Dienstag, 06. Januar 2026
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Innovation und Regulatorik: Ein Balanceakt für Banken 

Künstliche Intelligenz gilt als Innovationsmotor – doch Banken stehen immer wieder vor neuen regulatorischen Hürden. Zwischen Chancen, Kosten und strengen Auflagen müssen sie einen Mittelweg finden: Wie lässt sich Innovation fördern, ohne die Compliance aus dem Blick zu verlieren?

Die Welt der Künstlichen Intelligenz (KI) ist faszinierend und voller Möglichkeiten. Doch mit großen Chancen kommen auch große Herausforderungen. Der EU AI Act, der am 1. August 2024 in Kraft trat, ist ein Paradebeispiel dafür. Dieses Gesetz wurde geschaffen, um einen einheitlichen Rechtsrahmen für KI zu etablieren und gleichzeitig Innovationen zu fördern. Doch wie wirkt sich das auf die Bankenbranche aus?

Die Geburt des EU AI Acts 

Stellen Sie sich vor, es ist April 2021. Die Europäische Kommission schlägt erstmals den EU AI Act vor. Nach zahlreichen Überarbeitungen und intensiven Diskussionen wird das Gesetz schließlich im März 2024 vom EU-Rat verabschiedet. Der EU AI Act klassifiziert KI-Anwendungen nach ihrem Risikopotenzial in vier Kategorien: inakzeptables Risiko, hohes Risiko, begrenztes Risiko und minimales Risiko. Anwendungen mit inakzeptablem Risiko sind verboten, während hochriskante Anwendungen strengen Sicherheits-, Transparenz- und Qualitätsanforderungen unterliegen.

Verbotene Praktiken? Ja, zum Beispiel die Emotionserkennung am Arbeitsplatz. Die Analyse von Gesichtsausdrücken oder der Stimme zur Messung von Stimmung oder Engagement – das ist ein No-Go. Diese Praxis gilt als besonders invasiv und ist je nach Kontext verboten oder stark eingeschränkt.

Regulatorik: Freund oder Feind der Innovation? 

Während der EU AI Act darauf abzielt, Innovationen zu fördern, haben viele Banken gelernt, dass Regulatorik auch hemmend wirken kann. Die Einhaltung von strengen Vorschriften kann den Entwicklungsprozess verlangsamen und zusätzliche Kosten verursachen. 

Trotz dieser Herausforderungen sind Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI wichtig. Banken müssen vertrauenswürdig bleiben, ihre Reputation schützen und die Daten ihrer Kunden und Mitarbeiter sichern. Der EU AI Act bietet hier einen wichtigen Rahmen, um sicherzustellen, dass KI-Systeme sicher und ethisch eingesetzt werden. Doch wie wird dieser umgesetzt? Wird der EU AI Act zu einer Maschinerie an Anforderungen führen? 

Ein Balanceakt 

Die Zukunft des EU AI Acts und seine Auswirkungen auf die Bankenbranche stehen noch in den Sternen. Es liegt an den Unternehmen, wie sie mit diesen Anforderungen umgehen. Es ist ein Balanceakt zwischen der Einhaltung von Vorschriften und der Förderung von Innovationen. Banken müssen Wege finden, um die regulatorischen Pflichten zu erfüllen, ohne ihre Innovationskraft zu verlieren.

Innovation trotz Regulatorik 

Wie können Unternehmen also compliant sein und gleichzeitig innovativ bleiben? Hier sind einige Strategien: 

  1. Frühzeitige Einbindung von Compliance-Teams: Integrieren Sie Ihre Compliance-Teams frühzeitig in den Entwicklungsprozess von KI-Anwendungen. So können potenzielle regulatorische Hürden frühzeitig erkannt und adressiert werden. 
  1. Interdisziplinär arbeiten: Nicht in Silos denken und arbeiten – Schauen Sie über den Tellerrand hinaus und verheiraten Sie Ihre Governance-Prozesse. Governance kann auch effizient eingebunden werden.
  1. KI-Strategie & Compliance: Compliance-Teams sollten die Geschäftsstrategie zu KI kennen. Klären Sie, wie KI Ihre Unternehmensziele unterstützt – und passen Sie Governance-Praktiken entsprechend dieser strategischen Ausrichtung an. 
  1. Netzwerken: Tauschen Sie sich mit Markteilnehmern aus, profitieren Sie von Best Practices und verfolgen Sie die neuesten Entwicklungen rund um Technologie, Innovation und Rechtsprechung.  

Der EU AI Act stellt sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance für die Bankenbranche dar. Während die Einhaltung der Vorschriften komplex und kostspielig sein kann, bietet der Act auch einen Rahmen, um KI sicher und ethisch einzusetzen. Es liegt an den Banken, diesen Balanceakt zu meistern und ihre Innovationskraft zu bewahren. 

Leila Harborth ist Team/Expertise Lead für AI & Innovation bei der ING Deutschland.

In ihrer Rolle gestaltet sie die Weiterentwicklung von AI-Themen bei der ING Deutschland mit – insbesondere im Bereich der Identifikation und Umsetzung neuer AI-Anwendungsfälle sowie der Umsetzung von regulatorischen Anforderungen. Dabei verfolgt sie einen ganzheitlichen End-to-End-Ansatz, der strategische, technische und regulatorische Perspektiven integriert.

Zuvor war sie als Unternehmensberaterin tätig und bringt umfassende Erfahrung als Projektmanagerin und Data Expertin mit.

Ihre Arbeit beruht auf einem tiefgreifenden Verständnis für das Bankwesen und entsprechende Geschäftsprozesse sowie für Data Governance & Protection, Regulatorik und Künstliche Intelligenz.

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