BANKINGNEWS: Wenn man als Herausgeber einer Zeitung im Bankenumfeld die Chance hat, gleichzeitig mit einem PSD-Bank-Vorstand und dem Verbandsvorstand zu sprechen, muss man mit dieser Frage beginnen: Wie eigenständig ist die Marke PSD innerhalb der Genossenschaftsorganisation noch – strategisch und perspektivisch?
René Königshausen: Die PSD-Banken sind und bleiben eine eigenständige genossenschaftliche Gruppe mit klarem Profil. Unsere Eigenständigkeit liegt dabei schon in unserer strategischen Positionierung als genossenschaftliche Direktbankgruppe begründet.
Worin zeigt sich diese Eigenständigkeit konkret im Markt? Und was unterscheidet die PSD-Banken heute sichtbar von anderen genossenschaftlichen Instituten und klassischen Direktbanken?
Dr. Philipp Stein: Die Alleinstellungsmerkmale liegen darin, dass die PSD-Gruppe von Anfang an, aus ihrer Historie heraus, darauf ausgelegt war, einerseits Direktbank zu sein, aber immer auch den Menschen im Blick zu haben. Das heißt: Wer die Convenience, die kurzen Prozesse, die schlanken Abläufe schätzt, bekommt genau das. Aber wenn jemand sagt, ich brauche jetzt einen Menschen – etwa bei einer Baufinanzierung –, dann können wir das ebenfalls bieten. Das unterscheidet uns insbesondere von Wettbewerbern im Digital- und Direktbankenbereich. Darauf sind wir sehr stolz. Wir sind der Auffassung, dass die „beratende Direktbank“ ein Zukunftsmodell ist – mit einem starken Wertegerüst, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Wir sind nicht Shareholder-getrieben, das heißt, wir müssen nicht in jeder Preisgestaltung noch den letzten Cent aus den Kundinnen und Kunden herausholen. Das ist eine bewusste geschäftliche Entscheidung. Es geht also nicht an jeder Stelle um Gewinnmaximierung. Diese Punkte treiben uns an. Die Gruppe gibt es seit langer Zeit, und es wird sie auch weiterhin geben.
Herr Dr. Stein, Sie sind noch ganz neu im Verband der PSD-Banken. Der Verband verliert derzeit Mitglieder, etwa wenn eine PSD Bank mit der BBBank fusioniert. Wie ist es, in einen Verband zu kommen, der kleiner wird? Und warum sind Sie gerade jetzt eingestiegen?
Stein: Mit der Frage habe ich gerechnet. Zunächst einmal muss man sehen, dass Konsolidierungsbewegungen kein Spezifikum der PSD-Gruppe sind. Wenn Sie in den größeren Kreis der Genossenschaftsbanken schauen, sehen Sie, wie viel Bewegung es dort in letzter Zeit gegeben hat. Insofern bin ich da ehrlich gesagt ganz entspannt. Das ist ein natürlicher Vorgang, den wir hier beobachten. Der Unterschied ist lediglich, dass unsere Gruppe zahlenmäßig überschaubar ist. Die Grundgesamtheit ist kleiner als bei anderen Verbänden, deshalb fällt jede Veränderung stärker ins Auge. Aus meiner Sicht ist das jedoch kein Grund für Alarmismus, sondern Ausdruck einer normalen Entwicklung. Entscheidend ist, diese Entwicklung aktiv zu gestalten und gute Antworten darauf zu finden.
In der genossenschaftlichen Finanzgruppe hat es zuletzt viel Konsolidierung gegeben. Könnte man nicht den Eindruck gewinnen, Sie seien mit dem Auftrag gekommen, den Verband perspektivisch in eine Fusion zu überführen?
Stein: Das ist vollkommen fernliegend. Ich habe mich bewusst für den PSD-Verband entschieden. Ein „trojanisches Pferd“ gibt es hier nicht. Was mich gereizt hat, sind zwei Dinge: erstens die Nähe zu den Mitgliedsinstituten, denn gerade in einem Prüfungs- und Beratungsverband ist diese Nähe in der heutigen Zeit enorm wichtig. Größere Strukturen bedeuten zwangsläufig mehr Distanz. Nicht aus bösem Willen, sondern aus organisatorischen Gründen. Zweitens sehe ich in einer kleineren Gruppe kein Zeichen von Schwäche, sondern Potenzial. Konsensfähigkeit und strategische Geschlossenheit entstehen eher in überschaubaren Strukturen. Wir haben einen starken Prüfungsdienst, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie eine klare Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Mitgliedsinstitute. Und genau daraus leitet sich auch unsere Rolle ab: die spezifischen Interessen der PSD-Banken, insbesondere als beratende Direktbankengruppe, im Verbund klar zu vertreten.
