Nicht zuletzt die Aktivitรคten rund um den Hambacher oder Dannenrรถder Forst zeigen die Meinung vieler zur Energiewende โ vor allem was hier schieflรคuft. CO2-intensive Branchen mรผssen sich neu aufstellen oder den Preis dafรผr bezahlen. Je spรคter sie das tun, umso teurer wird es fรผr sie und damit auch fรผr alle, wie die hohen Steuerzahlungen fรผr den Kohleausstieg zeigen. Groรe Investor:innen begreifen das bereits und ziehen sich ebenfalls zurรผck.
Mit dem Pariser Klimaabkommen versprachen 197 Staaten, ihre CO2-Emissionen zu senken. Die Folgen des Klimawandels, der zunehmende Verlust der biologischen Vielfalt und fruchtbarer Ackerbรถden, vermehrte รberschwemmungen und andere Wetterkapriolen sollten verhindert werden. Doch die notwendigen Verรคnderungen werden nicht angegangen.
Dรผrren machen der Landwirtschaft das Leben schwer. Wรคlder sollen weichen, um Platz fรผr Braunkohle zu machen. Und protestierende junge Menschen lesen Politiker:innen die Leviten.
Gestrandete Vermรถgenswerte
Dabei ist die Situation klar. Investitionen in fossile Brennstoffe richten รถkologische Schรคden an. Doch mit steigender Tendenz wird ihr รถkonomisches Risiko deutlich. Nicht nur, weil Groรinvestoren die langfristigen Risiken des Geschรคfts mit fossilen Brennstoffen erkannt haben. Energiekonzerne haben viel Geld in die Erschlieรung fossiler Brennstoffe gesteckt. Um die Pariser Ziele zu erreichen, dรผrfen laut carbontracker ein Drittel des Erdรถls, die Hรคlfte des Erdgases und mehr als 80 Prozent der globalen Kohlereserven nicht gefรถrdert werden. Sie mรผssen im Boden verbleiben und die Investitionen wรคren verloren.
Auch Gesetzgeber haben die Zeichen der Zeit erkannt โ zumindest auรerhalb Deutschlands. In Frankreich etwa mรผssen groรe Investoren bereits berichten, wie sie Klimarisiken in ihrer Anlagepolitik berรผcksichtigen. Die Bank of England geht sogar noch weiter. Britische Institute sollen kรผnftig klimarelevante Risiken adรคquat beachten. Tun sie dies nicht, kann das hรถhere Eigenkapitalanforderungen zur Folge haben. Auch in der Europรคischen Union (EU) ist das Thema seit mehreren Jahren auf der Agenda. Ihr Aktionsplan wird derzeit heftig diskutiert. In Deutschland hat die Bankenaufsicht im Jahr 2019 das โMerkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisikenโ verรถffentlicht. Alles deutet drauf hin: Klimarisiken werden in Zukunft verstรคrkt auch von den Finanzinstituten auszuweisen sein.
Klimatransparenz als Lรถsung?
Transparenz รผber die CO2-Emissionen wรคre eine Lรถsung, Investor:innen die Entscheidung fรผr eine Anlage zu erleichtern. Doch wer versucht, sich dem Thema aus der Finanzsicht zu nรคhern, stรถรt auf viele Begriffe, die weder geschรผtzt noch normiert sind. Denn die Messung und Bewertung klimaschรคdlicher Emissionen ist nicht einfach. Zudem mangelt es derzeit noch an Daten sowie allgemeingรผltigen Berichtsstandards. Insbesondere kleineren Unternehmen fehlen die notwendigen Kapazitรคten. Die Folge: Viele Daten sind nur grobe Schรคtzwerte.
Die Finanzbranche versucht, sich selbst zu helfen. So hat die Task-Force on Climate-Related Financial Disclosures einen Berichtsstandard entwickelt, wie Investor:innen รผber klimarelevante Investitionen berichten sollen.
Die โCorporate Value Chainโ des Greenhouse Gas Protocol ist ein Standard, den viele Unternehmen wie auch Stรคdte inzwischen nutzen. Er betrachtet den gesamten Wertschรถpfungskreislauf. Warum ist das entscheidend? Betrachtet man nur die Geschรคftstรคtigkeit einer Bank, wรผrde sie als Dienstleistungsunternehmen verglichen mit produzierenden Unternehmen einen recht niedrigen Wert ausweisen. Bezieht man jedoch weitere Werte, wie die Anfahrtswege der Mitarbeitenden sowie die Auswirkung der finanzierten Unternehmen mit ein, muss sie einen deutlich hรถheren Wert ausweisen.
