Montag, 03. August 2026

Privates Geldvermögen steigt auf fast 10 Billionen Euro – BVR verweist auf schwachen Wohnungsbau

Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland ist Ende 2025 auf einen Rekordwert gestiegen. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) bewertet das Ergebnis jedoch ambivalent: Ein wesentlicher Grund für den Vermögenszuwachs sei die anhaltende Schwäche des Wohnungsbaus, wodurch mehr Kapital in Finanzanlagen fließe.

Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland hat Ende 2025 mit rund zehn Billionen Euro einen neuen Höchststand erreicht. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) wuchs das finanzielle Vermögen im vergangenen Jahr trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten um knapp fünf Prozent. Gleichzeitig mahnt der Verband jedoch, den Rekordwert nicht als Ausdruck einer dauerhaft verbesserten Vermögensbildung zu missverstehen.

„Dass die privaten Haushalte trotz schwacher Konjunktur und anhaltender Unsicherheiten heute über ein Geldvermögen von nahezu zehn Billionen Euro verfügen, ist zunächst eine gute Nachricht“, erklärt BVR-Präsidentin Marija Kolak. Gleichzeitig dürfe die Entwicklung nicht isoliert betrachtet werden. Der Rekord sei nicht allein auf höhere Sparleistungen zurückzuführen, sondern spiegele auch strukturelle Veränderungen wider.

Weniger Investitionen in Wohneigentum verschieben den Vermögensaufbau

Nach Angaben des BVR hat sich die Sparquote der privaten Haushalte 2025 wieder auf ein normales Niveau eingependelt. Mit 10,3 Prozent lag sie knapp unter dem Vorjahreswert, bewegte sich aber wieder im Bereich ihres langfristigen Durchschnitts. Während der Corona-Pandemie war sie aufgrund von Lockdowns, Konsumzurückhaltung und hoher Unsicherheit deutlich gestiegen, bevor sie infolge der hohen Inflation wieder zurückging.

2025 stiegen die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte zwar um knapp drei Prozent auf 2.645 Milliarden Euro, gleichzeitig nahmen jedoch auch die Konsumausgaben um rund vier Prozent zu. Das Sparvolumen ging dadurch auf 272 Milliarden Euro zurück. Dennoch erhöhte sich die Geldvermögensbildung auf 319 Milliarden Euro – ein scheinbarer Widerspruch, den der BVR mit einer veränderten Vermögensstruktur erklärt.

Nach Einschätzung des BVR ist der kräftige Anstieg des Geldvermögens auch Ausdruck der anhaltenden Schwäche bei den Investitionen in Wohnimmobilien. Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie eine zurückhaltende Investitionstätigkeit privater Haushalte bremsen weiterhin den Wohnungsbau. Die Nettoinvestitionen in Sachvermögen blieben 2025 mit minus 12,9 Milliarden Euro erneut negativ. Die Abschreibungen überstiegen damit die Neuinvestitionen. Dadurch verschiebt sich auch die Vermögensbildung: Wird weniger Geld in Wohnimmobilien investiert, verbleibt ein größerer Teil der verfügbaren Mittel in Finanzanlagen und erhöht das Geldvermögen. Aus Sicht des BVR ist der Rekord beim Geldvermögen daher nicht allein Ausdruck einer höheren Sparleistung, sondern auch Folge der anhaltenden Investitionsschwäche im Wohnungsbau.

BVR fordert bessere Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau

Der Verband fordert deshalb politische Maßnahmen, um Investitionen in Wohneigentum wieder attraktiver zu machen. Dazu zählen insbesondere schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, mehr verfügbares Bauland sowie Maßnahmen zur Senkung der Baukosten. „Deutschland muss den Investitionsstau im Wohnungsbau endlich auflösen. Eine nachhaltige Vermögensbildung braucht auch Investitionen in Wohnraum und Wohneigentum“, mahnt BVR-Präsidentin Marija Kolak. Nach Auffassung des Verbandes würde ein stärkerer Wohnungsbau gleich mehrere Herausforderungen adressieren: Er könnte den angespannten Wohnungsmarkt entlasten, Investitionen fördern und den langfristigen Vermögensaufbau privater Haushalte breiter aufstellen.

Für das laufende Jahr erwartet der BVR eine weniger dynamische Entwicklung. Geopolitische Spannungen, eine erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit sowie zeitweise starke Schwankungen an den Finanzmärkten dürften den weiteren Vermögensaufbau der privaten Haushalte bremsen. Gleichzeitig macht die aktuelle Sparstudie deutlich, dass der langfristige Vermögensaufbau nicht allein von der Sparquote abhängt. Ebenso entscheidend ist, in welche Vermögensklassen private Haushalte investieren. Solange der Wohnungsbau hinter seinem Potenzial zurückbleibt, dürfte ein größerer Teil der Ersparnisse weiterhin in Finanzanlagen fließen und das Geldvermögen stärker wachsen als das Sachvermögen.

Daniel Fernandez ist seit 2025 Chefredakteur der BANKINGNEWS. Seine journalistische Laufbahn begann er 2017 in der Redaktion als Volontär. Er studierte English Studies an der Universität Bonn (B.A. 2016) und vertiefte seine akademische Ausbildung mit einem Master in English Literatures and Cultures, den er ebenfalls in Bonn abschloss. Erste redaktionelle Erfahrungen sammelte er parallel zum Studium als freier Werbetexter.

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