Drei von vier viralen Finanz- und Investmentvideos auf TikTok enthalten nach einer aktuellen Untersuchung problematische oder irreführende Inhalte. Zu diesem Ergebnis kommt der „Finance TikTok Report Card 2026“ von DayTrading.com, für den besonders reichweitenstarke Beiträge aus den Bereichen #FinTok, #StockTok und #CryptoTok analysiert wurden.
Die Studie bewertete die Videos anhand der Kriterien Genauigkeit, Risikohinweise, Vereinfachung komplexer Sachverhalte und Bildungswert. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Vier von fünf analysierten Videos erhielten die Gesamtnote C (Schulnote 3) oder schlechter. Besonders kritisch sehen die Autoren fehlende Risikohinweise. Während 2025 noch 30 Prozent der analysierten Videos in dieser Kategorie die schlechteste Bewertung erhielten, lag der Anteil 2026 bereits bei 60 Prozent. Auch beim Bildungswert offenbart die Untersuchung erhebliche Defizite: Kein einziges der untersuchten Videos erhielt die Bestnote, während 30 Prozent mit der schlechtesten Bewertung abschnitten.
Als problematisch identifiziert die Studie vor allem Inhalte, die schnelle Gewinne versprechen, Risiken ausblenden oder komplexe Finanzthemen stark vereinfachen. Besonders häufig seien Beiträge zu Kryptowährungen und vermeintlichen „Geheimtipps“ für hohe Renditen. Gleichzeitig zeige die Untersuchung, dass qualitativ hochwertige Bildungsinhalte zwar vorhanden seien, jedoch deutlich seltener hohe Reichweiten erzielen.
Die Autoren sehen darin nicht nur ein Problem für Anlegerinnen und Anleger, sondern auch eine Chance für etablierte Finanzinstitute. Diese könnten mit glaubwürdigen und ausgewogenen Inhalten dazu beitragen, die Finanzbildung jüngerer Zielgruppen auf Social-Media-Plattformen zu stärken.
Trotz Warnungen der Aufsichtsbehörden
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei den Risikohinweisen. Obwohl Aufsichtsbehörden weltweit in den vergangenen Monaten verstärkt vor irreführenden Finanzinhalten auf sozialen Medien gewarnt haben, hat sich die Situation laut Studie nicht verbessert. So veröffentlichte die europäische Wertpapieraufsicht ESMA Anfang 2026 einen Leitfaden für Finfluencer und betonte, dass Aussagen über Finanzprodukte „wahr, fair, klar und nicht irreführend“ sein müssten. Auch die britische Finanzaufsicht FCA verwies zuletzt auf die Risiken von Anlageempfehlungen in sozialen Netzwerken.
Dennoch zeigt die Untersuchung einen gegenteiligen Trend: Der Anteil der analysierten TikTok-Videos mit mangelhaften oder fehlenden Risikohinweisen stieg von 30 Prozent im Jahr 2025 auf 60 Prozent im Jahr 2026. Die Autoren der Studie sehen darin ein Zeichen dafür, dass regulatorische Warnungen viele Content-Ersteller bislang kaum erreichen.

