierung in der Branche nach meinem Eindruck nur kleinschrittig voran. Gerade dort ist der Wettbewerb um fรคhige Kรถpfe besonders hart, denn die Banken fischen gemeinsam mit anderen Branchen in einem sehr kleinen Pool. Die HR-Abteilungen mรผssen sich gut รผberlegen, wie sie ihre Unternehmen kรผnftig attraktiv aufstellen, um sich abzuheben. Nur mit Boni allein funktioniert das nicht mehr. Gerade fรผr jรผngere Arbeitnehmer muss das Image des Unternehmens passen und die Aufgaben sinnstiftend sein. Geldinstitute sollten eine technologie-offene Kultur pflegen, in der sich ITler verstanden fรผhlen und weiterentwickeln kรถnnen. 

Was bedeutet die immer stรคrkere Verbreitung von Kryptowรคhrungen? 

Sie sind fรผr Banken Fluch und Segen zugleich. Zunรคchst einmal stellen Bitcoin, Ethereum und Co. eine potenzielle Konkurrenz fรผr traditionelle Bankdienstleistungen dar. Mit diesem neuen Geld kรถnnen Menschen ganz ohne Banken bezahlen, รผberweisen und Werte speichern. Diesen hรคngt jedoch der Geruch des Halbseidenen an. Vielen Menschen fehlt das Vertrauen. Und da liegen die Chancen fรผr die etablierten Banken und Sparkassen, denen die meisten Menschen vertrauen. Wenn sie selbst beispielsweise Krypto-Wallets oder Handelsplattformen fรผr ihre Kunden anbieten oder in die Entwicklung von Blockchain-basierten Finanzprodukten investieren, bin ich sicher, dass sie in Zukunft die Nase vorn haben kรถnnen. 

Wo steht Banking im Jahr 2034? 

Insgesamt wird das Banking in den nรคchsten Jahren sicherlich schneller und technologieorientierter werden. Klassische Filialdienstleistungen werden dann hoffentlich vom Kunden selbst und zu hundert Prozent digital erledigt. Den Kunden bei seinen finanziellen Aktivitรคten zu unterstรผtzen und ihn vor schlechten Entscheidungen zu bewahren, sollte jedoch nicht bis 2034 warten. Neun von zehn Kunden wรผnschen sich eine persรถnliche Begleitung bei Finanzentscheidungen. Natรผrlich werden heute Antragsstrecken gebaut, die ein Kunde selbst ausfรผllen kann. 90 Prozent der Eingabefelder sind seine persรถnlichen Daten. Er sucht jedoch jemanden, der oder die ihm die finanzielle Entscheidung und die Auswirkungen erlรคutert. Mehr Kundenorientierung muss heute beginnen! 

Marco Wehr ist ehemaliger Redakteur beim BANKINGCLUB.

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