Donnerstag, 30. April 2026
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2025: Zwischen Regulierung und Innovation

Im Jahr 2025 โ€žbleibt alles andersโ€œ โ€“ dieser Eindruck drรคngt sich zumindest auf, wenn man Prognosen fรผr das neue Jahr verfolgt. Der Leitartikel schafft einen รœber- und Ausblick.

Im Jahr 2025 โ€žbleibt alles andersโ€œ โ€“ dieser Eindruck drรคngt sich zumindest auf, wenn man die aktuellen Prognosen fรผr das neue Jahr verfolgt. Nicht nur die Ergebnisse der US-Wahl und die Sorge, was eine erneute Prรคsidentschaft Trumps fรผr Europa und die Welt bedeuten, bringen alte Herausforderungen in neuem Gewand. Auch die deutsche Finanzbranche erwartet im nรคchsten Jahr vor allem bekannte Themen, die neue Dringlichkeit gewonnen haben.

Denn regulatorisch beginnt 2025 mit einem Doppelschlag: Am 9. Januar treten die ersten Pflichten der Instant-Payments-Verordnung in Kraft, die Echtzeitzahlungen fรผr alle Banken verpflichtend macht, und am 17. Januar greift die DORA-Verordnung, die strengere Anforderungen an die IT-Resilienz von Banken stellt. Diese Anforderungen erhรถhen den bereits hohen Compliance-Druck in Finanzinstituten immens. Fรผr die Umsetzung der Verification of Payee (VoP), dem Echtzeit-Abgleich von Name und IBAN des Zahlungsempfรคngers, haben Banken nur noch bis Oktober 2025 Zeit. Dabei gibt es besonders hier noch groรŸe Unsicherheiten bezรผglich der Auslegung des Gesetzgebers sowie Zweifel, ob die Datenqualitรคt der Banken fรผr einen solchen Prozess รผberhaupt ausreicht.

Darรผber hinaus steht die Branche vor einer weiteren bedeutenden regulatorischen Neuerung: der MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets), die ab diesem Jahr in Kraft tritt. Diese wird die Aufsicht รผber den Markt fรผr Kryptowรคhrungen in der EU erheblich verรคndern und europรคischen Banken den Einstieg in den Kryptomarkt erleichtern. Die Regulierung kommt zu einem passenden Zeitpunkt, denn der Preis von Bitcoins hat sich im letzten Jahr erneut mehr als verdoppelt. Beflรผgelt wurde diese Kursrallye vor allem durch die Ankรผndigung Donald Trumps, den Handel mit Kryptowรคhrungen in seiner Amtszeit zu deregulieren. Trotz der neuen regulatorischen Sicherheit durch die MiCA-Verordnung geben sich viele deutsche Banken aber weiterhin zรถgerlich. Die Sparkassen etwa haben sich nach einer รœberprรผfung ihrer Krypto-Strategie fรผr 2025 erneut gegen einen Einstieg in den Handel mit Kryptowรคhrungen entschieden.

Mit dem EU AI Act folgt eine weitere bedeutende Regulierung fรผr die Finanzbranche. Das Gesetz, das im Februar in Kraft tritt, verfolgt einen risikobasierten Ansatz und setzt klare Regelungen und Standards fรผr den Einsatz von KI-Systemen. Vor allem das Risikomanagement von Banken wird dadurch vor Herausforderungen gestellt und kรถnnte den Einsatz von KI deutlich ressourcenaufwรคndiger machen. Wie die MiCA-Verordnung schafft der EU AI Act Sicherheit fรผr die Finanzbranche, er kรถnnte die Banken aber auch durch die zusรคtzlichen Kosten und Haftungsverpflichtungen davon abschrecken, verstรคrkt in Kรผnstliche Intelligenz zu investieren. Das ist bedenklich, denn deutsche Banken liegen, laut einer Studie des KI-Anbieters Snowflake รผber den KI-Einsatz bei den 50 grรถรŸten Banken, heute schon nur im hinteren Mittelfeld.

Die kommenden Regulierungen verdeutlichen die zunehmende Divergenz zwischen den USA und Europa: Wรคhrend Trump in seiner zweiten Amtszeit voraussichtlich noch stรคrker auf Deregulierung setzen wird, verfolgt die EU weiterhin einen sicherheitsorientierten Kurs. Das darf aber nicht dazu fรผhren, dass das alte Klischee โ€žUS innovates, China replicates and Europe regulatesโ€œ bestรคtigt wird. Denn ein zu starker Fokus auf Regulierungen kรถnnte die Wettbewerbsfรคhigkeit untergraben und den Innovationsvorsprung der USA weiter vergrรถรŸern. Um dem entgegenzuwirken, muss die EU sicherstellen, dass ihre Regularien nicht nur Sicherheit garantieren, sondern auch Innovation ermรถglichen. Eine gezielte Fรถrderung neuer Technologien ist entscheidend, damit Europa im globalen Wettbewerb nicht abgehรคngt wird, sondern seine Stรคrke als innovativer UND sicherer Finanzstandort ausbauen kann. Gleichzeitig mรผssen Banken den Mut haben, diese Innovationen auch zu nutzen und verstรคrkt in neue Technologien zu investieren, um nicht nur mithalten zu kรถnnen, sondern aktiv die Zukunft des Finanzmarktes mitzugestalten.

Daniel Fernandez ist seit 2025 Chefredakteur der BANKINGNEWS. Seine journalistische Laufbahn begann er 2017 in der Redaktion als Volontรคr. Er studierte English Studies an der Universitรคt Bonn (B.A. 2016) und vertiefte seine akademische Ausbildung mit einem Master in English Literatures and Cultures, den er ebenfalls in Bonn abschloss. Erste redaktionelle Erfahrungen sammelte er parallel zum Studium als freier Werbetexter.

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