Der Stresstest ist vorbei, doch der eigentliche Stress hat für Banken gerade erst begonnen. Auf deutscher Seite sind insbesondere die beiden großen Privatbanken – die Deutsche Bank und die Commerzbank – erschreckend weit im hinteren Teilnehmerfeld gelandet. Die Börse reagierte sofort: Während Anlage-Experten eindringlich von einem Kauf der Deutsche-Bank-Aktie abraten, befindet sich das Wertpapier der Commerzbank mittlerweile auf einem Rekordtief.
Dabei darf die Wirkung der in den Medien intensiv diskutierten Ergebnisse nicht unterschätzt werden. Die Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse beinhaltet signifikante Bewegungen an der Börse. Die Frage sei erlaubt: Ist eine Veröffentlichung dieser Ergebnisse überhaupt sinnvoll? Schließlich kann der Aktienabsturz eines börsennotierten Unternehmens zu erheblichen Schäden führen. Im Grunde sollen die simulierten Krisensituationen Geldhäusern aufzeigen, wo sie ihre Schwächen haben, damit sie gegebenen falls ihre Probleme beheben können. Aber führt ein gesunkener Börsenwert nicht zu einer schlechteren Reputation, resultierend aus der Veröffentlichung der Tests? Führen diese öffentlichen Stresstests das ganze Modell zur Prävention von Finanzkrisen gar ad absurdum? Denn auf gewisse Weise gehen getestete Institute, nicht nur ihren Ruf betreffend, geschwächt aus der Simulation hervor.
Christian Grosshardt war zwischen 2014 und 2018 Redakteur im BANKINGCLUB und fungierte von Januar bis April 2018 als Chefredakteur von BANKINGNEWS. Während seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kölnischen Rundschau.