Herr Königshausen, spielen Sie bei der PSD Bank West, im Schatten des Kölner Doms, mit dem Gedanken, das PSD-Grün zu verlassen?
Königshausen: Die Frage kann ich nur mit einem klaren, ausdrücklichen und nachhaltigen Nein beantworten. Das PSD-Grün ist für unsere Bank weit mehr als ein bloßer Farbanstrich. Es steht sinnbildlich für unsere Wurzeln, zu denen wir uns heute und künftig bekennen. Trotz der gemeinsamen Historie der PSD-Banken ist mir, ebenso wie meinen Vorstandskollegen, bewusst: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Als PSD-Bankengruppe stehen wir vor denselben Herausforderungen wie Regionalinstitute im blau-orangenen oder roten Lager: steigende regulatorische Anforderungen, veränderte Kundenbedürfnisse, die Notwendigkeit, das Leistungsangebot weiter zu digitalisieren – und zugleich das größte Asset einer Bank zu pflegen und zu erhalten: das Vertrauen der Kundinnen und Kunden. Wir haben bei unseren Kundinnen und Kunden einen guten Stand. Und wir arbeiten jeden Tag daran, diesen zu sichern sowie weiter auszubauen.
„Als PSD-Bankengruppe stehen wir vor denselben Herausforderungen wie Regionalinstitute im blau-orangenen oder roten Lager: steigende regulatorische Anforderungen, veränderte Kundenbedürfnisse und die Notwendigkeit, das Leistungsangebot weiter zu digitalisieren.“
Hat die Zinswende Ihr Geschäftsmodell gerettet – oder nur Zeit gekauft?
Königshausen: Weder das eine noch das andere. Die Zinspolitik hat viele Banken vor Herausforderungen gestellt; die Zinswende hat den Ertragsdruck ohne Zweifel reduziert. Aber sie ersetzt keine Strategie. Ich bin von der Zukunftsfähigkeit unserer Gruppe fest überzeugt. Auf unserem Verbandstag im Oktober vergangenen Jahres haben wir ein Investitionspaket von mehr als zehn Millionen Euro beschlossen. Damit investieren wir in die Stärkung der Marke sowie in die Optimierung digitaler und kundenzentrierter Prozesse. Ein deutlicheres Signal kann man aus meiner Sicht kaum senden.
Sie klingen sehr optimistisch. Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen für die PSD-Banken?
Königshausen: Die klassischen Volks- und Raiffeisenbanken sind traditionell und auch kulturell deutlich stärker im stationären Vertrieb verankert. Hier haben wir strukturelle Vorteile. Gleichzeitig zeichnet uns eine optimale Gruppengröße aus: Wir sind klein genug, um konsensfähig zu sein, und zugleich groß genug, um Skaleneffekte zu erzielen. Besonders optimistisch macht mich, dass wir auf Veränderungsdruck mit Veränderungsbereitschaft reagieren. Das ist eine gute Kombination. Barack Obama hat es einmal treffend formuliert: „Wir sind nicht hier, um die Zukunft zu fürchten. Wir sind hier, um sie zu gestalten.“
Hat die Zinswende Ihr Geschäftsmodell gerettet – oder nur Zeit gekauft?
Königshausen: Weder das eine noch das andere. Die Zinspolitik hat viele Banken vor Herausforderungen gestellt; die Zinswende hat den Ertragsdruck ohne Zweifel reduziert. Aber sie ersetzt keine Strategie. Ich bin von der Zukunftsfähigkeit unserer Gruppe fest überzeugt. Auf unserem Verbandstag im Oktober vergangenen Jahres haben wir ein Investitionspaket von mehr als zehn Millionen Euro beschlossen. Damit investieren wir in die Stärkung der Marke sowie in die Optimierung digitaler und kundenzentrierter Prozesse. Ein deutlicheres Signal kann man aus meiner Sicht kaum senden.
Sie klingen sehr optimistisch. Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen für die PSD-Banken?
