Goldman Sachs floriert: erstmalig erzielte die Investmentbank einen Nettogewinn von etwa 5,4 Milliarden Dollar im nur zweiten Quartal. Damit belegt das Unternehmen den zweithรถchsten Posten der Unternehmensgeschichte. Getragen wird das boomende Geschรคft allerdings von der vollumfรคnglichen Einnahme der Mitarbeiter, was kรผrzlich in einer Powerpoint-Prรคsentation von 13 internen Analysten offenkundig wurde: Auf die Klage der โunmenschlichenโ Arbeitszeiten reagiert Goldman Sachs nun mit einem erhรถhten Einstiegsgehalt.
Forderung eines Wochenlimits bei hรถherem Gehalt
Fรผr Nachwuchskrรคfte der Finanzwelt ist eine so bedeutende Investmentbank wie Goldman Sachs eine beliebte Anlaufstelle. Mit einem Status dieserart kann sich die Bank elitรคre Auswahlverfahren und hohe Ansprรผche an junge Investmentbanker leisten. Mit einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von etwa 100 Stunden, bleibt jedoch kaum noch Zeit fรผr Grundbedรผrfnisse wie Schlafen, Essen oder Duschen.
Nachdem diese Arbeitsbedingungen als โunmenschlichโ betitelt wurden, beschloss das Kreditinstitut nun das Gehalt fรผr Analysten auf 110.000 Dollar im ersten, und 125.000 Dollar im zweiten Jahr anzuheben. Mit einem gesteigerten Einstiegsgehalt von etwa 30 Prozent, kรถnnte sich Goldman Sachs in die Riege, der am besten zahlenden Banken einreihen. Jedoch wollen sich die Junior-Arbeitskrรคfte nicht nur mit dem aufgestocktem Gehalt zufriedengeben und fordern auch ein Wochenlimit von 80 Stunden.
Physische und Psychische Auswirkungen
Tatsรคchlich wirkte sich die Corona-Pandemie eher beschleunigend auf das Arbeitspensum aus, was in Kombination mit dem Remote-Work-Modell die Arbeitsbelastung verschรคrfte. Durch eine schroffe Arbeitskultur und raue Umgangsformen sehen viele Mitarbeiter ihre mentale Gesundheit in Gefahr. Der Vorfall im Jahre 2013, in dem ein junger Student wรคhrend seines Praktikums bei der Bank of America verstarb, sorgte fรผr Denkanstรถรe und wurde auch mit den harten Arbeitsbedingungen der Investmentbank erneut thematisiert.
Deckung der Arbeitsbelastung mit den Personalressourcen
Nun lรถste die Anspruchserhebung der Analysten verschiedene Reaktionen aus. Seitens der Topfรผhrungskrรคfte wurden Bedenken geรคuรert, die Aufstockung der Juniorgehรคlter kรถnne als โPrรคzedenzfallโ Sรถldner anziehen und somit eine Bedrohung darstellen. Andererseits zeigten sich Reprรคsentanten von Goldman Sachs beipflichtend und bestrebt bei zukรผnftigen Geschรคftsmรถglichkeiten selektiv vorzugehen. โMehr als ein Jahr nach dem Beginn der Covid-Pandemie sind die Menschen verstรคndlicherweise stark gefordert. Daher nehmen wir diese Punkte sehr ernst und unternehmen mehrere Schritte, um sie anzugehenโ, so eine Sprecherin der Bank.
Eine mรถgliche Maรnahme: die Mobilisierung von Bankern aus anderen Bereichen in Abteilungen, wo die hรถchste Aktivitรคtsstufe herrscht. Zusรคtzlich ist die Optimierung digitaler Workflow-Prozesse ein Vorhaben, welches mittlerweile sรคmtliche Unternehmen gefasst haben. Durch die Automatisierung gewisser Aufgaben soll die Arbeitsbelastung kรผnftig reduziert werden. Welche Tendenzen die Pandemie bezรผglich der allgemeinen Work-Life-Balance ausgelรถst hat, stellt eine Infografik der BANKINGNEWS-August-Ausgabe dar. Es besteht wohl ein allgemeiner Konsens darรผber, dass sich die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf zunehmend schwieriger gestalten lรคsst.
Fiona Gleim absolvierte von August 2021 bis Dezember 2022 ihr redaktionelles Volontariat bei der BANKINGCLUB Plattform GmbH und ist seitdem auch als festes Redaktionsmitglied beschรคftigt. Davor schloss sie ihren Bachelor of Arts an der Universitรคt Kassel ab.

