Mittwoch, 25. Februar 2026
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Das Auf und Ab der N26

Nach langwierigen Schwierigkeiten mit der BaFin folgen nun die Konsequenzen: Valentin Stalf, Grรผnder und Co-CEO der N26, wechselt in den Aufsichtsrat der Neobank.

Gegrรผndet von Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal im Jahr 2013, startete das Fintech-Startup als Number26 zwei Jahre spรคter in ร–sterreich und Deutschland. Schon bald folgten mit unter anderem Frankreich und Spanien weitere Lรคnder, bis die Neobank 2016 in N26 umbenannt und die Vollbanklizenz durch die Europรคische Zentralbank (EZB) vergeben wurde.

Probleme auรŸerhalb der EU

Die Geschichte der N26 ist geprรคgt von einem stรคndigen Auf und Ab. 2019 galt N26 mit einer Unternehmensbewertung von 2,3 Milliarden Euro als das wertvollste Fintech-Startup Deutschlands. Auf Wachstum folgten Rรผckschlรคge. So wurde 2020 der Rรผcktritt aus GroรŸbritannien bekanntgegeben โ€“ als Grund nannte man die auslaufende Banklizenz fรผr den britischen Markt durch den Austritt aus der EU. Doch die Gerรผchtekรผche brodelte und, wie unter anderem die WirtschaftsWoche berichtete, es wurde gemunkelt, ob der Rรผckzug doch eher mit dem schleppenden Wachstum zusammenhing. Im Interview mit BANKINGNEWS erklรคrte Georg Hauer, ehemaliger General Manager DACH und Nordeuropa, Ende 2020: โ€žNach der Kosten-Nutzen-Abwรคgung haben wir uns dazu entschieden, den britischen Bankenmarkt zu verlassen und uns noch stรคrker auf unsere europรคischen Kernmรคrkte und die USA zu konzentrieren.โ€œ

Nachdem die Bank 2019 zusรคtzlich in den USA launchte, folgte nach nur etwa 3 Jahren auch hier die Einstellung (BANKINGCLUB berichtete).

Strafen durch die BaFin

Im Jahr 2021 folgten die ersten Probleme mit der Bundesanstalt fรผr Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin): Aufgrund verzรถgerter Verdachtsmeldungen zwischen 2019 und 2020 wurde eine Strafe verhรคngt. Im Jahr 2024 dann eine weitere Strafe von 9,2 Millionen Euro wegen systematisch verspรคteter Meldungen im Jahr 2022. Dazu kamen Probleme in Form von Wachstumsbeschrรคnkungen โ€“ ab 2021 durfte N26 monatlich nur noch 50.000 neue Kunden aufnehmen. In 2023 wurde auf 60.000 erhรถht, was die Expansion deutlich einschrรคnkte. Erst im Sommer 2024 wurde das Neukundenlimit aufgehoben.

Auch die erweiterte Aufsicht durch die BaFin, die externe Sonderbeauftragte einsetzte, um N26 langfristig zu รผberwachen, schmerzte: Das Institut wies trotz Verbesserungen weiterhin Schwรคchen in Systemen zur Verhinderung von Geldwรคsche und Terrorismusfinanzierung auf.

Dazu gab es in Italien regulatorische Einschrรคnkungen: Die Banca dโ€™Italia verhรคngte 2022 ein Verbot zur Kontoerรถffnung und den Verkauf bestimmter Produkte aufgrund von Compliance-Mรคngeln. Probleme mit dem Kundenservice, Konto-Sperrungen und staatsanwaltliche Ermittlungen erschwerten der Neobank die Expansion zusรคtzlich. Die Abschaffung des Telefonservices im Jahr 2018 fรผhrte zu zahlreichen Kundenbeschwerden, die bei kritischen Situationen wie Phishing keine Hilfe erhielten.

Valentin Stalf wechselt in den Aufsichtsrat

In den vergangenen Tagen wurde bekannt, dass die Investoren mit den Grรผndern รผber deren Rรผcktritt verhandelten โ€“ erneute Kritik der BaFin, im Zusammenhang mit einer Sonderprรผfung und dem Auftritt vieler Mรคngel, sei der Auslรถser.

Am 19. August 2025 dann die Meldung: Valentin Stalf, Grรผnder und Co-CEO, wechselt in den Aufsichtsrat und zieht sich aus der operativen Verantwortung zurรผck. Stalf gibt an: โ€žMein Wechsel in den Aufsichtsrat ist eine strategische Entscheidung, um meine langjรคhrige Erfahrung und mein Wissen weiterhin bestmรถglich einzusetzen und N26 zu stรคrken. Ich werde mich aktiv und mit voller Leidenschaft in die langfristige personelle und strategische Ausrichtung von N26 einbringen. Zusรคtzlich bleibe ich einer der grรถรŸten Anteilseigner von N26. Die neue Rolle bietet mir gleichzeitig die Mรถglichkeit, mich verstรคrkt meinem Family Office und weiteren unternehmerischen Projekten zu widmen. N26 hat heute ein starkes Team, mit dem es sehr gut fรผr die Zukunft aufgestellt ist.โ€œ Maximilian Tayenthal werde seine Funktionen bei der Bank weiterhin ausรผben.

GroรŸe Konkurrenz

Besonders in den Jahren, in denen das Wachstum von N26 durch die BaFin gebremst wurde, konnten Konkurrenten wie Revolut florieren. Im Herbst 2024 knackte Revolut in Deutschland die Marke von zwei Millionen Privatkunden, doppelt so viele wie im Jahr zuvor. 2026 peilt die Digitalbank fรผnf Millionen Kunden an und strebt an, eine der fรผhrenden Direktbanken des Landes zu werden.

In den nรคchsten Monaten plant N26 mehrere spannende Neuerungen, wie etwa ein digitales Familienpaket mit Kinderkonto, Karten- und Investment-Funktion, den verstรคrkten Einsatz von KI zur Verbesserung des Services und fรผr smarte Automatisierungen oder auch ein vollstรคndig รผberarbeitetes App-Design mit Fokus auf ganzheitlichen Vermรถgensaufbau. Es bleibt abzuwarten, ob der Umschwung gelingt oder ob die BaFin erneut anklopft.

Maria Scherban absolvierte ihr redaktionelles Volontariat beim BANKINGCLUB und arbeitet seit Mitte 2025 als Redakteurin. Zuvor schloss sie ihren Master of Arts an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universitรคt Bonn ab.

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