Jogi Lรถw und die Gewinner unseres โvierten Sternesโ haben perfekten Anschauungsunterricht geboten, wie man Mannschaften erfolgreich formt und fรผhrt, nicht nur โauf dem Platzโ, sondern auch in Unternehmen oder Organisationen. Die in beiden Lebensbereichen โ Fuรball und Management – geltenden Erfolgsfaktoren kรถnnen dabei an der dazu passenden Bezeichnung DREAM TEAM wie folgt โรผbersetztโ werden.
D steht fรผr Definition einer begeisternden Mission.
Dabei ist es egal, ob man sich vornimmt Weltmeister oder die โBeliebteste Bankโ zu werden. Unsere Weltmeister wurden noch kurz vor Beginn des Turnieres fรผr die Zielvorgabe โWir wollen Weltmeister werdenโ von vielen belรคchelt. Von Spiel zu Spiel konnte man aber erkennen, dass dieser Anspruch auf dem Bewusstsein der eigenen Stรคrken, eines klaren Planes und vor allem dem unbedingten Willen aller Beteiligten beruhte.
R wie Rollen klar verteilen; oder โder richtige Mann am richtigen Platzโ.
Klare Zuordnung von Aufgaben und Verantwortungen auf Basis der Stรคrken der einzelnen โSpielerโ beseitigt Missverstรคndnisse im Team, jeder kann sich auf seine Position konzentrieren, Verschwendung von Energie wird vermieden. Die Schnittstellen beim Zusammenspiel verschiedener Spezialisten mรผssen klar definiert sein. Auch wenn bei unserem Team in Brasilien manchmal die Besetzung der Spielpositionen โsuboptimalโ erschien, bestรคtigte der Titelgewinn die richtigen Entscheidungen bzgl. Aufstellung und Verteilung der entsprechenden Aufgaben.
E wie Eingreifen und Entscheiden.
In der tรคglichen Arbeit aufmerksam und im stรคndigen Kontakt mit der Mannschaft bleiben und bei Abweichungen entsprechend frรผhzeitig eingreifen, auch um irreparablen (und teuren) Schaden zu vermeiden. Jogi Lรถw hat dazu in Brasilien Fรผhrungsstรคrke bewiesen, als er trotz des Sieges gegen Algerien die Struktur der Mannschaft รคnderte und frische Krรคfte (Klose, Schweinsteiger) brachte. Frรผhzeitiges Konfliktmanagement vermeidet unnรถtige Eskalationen und Stรถrungen des โBetriebsfriedensโ und sorgt fรผr gegenseitige Unterstรผtzung.
A wie Anreize und Atmosphรคre schaffen.
Menschen, egal โauf dem Platzโ oder in einer Bankfiliale, arbeiten zwar fรผr Geld, aber nicht ausschlieรlich. Oder wie Philipp Lahm seine Motivation beschrieb, als er den Cup in der Hand hielt: โIch wollte nicht schon wieder von unten zugucken, sondern das Ding endlich einmal selber hochhalten.โ Dieser Wunsch nach Beachtung und speziell nach Anerkennung, gemeinsam mit Kollegen etwas Besonderes zu erreichen, treibt Menschen oft mehr an, als nur das monatliche Gehalt oder eine zusรคtzliche Prรคmie.
M gleich Mischung.
Erfahrung und Jugend, Experten und โQuerdenkerโ, Introvertierte und โSpaรmacherโ, weibliche und mรคnnliche โSpielerโ. So hat man Freude an der Arbeit im und mit dem Team und man kann voneinander lernen. Fรผr die Fรผhrungskrรคfte bedeutet dies ganz besonders, dass die Suche nach Talenten (die auch empathische Fรผhrung und Freirรคume erwarten) immer wichtiger und die โAltenโ mehr denn je unverzichtbar werden. Und ein โPodolskiโ tut jedem Team gut, gerade wennโs mal nicht so richtig lรคuft.
T wie Teamgeist entwickeln und pflegen.
Jeder ist gleich wichtig, es darf keine โLieblings- und Ersatzspielerโ geben, gerade wenn man in kleinen Filialen auf verlรคssliche Zusammenarbeit und โblindes Verstรคndnisโ angewiesen ist. Dazu gibt es aus meiner Sicht neben Jogi Lรถw kein besseres Vorbild als Jupp Heynckes, erfolgreicher Trainer von Spitzenteams. Hermann Gerland beschrieb den Arbeitsstil seines โChefsโ einmal so: โJupp hat nรคmlich eine unvorstellbar wichtige Fรคhigkeit: Er vermittelt jedem Mitarbeiter, dass er wichtig ist. Den Spielern und allen drum herum. Ob fรผr den Platzwart, den Zeugwart oder die Angestellten auf der Geschรคftsstelle, er hat fรผr sie immer ein nettes Wortโ.
E wie Einsatz zeigen und verlangen.
Erfolg beruht mehr auf โTranspirationโ als auf Inspiration. Und dies betrifft nicht nur die Mannschaft im Spiel, sondern ganz besonders den Coach am Spielfeldrand. Morgens der Erste, abends der Letzte ist hier der Anspruch an die Verantwortlichen. Vorleben statt nur โVorbetenโ, nicht von anderen verlangen, was man selbst nicht bereit ist zu tun. Herausragendes Beispiel fรผr Leidenschaft und Einsatz ist Bastian โKampf-Schweinsteigerโ, der im Endspiel gegen Argentinien Gott sei Dank รถfters aufstand als er โhingefallen wurdeโ.
A wie Achtung des Einzelnen.
Bei Misserfolgen sachlich Ergebnis von Leistung und Einsatz trennen, keine Sรผndenbรถcke suchen, und schon gar nicht Einzelne รถffentlich diskreditieren. Dass dabei kein Missverstรคndnis aufkommt: Respektvolles Umgehen und Achtung des Einzelnen bedeutet nach meinen Erfahrungen nicht โin Watte packenโ oder โWegguckenโ. Bei Fehlverhalten oder mangelnder Leistung bedarf es klarer Worte, aber hier ist das โWieโ entscheidend. Emotionen oder persรถnliche Angriffe sind fehl am Platz, klare Argumentation, das Aufzeigen der Fakten, der Austausch von Argumenten und das Anbieten von Unterstรผtzung stehen im Mittelpunkt.
M wie Motivation hoch halten.
Beim Einsatz entsprechender Mittel (z.B. Reden vor gesammelter Mannschaft, Einzelgesprรคche) ist es entscheidend, glaubwรผrdig zu sein, Vertrauen in die Leistungsfรคhigkeit der Einzelnen zum Ausdruck zu bringen und keine Angst vor Versagen zu wecken. Und dabei ist es egal, ob Gesprรคche โin der Kabineโ, oder am Schreibtisch gefรผhrt werden. Gerade nach Misserfolgen gehรถrt das entsprechende Aufmuntern zu Eigenschaften eines guten Trainers, egal ob in โFuรball- oder Lederschuhenโ. Vielleicht helfen dabei ja auch die legendรคren Worte des deutschen Torwarts Oli Kahn: โImmer weiter, Immer weiterโฆ.!โ
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Ernst Holzmann ist ist freiberuflicher Keynote Speaker, Dozent und Interim Manager bei Ernst Holzmann - www.ernstholzmann.com

