Am Horizont ist sie schon seit lรคngerer Zeit zu sehen: die zweite โMarket in Financial Instruments Directiveโ (MiFID II). Der europรคische Gesetzgeber installiert mithilfe dieses Papiers neue Richtlinien und Regularien, welche die Befugnisse der Aufsichtsbehรถrden erweitern und somit einen enormen Einfluss auf die Art und Weise haben, wie in Zukunft Finanzdienstleistungen angeboten werden dรผrfen. Soweit, so bedrohlich. Nicht nur Banken, sondern auch Asset Manager sowie eine ganze Reihe von Finanzdienstleistern mรผssen sich mit den neuen Regeln vertraut machen, wie mit Wertpapieren noch umgegangen werden darf. Das Misstrauen bei den Damen und Herren in Straรburg und Brรผssel scheint sich immer noch auf einem hohen Niveau zu befinden.
Die Intention der MiFID II ist die Harmonisierung des europรคischen Finanzmarktes. In Zeiten der Globalisierung ist an der Idee zunรคchst auch kein verwerflicher Aspekt zu nennen, allerdings sind die, quantitativ einem Telefonbuch gleichenden, Seiten fรผr jeden Verantwortlichen eine groรe Herausforderung. Jeder potentielle Fall scheint bis ins kleinste Detail analysiert, eruiert und am Ende dann umsetzungstechnisch pauschalisiert zu sein. Unterschรคtzt werden, darf die neue Regulierung in keinem Fall, denn die Europรคische Union ist im Zweifel immer am lรคngeren Hebel, wie die Branche schon einige Male feststellen musste.
Der gemeine Berater muss sich mit einer Menge Fuรnoten beschรคftigen, wenn er auf korrektem Wege seine Produkte an den Mann bringen will. Schwierigkeiten hatte im Vorfeld bereits der Aspekt des โGeeignetheitstestsโ gemacht, in dessen Rahmen zunรคchst die uneingeschrรคnkte Empfehlung des gรผnstigsten Produkts vorgesehen war. Dieser Punkt ist nun abgeschwรคcht worden und soll im Endeffekt nur noch โberรผcksichtigtโ werden. Berรผcksichtigt? Sie merken sicherlich, dass hier eine Menge an Interpretationsspielraum gegeben ist. Der Begriff ist im Zusammenhang mit einer Vorschrift, gelinde gesagt, schwierig. Hoffentlich endet diese Geschichte ob der Vielzahl an neuen Regeln nicht in einem totalen und unรผberschaubaren Chaos. Weniger ist eben doch manchmal mehr.
Christian Grosshardt war zwischen 2014 und 2018 Redakteur im BANKINGCLUB und fungierte von Januar bis April 2018 als Chefredakteur von BANKINGNEWS. Wรคhrend seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kรถlnischen Rundschau.

