Am 08. Juni wurde der GASA-Report „State of Scams Europe 2026“ veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen, dass Betrug trotz eines hohen Problembewusstseins weiterhin ein erhebliches Risiko darstellt: 75 Prozent der Europäerinnen und Europäer waren im vergangenen Jahr mit einem Betrugsversuch konfrontiert. Gleichzeitig geben sieben von zehn Befragten an, sich grundsätzlich in der Lage zu sehen, Betrugsversuche zu erkennen.
Dennoch zeigt sich eine deutliche Lücke zwischen Selbsteinschätzung und tatsächlichem Verhalten: 44 Prozent der Betroffenen interagierten trotz des Betrugsversuchs mit den Tätern. In 22 Prozent dieser Fälle führte die Interaktion letztlich zu einem finanziellen Schaden.
Bekannte Betrugsmaschen bleiben erfolgreich
Betrüger erreichen ihre potenziellen Opfer weiterhin vor allem über klassische Kommunikationskanäle. Die häufigsten Kontaktwege waren E-Mail, Anrufe und SMS-Nachrichten. Der Bericht zeigt zudem, dass Betrugsversuche über eine Vielzahl von Plattformen erfolgen. Zu den am häufigsten genannten Plattformen zählen Gmail, WhatsApp und Facebook. Dass Verbraucherinnen und Verbraucher besonders häufig von Shopping-, Investment- und Identitätsbetrug berichten, zeigt, dass etablierte Betrugsmodelle weiterhin sehr wirksam sind.
Viele Menschen verhindern aber auch eine Interaktion oder bemerken zumindest Auffälligkeiten. Zu den häufigsten Gründen, nicht auf einen Betrugsversuch einzugehen, zählen:
- Das Ignorieren unerwarteter Nachrichten (46%)
- Zweifel an der Echtheit der Nachricht (44%)
- Rechtschreib- oder Grammatikfehler (38%)
Die Folgen von Betrug
Für die im Bericht untersuchten europäischen Länder wird der Gesamtschaden durch Betrug auf 57 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der durchschnittliche finanzielle Verlust pro Opfer liegt laut Bericht bei 2.735 US-Dollar. Besonders hohe durchschnittliche Schäden wurden in der Schweiz, Dänemark und Belgien festgestellt. Bei den Zahlungswegen dominieren weiterhin klassische Methoden. Am häufigsten gelangen Betrüger durch Überweisungen, Debit- und Kreditkarten sowie Krypto- und digitale Währungen sowie auch über Instant Payment Apps an das Geld ihrer Opfer.
Rund 42 Prozent der Opfer berichten, dass sie mehr als einmal betrogen wurden. Im Durchschnitt waren Betroffene von 2,7 Betrugsfällen betroffen. Der Bericht weist außerdem darauf hin, dass Betrugsfälle häufig sehr schnell erfolgreich sind. Rund jeder fünfte Betrugsfall wurde innerhalb eines Tages nach dem ersten Kontakt abgeschlossen. Die Auswirkungen beschränken sich dabei nicht auf den finanziellen Schaden. Über 60 Prozent der Opfer berichten von negativen Auswirkungen auf ihr psychisches Wohlbefinden. Etwa 40 Prozent geben Belastungen innerhalb persönlicher Beziehungen an. Auch Kinder sind betroffen: 16 Prozent der Eltern berichten, dass ihre Kinder im Alter von 7 bis 17 Jahren bereits mindestens einen Betrugsfall erlebt haben.
Meldebereitschaft und Prävention
Die Mehrheit der Betrugsopfer meldet erlittene Vorfälle, stößt dabei jedoch auf verschiedene Hürden. Viele Betroffene wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen, bezweifeln den Nutzen einer Meldung oder empfinden Scham. Neben Banken, die bei finanziellen Schäden häufiger kontaktiert werden als die Polizei, spielen auch Familie und Freunde als wichtige Anlaufstellen eine Rolle. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Meldungen nicht immer zu konkreten Ergebnissen führen und insbesondere soziale Plattformen oft nur unzureichend reagieren. Vor diesem Hintergrund wächst die Zustimmung zu stärkeren Präventionsmaßnahmen, etwa zur Sperrung verdächtiger Transaktionen durch Banken. Auch Maßnahmen von Telekommunikationsanbietern zur Blockierung mutmaßlich betrügerischer Anrufe und Nachrichten finden breite Unterstützung.
Fazit
Der „State of Scams Europe Report 2026“ zeigt, dass Betrugsversuche in Europa allgegenwärtig sind. Obwohl viele Verbraucherinnen und Verbraucher überzeugt sind, Betrugsversuche erkennen zu können, führen Betrugskontakte weiterhin häufig zu Interaktionen und finanziellen Schäden. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass die Folgen von Betrug weit über den finanziellen Verlust hinausgehen und auch das psychische Wohlbefinden sowie das Vertrauen in digitale Angebote beeinträchtigen. In ihrem Deutschland-Report von 2025 nennt die GASA zehn Empfehlungen zur Betrugsabwehr, in denen sich dich wichtigsten präventiven Schritte und Maßnahmen widerspiegeln. Grundlegend sind dabei die Stärkung der Verbraucherinnen und Verbraucher, die Schaffung eines sicheren Internets sowie die Stärkung der Zusammenarbeit. Für die Zukunft wäre demnach ein proaktives und behördenübergreifendes Vorgehen wichtig, um Betrug bereits zu stoppen, bevor er beginnt. Diese Forderung wurde auch von den Teilnehmenden des Anti-Fraud-Roundtable des BANKINGCLUB am 21. April 2026 in Frankfurt geteilt, die ebenfalls eine stärkere Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure als zentrale Voraussetzung für eine wirksame Betrugsbekämpfung hervorhoben. Das Ziel weiterer solcher Roundtables ist es, genau diese Vernetzung zu stärken und den Austausch zu vertiefen.
Margaretha Müller absolviert seit Oktober 2024 ein redaktionelles Volontariat beim BANKINGCLUB. Ihren Bachelor in Philosophie und Geschichte schloss sie an der Universität Trier ab.