Königshausen: Die klassischen Volks- und Raiffeisenbanken sind traditionell und auch kulturell deutlich stärker im stationären Vertrieb verankert. Hier haben wir strukturelle Vorteile. Gleichzeitig zeichnet uns eine optimale Gruppengröße aus: Wir sind klein genug, um konsensfähig zu sein, und zugleich groß genug, um Skaleneffekte zu erzielen. Besonders optimistisch macht mich, dass wir auf Veränderungsdruck mit Veränderungsbereitschaft reagieren. Das ist eine gute Kombination. Barack Obama hat es einmal treffend formuliert: „Wir sind nicht hier, um die Zukunft zu fürchten. Wir sind hier, um sie zu gestalten.“
Tradierte Banken verlieren Marktanteile. Steht das klassische Bankmodell angesichts von Neobanken und Neobrokern grundsätzlich auf dem Prüfstand?
Königshausen: Nein. Neobanken und Neobroker besetzen eine Nische, in der wir uns nicht sehen. Selbstverständlich ist es für Banken insgesamt schwieriger geworden: Regulierung, Margendruck, Digitalisierung, um nur einige Punkte zu nennen. Es ist heute deutlich anspruchsvoller, eine Bank erfolgreich zu führen, als noch vor zehn Jahren. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass Bankkundinnen und -kunden mehr erwarten dürfen als ein kostengünstiges, rein digitales Angebot. Gerade in finanziellen Belangen ist das Vertrauensverhältnis zwischen Kundin oder Kunde und Bank essenziell für Erfolg oder Misserfolg.
Stein: Wenn man auf die vergangenen Jahrzehnte blickt, gab es immer wieder Transformationsphasen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Unsere Aufgabe ist es daher, erstens zu fragen: Was kann jede Bank selbst tun, um gegenzusteuern? Und zweitens: Wie nutzen wir die Stärke des Verbundes, damit nicht jedes Institut das Rad neu erfinden muss? Ich bin überzeugt, dass wir im Verbund gute Antworten finden werden – an denen aktuell bereits intensiv gearbeitet wird.
Wird eine PSD Bank künftig mehr Produktanbieter oder mehr Plattformbetreiber sein?
Stein: Möglicherweise beides. Aber eines werden wir mit Sicherheit nicht aufgeben: dass wir selbst Produkte produzieren. Wenn wir nur im Frontend für Kundinnen und den Kunden präsent wären, hätten wir am Ende weder die Hand auf den Prozessen noch auf der Art und Weise, wie unsere Dienstleistungen tatsächlich abgewickelt und serviciert werden. Genau das ist uns wichtig. Deshalb werden wir diesen Kern nicht aufgeben. Für uns ist es entscheidend, Mehrwert für die Kundinnen und Kunden zu stiften. Wenn das in einzelnen Bereichen bedeutet, auch als Plattform zu agieren, dann ist das so. Ich halte nichts von einem Entweder-oder. Aber die eigene Produktkompetenz bleibt aus meiner Sicht ein wesentlicher Bestandteil unseres Geschäftsmodells.
Königshausen: In einer Plattformökonomie wäre es fast schon sträflich, das Plattformgeschäft zu vernachlässigen. Gerade im Bereich der Baufinanzierungen wurde bereits vor Jahren von der Presse getitelt, „Die private Baufinanzierung plattformisiert sich“. Gerade bei finanziellen Lebensentscheidungen wie dem Immobilienkauf ist es nicht nur legitim, sondern absolut nachvollziehbar, wenn Kundinnen und Kunden auf Plattformen Vergleiche anstellen und das beste Angebot auswählen. Ein Vergleich, den wir in unserer Gruppe nicht scheuen müssen. Aber das Plattformgeschäft selbst ist nur ein Baustein unseres Vertriebswege-Mixes. Einen eigenen Plattformbetrieb haben wir aber nicht vorgesehen. Hier gilt für mich: Schuster, bleib bei Deinen Leisten – es gibt bereits zahlreiche etablierte Plattformen, auf denen wir vertreten sind und mit denen wir äußerst vertrauensvoll und erfolgreich zusammenarbeiten.
Das Interview wurde am 25. Februar geführt.

René Königshausen
René Königshausen wurde 2014 in den Vorstand der PSD Bank West eG berufen und ist seit 2019 als Vorstandsvorsitzender für die Bereiche Vertrieb, Treasury und Personal verantwortlich. Seit März 2024 ist er zudem Vorsitzender des Verbandsrats des Verbandes der PSD Banken.

Dr. Philipp Stein
Dr. Philipp Stein hat zum 2. Februar 2026 den Vorstandsvorsitz des Verbands der PSD Banken e.V. übernommen.
Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Herausgeber der BANKINGNEWS und Gründer des BANKINGCLUB. In seinem Editorial „Quer durch die Bank“ bezieht er regelmäßig zu den Themen Stellung, die die Welt der Finanzen bewegen.
Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen.
Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.


