Dieser Tage fragt sich der treue Mitarbeiter innerhalb der Bankbranche mal wieder, wie es um ihn bestellt ist. Gehรถre ich zu der stark umworbenen Zielgruppe der Fachkrรคfte oder Azubis oder trifft mich demnรคchst der Rotstift aus der Personalabteilung direkt ins Herz?
Corealcredit eine Tochter der Aareal Bank AG streicht 30-40 der ca. 160 Stellen liest man im Spรคtsommer, nun sollen weitere folgen. Bei der HSH Nordbank wird bis 2017 jede fรผnfte Stelle wegfallen. Die Commerzbank ist immer noch mitten in der Umsetzung ihrer Abbauplรคne. Die einen machen es leise, bei den anderen besorgt die Presse den Lรคrm. Personalabbau ist immer eine Schlagzeile wert. Und so lautet es in einer Studie von Bain & Company, dass binnen der nรคchsten zehn Jahre durchaus bis zu 100.000 Jobs wegfallen werden. Da ertappe ich mich, dass ich dies hier schreiben will, โbei der letzten Strukturkrise der Banken in den 90er Jahren verglich der damalige Deutsche Bank-Vorstand Ulrich Cartellieri unsere Branche mit der Stahlindustrie und sagte sinngemรคร, die hรคtten hinter sich, was wir noch vor uns habenโ. Doch genau das habe ich schon geschrieben, im Juni 2008! Eine Strukturkrise ohne Ende? Wundern Sie sich jetzt allen Ernstes noch, warum jede fรผnfte Ausbildungsstelle in unserer Branche unbesetzt bleibt? Es liegt nicht am mangelnden employer branding, wie es neudeutsch so schรถn klingt. Es liegt am schleichenden Siechtum unserer Branche. Sozusagen von einer Strukturkrise in die Nรคchste. Die Generation Y will etwas Sinnvolles machen. Geht das in einer Branche die Rohstoffe zockt, Hochgeschindigkeitshandel betreibt und dem Mittelstand den Geldhahn zudreht? Dann doch lieber Beamter werden?
Nicht Nine-to-Five
Dabei wollen die jungen Leute gar nicht Dienst nach Vorschrift machen. Nicht Nine-to-Five. Junge Leute, so zeigen Studien, wollen sich einbringen, Verantwortung รผbernehmen und mit gestalten dรผrfen. Junge Leute wollen einen Job, vom dem sie zu 100 Prozent รผberzeugt sind, immerhin blicken sie auf 40 Jahre Arbeitswelt. Welchen Frust das auslรถsen kann, kennen sie im schlechten Fall aus dem Elternhaus. Das Privatleben geht bei dieser Generation nicht vor aber die Balance muss stimmen. Vier Tage, einen Teil von zuhause, Lebensarbeitszeitkonten undย die Mรถglichkeit zum Sabatical, sind Begriffe mit denen sich die Branche beschรคftigen sollte, wenn das mit der Suche nach Fachkrรคften und Auszubildenden nicht in die Hose gehen soll.
Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Herausgeber der BANKINGNEWS und Grรผnder des BANKINGCLUB. In seinem Editorial โQuer durch die Bankโ bezieht er regelmรครig zu den Themen Stellung, die die Welt der Finanzen bewegen.
Der Profinetzwerker zรคhlt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugรคnglich zu machen.
Auรerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Autor verschiedener Fachbรผcher und Buchbeitrรคge.


