Mittwoch, 29. April 2026
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Banken als Anleiheemittenten: eine sichere Bank

Die Bankenbranche hat viele Herausforderungen zu meistern: neben dem Niedrigzins und einer flachen Zinskurve, die die Ertrรคge schmรคlern, sind besonders die Digitalisierung und eine strengere Regulatorik hervorzuheben. Doch in Herausforderungen liegen auch neue Chancen. Beispiel Regulatorik: Infolge der Finanzkrise von 2008 wurden eine Reihe von Vorschriften erlassen, mit denen die Sicherheit fรผr Kunden von Finanzdienstleistern erhรถht und damit gleichzeitig auch die Stabilitรคt von Banken verbessert wurde. Diese Schritte haben wiederum zu einem besseren Standing der Finanzinstitute in der ร–ffentlichkeit und auf dem Kapitalmarkt gefรผhrt, das durch die Finanzkrise zuvor schweren Schaden erlitten hatte.

Wenn Anleger Geld an Banken leihen ยญ in Form von Bankeinlagen oder beim Erwerb von Anleihen ยญ mรผssen sie nicht mehr befรผrchten, die Katze im Sack zu kaufen, sondern kรถnnen davon ausgehen, dass das Finanzinstitut einen ausreichend hohen Eigenkapitalpuffer hat, um wirtschaftlich schwierige Zeiten zu รผberstehen. Im Falle von Bankanleihen lassen sich zudem durch aktives Asset Management, das Opportunitรคten in der Regulatorik gezielt ausnutzt, attraktive Renditen erzielen.

Rendite steigt mit dem Risiko

Ein wichtiges Prinzip des Investierens ist: Je mehr Risiko eingegangen wird, desto hรถher sollte die Belohnung in Form von Rendite ausfallen. Bei Anleihen ist eine hรถhere Rendite ย mรถglich, wenn Glรคubiger in Kauf nehmen, bei einer Insolvenz des Emittenten als letzter aus der Insolvenzmasse bedient zu werden. Dies ist bei Nachranganleihen der Fall. Um das hรถhere finanzielle Risiko zu steuern, hilft eine sorgfรคltige Unternehmensanalyse und die Selektion von Emittenten mit einer soliden Bonitรคt.

In der Finanzkrise 2008 fielen manche Finanzinstitute wie Kartenhรคuser in sich zusammen. Diese Erfahrungen haben zu hรถheren Anforderungen an die Stabilitรคt und Transparenz von Kreditinstituten durch die Finanzaufsichtsbehรถrden gefรผhrt. Das im Jahr 2010 vom Basler Ausschuss der Bank fรผr Internationalen Zahlungsaustausch (BIZ) verabschiedete und 2017 ergรคnzte internationale Regelwerk Basel III sollte ursprรผnglich ab dem 1. Januar 2022 in Europa final in Kraft treten. Aufgrund der Corona-Krise hat die BIZ angekรผndigt, den Start in Teilen auf 2023 zu verlegen. Den Banken werden zusรคtzlich noch weitere fรผnf Jahre Zeit eingerรคumt, um die ร„nderungen selbst umzusetzen.

Basel III stรคrkt abermals Kernkapitalquote

Mit Basel III werden Banken dazu verpflichtet, ihre Kernkapitalquote auf 6 Prozent zu erhรถhen sowie einen Kapitalpuffer vorzuhalten. So mรผssen Banken ihr hartes Kernkapital von 2 Prozent auf 4,5 Prozent ausweiten und einen Zusatzpuffer aufbauen, um ihr Ausfallrisiko in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu senken. Global systemrelevante Banken mรผssen zusรคtzlich je nach ihrem Grad der Systemrelevanz hartes Kernkapital in Hohe von 1,0 Prozent bis 3,5 Prozent der risikogewichteten Aktiva aufbauen.

Neue Liquiditรคtskennziffern und eine Verschuldungsobergrenze (Leverage Ratio) tragen zur weiteren Stabilisierung und Transparenz der Kreditinstitute bei. So soll beispielsweise die Net Stable Funding Ratio (NSFR) den strukturellen Liquiditรคtsbedarf offenbaren, was die langfristigen Finanzierungsquellen fรผr Forderungen sicherstellen soll. Die sogenannte Output-Floor Regelung legt fest, dass intern kalkulierte Kreditrisiken nicht mehr als 27,5 ย Prozent von einem Standardwert abweichen dรผrfen.

Regeln vermindern Risiko, Sondereffekte erhรถhen Rendite

Die verschรคrften Vorgaben an Finanzinstitute und die deutlich gestiegene Transparenz tragen also dazu bei, dass Anleger auch bei nachrangigen Bankanleihen ein spรผrbar reduziertes Risiko eingehen. Interessante Renditechancen ergeben sich aber auch durch das gezielte Ausnutzen von regulatorischen Sondereffekten. ร„nderungen der steuerlichen oder rechtlichen Rahmenbedingungen fรผhren oft dazu, dass Anleihen vorzeitig zurรผckgezahlt werden.

So hat beispielsweise die spanische GroรŸbank Santander 2019 die Kรผndigung einer nachrangigen Tier 1-Anleihe bekanntgegeben, da diese aufgrund regulatorischer ร„nderungen nicht mehr zum haftenden Eigenkapital hinzugerechnet werden kann. Diese Ankรผndigung hatte zur Folge, dass der Markt bei vielen anderen Anleihen von einer hรถheren Kรผndigungswahrscheinlichkeit ausging, was zu entsprechenden Kursgewinnen gefรผhrt hat.

Allein durch die Ankรผndigung sind diese Anleihen wieder in den Fokus geraten und bewegen sich seitdem unkorreliert zu den Gesamtmรคrkten Richtung pari (100) auf den Termin Ende 2021 gerechnet. Unterstรผtzend hat die European Banking Authority (EBA) in einer Stellungnahme klargestellt, dass ein wesentlicher Teil der nachrangigen Anleihen ab Ende 2021 nicht mehr als Eigenkapital anrechenbar ist.

Grundvoraussetzung: Emittenten sorgfรคltig analysieren

Auch wenn sich hervorragende Renditemรถglichkeiten ergeben und das Risiko bei Bankanleihen durch die strikten regulatorischen Vorgaben reduziert wurde, bedarf es einer sorgfรคltigen Analyse mรถglicher Anleiheemittenten, um weiter das Risiko gering zu halten. So kรถnnen externe Ratings und die Eingrenzung des Anlageuniversums auf geringere Risikoklassen โ€“ kein Kauf von Anleihen mit einem Rating von CCC oder schlechter โ€“ das Risiko weiter eingrenzen. Auch die Berรผcksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien, den sogenannten ESG-Ratings, trรคgt zu einer risikoreduzierten Ausrichtung des Portfolios bei.

Durch umsichtige Anleihenselektion und das Ausnutzen von regulatorischen ร„nderungen lassen sich somit mit nachrangigen Bankanleihen โ€“ und analog รผbrigens auch mit Bonds von Versicherungen โ€“ auskรถmmliche Renditen von 2 bis 3 Prozent รผber eine mehrjรคhrige Laufzeit realisieren. Diese Rendite liegt รผber dem Durchschnitt von Anleihen-Indizes von Finanzinstituten mit einem Rating von mindestens B, der bei 1,67 Prozent liegt, und erst recht รผber dem Niveau von Staatsanleihen. Somit gilt die Devise: Rendite trotz relativer Sicherheit.

 

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