Um in die kleine Reihenhaussiedlung Fuggerei im Herzen der Stadt einziehen zu dรผrfen, mรผssen die Mieter bestimmte Vorrausetzungen erfรผllen. Denn sie mรผssen bedรผrftig sein, Augsburger Bรผrger, katholisch und willens, sich in der Gemeinschaft zu beteiligen. Nur dann kรถnnen sie in kleinen, aber komfortablen Hรคuschen einziehen โ fรผr eine Jahreskaltmiete von 88 Cent und tรคglich drei Gebeten.
Wie in alten Zeiten ist die Fuggerei von der Umgebung abgegrenzt und schlieรt um 22 Uhr ihre Pforten. Dann รผbernimmt ein Nachtwรคchter seinen Dienst und lรคsst bei Bedarf die Bewohner ein. Neben den Hรคusern gibt es eine Kirche, zwei Museen und ein Verwaltungsgebรคude. Aufgrund ihrer Architektur und Atmosphรคre ist die Fuggerei eine beliebte Touristenattraktion.

Bedรผrftige, aber keine Bettler
Jakob Fugger legte fest, wer in seiner Sozialsiedlung wohnen durfte: Er wollte von Armut bedrohte Handwerker und Tagelรถhner unterstรผtzen und fleiรigen Hรคnden ein Dach รผber dem Kopf bieten. Bettler und Almosenempfรคnger gehรถrten nicht zur Gruppe der Nutznieรer, um sie sollte sich die Kirche kรผmmern.
Ein Rheinischer Gulden Jahresmiete entsprach damals dem Wochenlohn eines Handwerkers. Sie wurde nie erhรถht, sodass heutige Mieter praktisch nur die Nebenkosten tragen mรผssen. Ihre Wohnungen entsprechen natรผrlich nicht mehr denen von vor 500 Jahren โ der Dreiรigjรคhrige Krieg, der Zweite Weltkrieg und viele Umbauten und Erweiterungen haben das Areal verรคndert und entwickelt. Sie sind klein, aber modern und komfortabel โ auch wenn das Viertel wie aus der Zeit gefallen wirkt.
Sozialleben im Mittelpunkt
Neben dem Wohnen gibt es weitere Angebote: Ein wรถchentliches gemeinsames Frรผhstรผck, regelmรครige Feiern, Besuche von kulturellen Veranstaltungen und Ausflรผge โ was im Jubilรคumsjahr pandemiebedingt ausfรคllt. Gemeinschaftssinn wird groรgeschrieben und im Stiftungsbrief verankert.
Der Kaufmann, Bankier und Bergwerksunternehmer Jakob Fugger verpflichtete auรerdem jeden Bewohner, tรคglich drei Gebete fรผr die Familie Fugger zu sprechen. Denn mit seinem guten Werk wollte er seine Zeit im Fegefeuer verkรผrzen. Aus heutiger Sicht vielleicht ein merkwรผrdig anmutender Anreiz, eine solche Siedlung zu grรผnden. Dennoch bedauern es wohl nicht nur die Bewohner der Siedlung, das die Idee nie einen Nachahmer gefunden hat.
Erfolgsgeschichte der Fugger
Ihre Erfolgsgeschichte begannen die Fugger mit der Einfuhr von Baumwolle. Die importierten sie aus Venedig, lieรen sie von schwรคbischen Webern verarbeiten und verkauften die Tuche. Im frรผhen 15. Jahrhundert machen Andreas und Jakob Fugger eine Goldschmiedelehre und wurden als Mitglieder der Zunft auch Metallhรคndler. So entstand das Geschรคft mit Edel- und Buntmetall, das durch enge Verbindungen Jakob Fuggers zum Habsburger Kaiser Maximilian I. und einem regen Handel mit Oberitalien so richtig in Schwung geriet.
Eben jener Stifter Jakob Fugger, genannt der Reiche, gelang die Verknรผpfung von Edelmetall-, Waren und Finanzierungsgeschรคften. Er wurde der fรผhrende Kaufmann und Bankier seiner Zeit und das bekannteste Gesicht der Familie Fugger bis heute. Seit dem spรคten 15. Jahrhundert waren die Fugger praktisch die โHausbankโ des Kaiserhauses. 1546 betrug das Kapital des Unternehmens Fugger 5 Millionen Gulden โ ein unermessliches Vermรถgen. Zum Vergleich: Ein Schullehrer verdiente 3 bis 4 Gulden im Jahr, Einkommen รผber 100 Gulden waren eine Seltenheit.
Ronja Wildberger ist ehemalige Chefredakteurin beim BANKINGCLUB.

