Sonntag, 15. Mรคrz 2026
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Kroatien wird Teil der EURO-Familie

Mit der feierlichen Aufnahme Kroatiens in die Eurozone findet ein mehrjรคhriger Adaptionsprozess seinen erfolgreichen Abschluss. Es ist die erste Erweiterung des Wรคhrungsraums seit mehreren Jahren. Zuvor waren Lettland (2014) und Litauen (2015) in den Kreis der EU-Lรคnder aufgenommen worden, die den Euro als Landeswรคhrung fรผhren. Dabei lรคsst die planmรครŸige Durchfรผhrung des Vorhabens nicht nur die Gemeinschaft auf 20 Mitglieder anwachsen, sondern kรถnnte gleichermaรŸen Vorbildcharakter fรผr die Annรคherung weiterer Balkanstaaten haben.ย 

Vollwertiges Mitglied

Bereits im Juli des vergangenen Jahres รผberwand Kroatien die letzte Hรผrde auf dem Weg zum Euro. Der Rat der Europรคischen Union (EU) einigte sich damals auf einen festen Umrechnungskurs und folgte damit der Ankรผndigung der Europรคischen Kommission. Diese hatte Kroatiens Beitritt einen Monat zuvor bestรคtigt und den Termin festgelegt. Der Euro beerbt also die kroatische Kuna und kann in einem Verhรคltnis von 1 zu 7,53450 getauscht werden. Bis zum Jahr 2025 steht es Besitzern von Mรผnzgeld offen, dieses Angebot zu nutzen. Bei Banknoten gilt demgegenรผber keine zeitliche Begrenzung.ย 

Parallel zur Anerkennung des neuen Zahlungsmittels wird Kroatien auch Teil des Schengenraums. Die Kontrolle der Landgrenzen zu Slowenien entfรคllt damit ebenso wie die Kontrolle der See- und Luftwege zu weiteren Schengen-Staaten. Kommissionsprรคsidentin Ursula von der Leyen fasste die Aufwertung des Status folgendermaรŸen zusammen: โ€œKeine Kontrollen mehr, keine Passkontrolle mehr, keine Warteschlangen mehr.โ€ Sie war anlรคsslich der vertieften Mitgliedschaft nach Zagreb gereist und beging zusammen mit dem kroatischen Premierminister Andrej Plenkoviฤ‡ und der slowenischen Prรคsidentin Pirc Musar den historischen Tag.ย 

Trotz der wirtschaftlichen Vorteile sind bis heute sieben EU-Lรคnder nicht Teil des gemeinsamen Wรคhrungsraums. Schweden, Dรคnemark, Polen, Ungarn, Tschechien, Rumรคnien und Bulgarien besitzen nach wie vor eine eigene Landeswรคhrung. Vertraglich haben sie sich alle (auรŸer Dรคnemark) dazu verpflichtet, den Euro einzufรผhren, verbindliche Zeitvorgaben existieren jedoch nicht. Zum gegenwรคrtigen Zeitpunkt stellt sich die Situation so dar, dass die Mehrzahl der verbliebenen Lรคnder die Auflagen zwar erfรผllt, aber die Autonomie in Wรคhrungsfragen bevorzugt.ย ย 

Kroatien als Vorbild

Hinsichtlich der Balkanstaaten trifft diese Einordnung allerdings nicht zu. Sowohl Rumรคnien als auch Bulgarien haben wiederholt Interesse bekundet, Teil der Eurozone zu werden. Wรคhrend Rumรคnien aus Sicht der EU keines der vier Konvergenzkriterien fรผr die Aufnahme in die Eurozone erfรผllt, befindet sich Bulgarien tatsรคchlich auf dem Pfad der Umsetzung. Seit dem 10. Juli 2020 ist es Teil des Europรคischen Wechselkursmechanismus II (WKM II). Der Zugang erfolgte zeitgleich zu Kroatien, das mit Jahresbeginn die formale Aufenthaltsdauer von zwei Jahren erreicht hat.ย 

Wie lange Bulgarien noch im oft zitierten โ€œWarteraumโ€ der Eurozone verbleiben muss, wird sich zeigen. Den bisherigen Entscheidungen nach zu urteilen, ist eine zeitnahe Aufnahme in den illustren Club der vollwertigen EU-Staaten keineswegs gesetzt. Erst im Dezember 2022 legten ร–sterreich und die Niederlande ihr Veto gegen die Aufnahme in den Schengenraum ein. Es wird daher maรŸgeblich von der Bereitschaft Bulgariens sowie Rumรคniens abhรคngen, deutliche Anpassungssignale an die Gemeinschaft auszusenden.ย 

Dass die Konvergenzkriterien gleichwohl nicht als harte Schranke verstanden werden mรผssen, hat das Beispiel Kroatien unter Beweis gestellt. De facto hรคlt Zagreb weder die Vorgaben bei der Staatsverschuldung noch bei der Preisstabilitรคt oder den Zinssรคtzen ein. Der lockere Umgang mit Formalien, der seinerseits in den teils groรŸen Diskrepanzen innerhalb der Eurozone begrรผndet ist, kรถnnte jedoch Ansporn fรผr die Balkanstaaten sein, sich noch einmal ins Zeug zu legen. In diesem Sinne bleibt die Frage, ob Kroatien den Balkan in Richtung Europa rรผckt oder ob Europa durch die Aufnahme Kroatiens nicht eher in Richtung Balkan rรผckt.

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Milan Herrmann ist ehemaliger Redakteur beim BANKINGCLUB.

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