BANKINGNEWS: Warum muss ich mich als Kreditinstitut mit dem Thema Entity Resolution beschรคftigen, um Geldwรคsche und Terrorismusfinanzierung effektiv zu bekรคmpfen?
Stutzke: Jede Organisation muss sicherstellen, dass ihre Entitรคten bzw. Kunden auch diejenigen sind, die sie vorgeben zu sein โ z.B. fรผr die Rechnungsstellung. Fรผr Banken im Speziellen kommt das Thema Compliance hinzu. Um gewisse Regularien zu erfรผllen, muss im Sinne der Geldwรคscheprรคvention und der Identifizierung von Terrorismusfinanzierung ganz klar sein, welche Entitรคt hinter den Daten steht. Die Grundlage fรผr solch eine Analyse ist eine gute Datenqualitรคt. Denken Sie daran, wie viele Umzรผge, Hochzeiten oder Namensรคnderungen stattfinden. Hinzu kommt, dass bestimmte Suspekte Lรถcher im System finden. Daher ist es essentiell, dieses System aufrecht und die Datenqualitรคt akkurat zu halten.
Was tut Ihre Software, um die Bank in der Compliance und im Fraudmanagement zu unterstรผtzen?
Unsere Software sorgt dafรผr, dass Banken Compliance-Verstรถรe identifizieren und diese auf eine solide Datenbasis heben kรถnnen. Es gibt viele Mรถglichkeiten der Analyse, die alle auf den vorhandenen Kundendaten fuรen. Darรผber hinaus gibt es die Mรถglichkeit, Fremddaten heranzuziehen und damit die eigenen Daten zu veredeln und aktuell zu halten. Das fรผhrt dazu, den spรคteren Aufwand gering und Compliance-Regeln einzuhalten.
Bei Big Data drรคngt sich die Frage nach Datenschutz und Datensicherheit auf: Wie verhindern Sie einen Missbrauch der Kundendaten und wo stehen beispielsweise die Server, wenn diese Daten in der Cloud gespeichert werden?
Dieses Thema beschรคftigt uns als amerikanisches Unternehmen, das auf dem deutschen Markt tรคtig ist, sehr stark. Wir bieten Cloud-basierte Lรถsungen und Software-as-a-Service an, wissen aber auch, dass On-Premise-Lรถsungen, die direkt im Netzwerk der Bank installiert sind, die erste Wahl darstellen. Unsere Software ist modular aufgebaut, sodass beide Lรถsungen mรถglich sind. Wir fรผhren Ihre Daten nicht nach auรen, sondern reichern sie vor allem an. Wenn wir Daten von auรen integrieren, kรถnnen wir dies verschlรผsselt tun, sowohl fรผr die Transaktion als auch fรผr den Inhalt. Darรผber hinaus bieten wir anonyme Abfragen in verschiedenen Datenbanksystemen an. In einer Terrorismusdatenbank mรผssen Sie den Namen des Kunden nicht nach auรen geben, sondern kรถnnen ihn รผber eine ID abfragen.
Welche Kosten entstehen durch die Einfรผhrung der Software fรผr die Bank und welche Kosten lassen sich dadurch vermeiden?
Ein Return-on-Investment soll innerhalb der ersten zwรถlf Monate geschehen. Das ist unabhรคngig davon, ob es um Compliance oder andere Bereiche geht. Es entstehen Kosten fรผr die Lizenzen, die Daten, die Implementierung und fรผr Schulungen. Die tรคgliche Pflege und die Anpassung der Regelwerke kann spรคter von Institutsseite selbststรคndig durchgefรผhrt werden. Die falsch positiv gemeldeten Fรคlle kรถnnen extrem reduziert werden, was je nach getesteter Transaktion ein signifikanter Kosteneinsparungsblock sein kann. Auch beim Reporting ist oftmals sehr viel manuelle Nacharbeit notwendig, die durch gute Daten entsprechend eingespart werden kann.
Kann die Software problemlos in bestehende Systeme implementiert werden?
Unser System ist kein Kernsystem, das ein bestehendes System ablรถst, sondern sich durch Schnittstellen zu den meisten anderen Systemen nahtlos und agil in die Infrastruktur eingliedert. Wir haben einen nicht-disruptiven Ansatz. Dadurch werden die Projekte schmal und die Lรถsung flexibel.
Ist eine besondere Schulung der Mitarbeiter nรถtig?
Man kann und sollte nicht komplett auf Schulungen verzichten. Mit unserer Software gehen zwei Mitarbeiterklassen um: Einerseits derjenige, der spรคter fรผr die recht komplexen Regelwerke zustรคndig ist. Das Compliance-Knowhow fรผr die Definierung dieser Regelwerke bringt die Bank ohnehin mit. Wir bieten individualisierte Schulungen fรผr die Modellierung von Prozessen an. Andererseits gibt es die Endnutzer, die meistens auch im Compliance-Bereich sitzen und mit den visuellen Tools arbeiten, die browserbasiert und intuitiv zu verwenden sind.
Bietet die Analyse und Verknรผpfung der Daten weitere Vorteile, z.B. fรผr den Vertrieb oder die Kundengewinnung?
Die gute Datenbasis, die wir fรผr die Compliance schaffen, kรถnnen wir unter der Berรผcksichtigung des Datenschutzes fรผr den Vertrieb, den Berater, in der Filiale oder fรผr das Call-Center nutzen. Man kann eine komplette Sicht auf den Kunden haben. Die Datenstruktur kann aber auch so eingestellt werden, dass nur die Daten sichtbar sind, die von den verschiedenen Einheiten genutzt werden sollen. Das geht bis zu einer adรคquateren Kundenansprache. Man kann „Next-Best-Action“ fรผr das Marketing oder den Vertrieb anbieten. Wir sind auch in Customer Engagement Lรถsungen sehr breit aufgestellt, um diese Aspekte miteinander zu verbinden. Daten und Kundenansprache kommen sehr schnell zusammen.
Was nehmen Sie fรผr Ihr Unternehmen und persรถnlich von zwei Tagen COMPLIANCEforBANKS 2016 mit?
Als Softwareunternehmen hat man das Glรผck, auch in solche Fachbereiche hineinschauen zu dรผrfen. Es ist ein Thema, das sehr stark durch die sich schnell รคndernden Regularien betroffen ist. Das bedeutet fรผr uns, dass wir diese Agilitรคt, die Sie beweisen mรผssen, selbst weiterhin auf unsere Fahnen schreiben. Fรผr mich persรถnlich war es interessant, die Sorgen und Nรถte noch einmal aus erster Hand zu erfahren. Dafรผr ist eine Veranstaltung des BANKINGCLUB wie diese ideal.
Philipp Scherber war von Januar 2016 bis Oktober 2019 Redakteur bei BANKINGNEWS und bekleidete anderthalb Jahre die Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Wรคhrend seines Studiums der Geschichte und Medienwissenschaft sammelte er praktische Erfahrungen im TV- und Online-Journalismus. An der Universitรคt zu Kรถln verantwortete er von 2012 bis 2016 das Online-Rezensionsjournal www.lesepunkte.de.