Soweit die Theorie. Viele Fonds weisen bereits einen CO2-Fuรabdruck aus. Doch hier ist Vorsicht geboten. Denn nicht immer ist klar, was gemessen wird: Nur eigene oder fremdbezogene Emissionen (auch Scope 1 und 2 genannt) oder alle Emissionen der Wertschรถpfungskette (Scope 3)? Die Darstellung selbst erfreut sich ebenfalls groรer Vielfalt. Einige geben ihre Ergebnisse in CO2 je Tonne an, andere wiederum in CO2 je Umsatz. Manche schlieรen kohlendioxidintensive Branchen gleich ganz aus. Nutzen sie eine Benchmark, die diese nicht ausschlieรt, wirkt ihr Ergebnis natรผrlich viel besser. Ob die Anlage mit den Sustainable Development Goals (SDGs) im Einklang steht, sagt der Fuรabdruck ebenfalls nicht aus.
Dekarbonisierung der Wirtschaft
Die Sustainable Developement Goals (SDG) und Vereinbarungen des Pariser Klimagipfels sind Schritte in die richtige Richtung. Fรผr eine wirksame Dekarbonisierung der Wirtschaft mรผssen wir den rechtlichen Rahmen neu abstecken. Maรnahmen wรคren ein einheitlicher Standard fรผr den CO2-Fuรabdruck einer Geldanlage sowie eine ausnahmslose CO2-Abgabe. So kann ein fairer Wettbewerb entstehen, in dem die Verursacher die Verantwortung tragen. Dann lohnen sich grรผne Investitionen umso mehr. Dann kรถnnen wir den Weg zu einer Erwรคrmung von unter zwei Grad einschlagen.
Und wie sieht es bei der GLS Bank in der Praxis aus? Unser 2017 initiierter GLS Bank Klimafonds (WKN A2DTNA) will einen Beitrag zur Eindรคmmung des Klimawandels leisten. Dafรผr investiert er in Klimavorreiter weltweit, Staaten wie Unternehmen. Seine Wirkung wird durch imug, einer renommierten Nachhaltigkeitsratingagentur, extern รผberprรผft.
Der Fonds weist seinen CO2-Abdruck aus und versucht seine Auswirkungen auf das Klima zu mildern: Die Bank verzichtet auf einen Teil ihrer Einnahmen und spendet ihn an klimaschรผtzende Projekte, wie die Germanwatch Klimaexpedition. 2019 und auch 2020 konnte durch externe Prรผfung ebenfalls die Kompatibilitรคt entsprechend dem Pariser Klimaabkommen bescheinigt werden (Klimawirkung des Fonds unter 2 Grad Celsius).
Entsprechende Investitionsmรถglichkeiten zu finden, ist eine Herausforderung. Allein im ersten Geschรคftsjahr des Fonds fielen rund 80 Prozent der geprรผften Green Bonds durch den strengen รถkologisch geprรคgten Prรผfprozess. Doch auch hier zeigen sich erste Entwicklungen, die es Investoren kรผnftig erleichtern, die Spreu vom Weizen zu trennen. Dazu an anderer Stelle mehr.
Karsten Kรผhrlings ist seit 2002 mit den Schwerpunkten Spezialberatung und Produktmanagement im Wertpapiergeschรคft tรคtig โ davon 2007 bis 2012 als Leiter der Wertpapierabteilung der Sparkasse Mรผlheim an der Ruhr sowie als Leiter des Anlageausschusses. Nach einem Wechsel zur GLS Bank im Jahr 2013 ist er Leiter der Abteilung Wertpapiere und Mitglied des Investmentausschusses der Genossenschaftsbank.ย Seit Mitte 2014 ist der Bankkaufmann und Wirtschaftswissenschaftler Mitglied im Anlageausschuss des FairWorldFonds und seit 2015 Mitglied des Verwaltungsrates des GLS AI - Mikrofinanzfonds.

