2011 war das Jahr der groรen Proteste. Bewegungen wie der Arabische Frรผhling oder Occupy Wall Street mobilisierten weltweit Millionen von Menschen: Ausgerรผstet mit neuen Werkzeugen der Massenkommunikation โ dem Smartphone und Social Media โ gingen sie auf die Straรe. Sie forderten mehr Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit und weniger soziale Ungleichheit zwischen arm und reich.
Die Auswirkungen dieser Proteste, besonders im Fall des Arabischen Frรผhlings, beeinflussen auch heute noch die internationale Politik. Und obwohl Occupy Wall Street allgemein als gescheitert gilt, sind auch ihre Ideen noch immer relevant. Egal ob es um Donald Trumps Forderung geht, den Sumpf trocken zu legen, oder Bernie Sandersโ flammende Reden gegen die reichen โ1 Prozentโ – die Rhetorik der Occupy-Bewegung gab auch in den letzten US-Wahlen den Ton an, und tut es noch immer.
Den Startschuss fรผr die Bewegung gab ein Beitrag im konsumkritischen kanadische Blog Adbusters vom 13. Juli 2011 mit den bereits klaren Anweisungen: โ#OCCUPYWALLSTREET. Seid ihr bereit fรผr einen Tahrir-Moment? Strรถmt am 17. September nach Lower Manhattan, baut Zelte, Kรผchen, friedliche Barrikaden und besetzt die Wall Street.โ Diesem Aufruf folgten am 17. September etwa 1.000 Protestierende. Einen Monat spรคter war die Bewegung bereits auf รผber 2.300 Proteste in 2.000 Stรคdten weltweit gewachsen.
Keine klare Struktur
Das schnelle Wachstum der Bewegung zeigt klar, dass die Botschaft auf eine breite Zustimmung bei den unterschiedlichsten Personengruppen traf. Neben dem Hauptanliegen, die Ungleichheit zwischen den privilegierten 1 Prozent und dem Rest der Bevรถlkerung zu reduzieren, forderten sie auch eine stรคrkere Kontrolle des Finanzsektors und weniger politische Einflussnahme durch die Wirtschaft. Diese vagen formulierten Ziele waren ausschlaggebend fรผr den breiten Erfolg der Bewegung. Der Mangel an konkreten politischen Forderungen und Fรผhrungsfiguren, die diese fokussiert an die Politik und รffentlichkeit trugen, kรถnnte aber auch das Scheitern der Bewegung erklรคren.
Am 15. November 2011 wurden zunรคchst die Camps in Portland und Oakland, schlieรlich auch das ursprรผngliche im New Yorker Zuccotti Park polizeilich gerรคumt. Die Begrรผndung der Behรถrden: Unzumutbare hygienische Zustรคnde und Kriminalitรคt in den Camps. Zwar kam es auch danach noch zu weiteren Groรdemonstrationen, doch alle weiteren Versuche, den Park erneut zu besetzen, scheiterten. Das Momentum der Occupy-Bewegung war vorbei. In den folgenden Monaten wurden รผberall auf der Welt Occupy-Camps aufgegeben.
Am 6. August 2012 wurde das Lager in Frankfurt am Main gerรคumt, und drei Monate spรคter auch in Kiel das letzte Camp der Occupy-Bewegung in Deutschland. Konkrete Politische Verรคnderungen hat Occupy Wall Street in ihrem kurzen Bestehen nicht wirklich hervorgebracht. Dafรผr hat die Bewegung das Bewusstsein fรผr Themen wie soziale Ungerechtigkeit gestรคrkt und eine Generation von jungen Erwachsenen politisiert.
Die Occupy-Bewegung ist tot, doch die Idee von einem jungen Widerstand gegen โdie Finanz-Eliteโ lebt fort. Sie zeigt sich auch in den Online-Foren wie Wallstreetbets auf Reddit, wo junge Kleinanleger erst kรผrzlich versuchten, mit einer Kursrallye der GameStop-Aktie zwei groรe Hedgefonds zu Fall zu bringen. Vielleicht ist das die Lehre, die โdie 99 Prozentโ aus dem Scheitern von Occupy Wall Street gezogen haben: โIf you can’t beat them, join themโ.
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Daniel Fernandez ist seit 2025 Chefredakteur der BANKINGNEWS. Seine journalistische Laufbahn begann er 2017 in der Redaktion als Volontรคr. Er studierte English Studies an der Universitรคt Bonn (B.A. 2016) und vertiefte seine akademische Ausbildung mit einem Master in English Literatures and Cultures, den er ebenfalls in Bonn abschloss. Erste redaktionelle Erfahrungen sammelte er parallel zum Studium als freier Werbetexter.


