Samstag, 30. Mai 2026

Krise bestätigt Erfolgsmodell selektiv diversifizierter Finanzinstitute

Frankfurt, 22. September 2008. Auch wenn die aktuelle Krise in diesen Tagen historische Ausmaße angenommen hat, sind ähnliche Abschwünge in der Finanzbranche regelmäßig zu beobachten. Die heute publizierte Studie „Who’s seaworthy in a perfect storm?“der Strategieberatung Oliver Wyman untersucht sieben vorhergehende Abschwünge und deren Auswirkungen auf 600 nordamerikanische und westeuropäische Firmen. Unter der Leitfrage „Welche Finanzinstitute können dem Jahrhundertsturm standhalten?“ wurde der Einfluss der Krise auf die Bewertung der Finanzbranche analysiert. Der Blick auf die Effekte dieser historisch auftretenden Abschwünge soll als Grundlage für die zukünftige Geschäftsplanung von Finanzdienstleistern dienen.

In den letzten 35 Jahren kam es in jedem Jahrzehnt zu zwei bis drei signifikanten Abschwüngen, die bis zu zwei Jahre anhielten. Seit den frühen siebziger Jahren hatten Finanzdienstleister ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13,8. Die Differenz zur derzeitigen Bewertung von circa 11 ist relativ gering. Trotz der derzeitigen Turbulenzen und der Übertreibungen an den Märkten ist der Rückgang in der Bewertung damit mit dem in früheren Krisen vergleichbar.

Die Fähigkeit, sich im Sturm zu behaupten, so Oliver Wyman, hängt vor allem davon ab, ob Institute zuvor die richtigen Geschäftsmodelle gewählt haben. Thomas Raab, Geschäftsführer von Oliver Wyman in Frankfurt, kommentiert: „Die aktuelle Studie bestätigt unsere langjährige fortlaufende Untersuchung zur Wertentwicklung von Finanzinstituten. Die widerstandsfähigsten Institute sind diejenigen, die auf das Geschäftsmodell eines selektiv diversifizierten Konzerns setzen.“ Selektiv diversifizierte Institute konzentrieren sich auf eine überschaubare Anzahl von Geschäftsbereichen, Kundengruppen oder Regionen. Ihre Geschäftsaktivitäten sind einerseits eng genug, um Synergien im operativen Betrieb zu ermöglichen, andererseits weit genug, um die Ertragsvolatilität durch eine ausreichende Diversifizierung der Ertragsquellen zu reduzieren.

Die in den letzten Jahren dank lockerer Geldpolitik entstandenen Nischen- und Spezialistenanbieter werden aussterben. Angeschlagenen Unternehmen empfiehlt Oliver Wyman, ihr Geschäftsmodellgrundlegend umzustellen, ihre Bilanzen gesundzuschrumpfen und Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, notfalls auch mit größeren Abschlägen zu verkaufen. Robuste Institute können jetzt hingegen strategische Akquisitionen tätigen, um in starken Wachstumssektoren und -regionen zu expandieren. Doch auch sie müssen weitere Maßnahmen treffen, um ihre Gewinnvolatilität sowie ihre Abhängigkeit von der Kapitalmarktfinanzierung zu reduzieren. Vor allem aber sollten sie sich bemühen, durch zeitnahe und vollständige Kommunikation das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen.

Quelle: Oliver Wyman Finacial Service

Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Herausgeber der BANKINGNEWS und Gründer des BANKINGCLUB. In seinem Editorial „Quer durch die Bank“ bezieht er regelmäßig zu den Themen Stellung, die die Welt der Finanzen bewegen.

Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen.

Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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