Donnerstag, 30. April 2026
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Filialen sterben und leben lassen

โ€žWenn es bei den Ertrรคgen keine Fortschritte gibt, dann muss der Vorstand an die Kosten ranโ€œ, fordert Michael Hรผnseler, Fondsmanager bei Assenagon, vom Vorstand der Commerzbank.

Kosten muss man sicherlich im Blick haben. Doch wenn ein Unternehmen bei den Ertrรคgen keinen Fortschritt erzielt, dann helfen mittel- bis langfristig auch keine Programme zur Kosteneinsparung. Denn dann stimmt mit dem Geschรคftsmodell etwas nicht!

Dumm nur, dass ein Mitglied im Vorstand noch im Mรคrz 2018 mit diesem Zitat in unserem Vorstandsinterview glรคnzte: โ€žIch hege wiederum eine groรŸe Begeisterung fรผr den Gedanken, mit 1.000 Filialen vor Ort zu bleibenโ€œ, so Michael Mandel von der Commerzbank. (Das ganze Interview lesen Sie hier.)

Schon damals merkte man, dass Mandel im Gedankenkorsett der klassischen Filiale verhaftet war, wie beinahe jeder Bankleiter hierzulande. Die Idee, vor Ort prรคsent zu sein, ist die Abgrenzung zu Direkt- und Smartphone-Banken. Perfekt! Vor Ort kann โ€žBankโ€œ jedoch auch ohne eine klassische Filiale mit einem Geldautomaten, Tagestresor, SchlieรŸfรคchern und einem Versicherungsbeitrag fรผr das Betreiben einer Kasse sein.

Welches Geschรคftsmodell ist das richtige?

โ€žOhne Filialnetz fehlt mir doch in der Stadt meine Werbeflรคcheโ€œ, konterte ein Sparkassenvorstand vor einem Jahr die Idee, mit nur EINER Flag-Ship-Filiale und einem Netz von Beratungsbรผros fรผr den Kunden wirklich vor Ort zu sein. Dann schlieรŸe ich auch keine Filialen, sondern verlege den Standort von A nach B. B wie Beratung! Mit Beratung lรคsst sich Geld verdienen. Mit einem Servicemitarbeiter, der einen Zahlschein ausfรผllt, nicht.

Werbeflรคche buche ich fรผr deutlich weniger Aufwand bei den dafรผr spezialisierten Anbietern, mit Plakatwรคnden an prominenter Stelle.

Nochmal: Filialen einfach schlieรŸen, ist nur schnรถdes Kosteneinsparen. Das strategische Zusammenspiel von kompetenter Gesamtbedarfsberatung, einem echten Omnikanalansatz und Kunden, die sรคmtliche Standardanliegen online abwickeln kรถnnen, ist die Lรถsung. Dass man mit Beratung sogar viel Geld verdienen kann und dies zu Lasten von tradierten Banken schon viele Jahre macht, zeigt die Truppe der DVAG. Ich weiรŸ, die Buchstaben wollen Sie hier nicht lesen. Mรผssen Sie leider aushalten!

Und dass โ€žOnlineโ€œ oftmals nicht alleine zum Erfolg fรผhrt, zeigen Unternehmen wie Cyberport (als reiner Onlinehรคndler gegrรผndet, heute mit 16 Filialen in Deutschland und ร–sterreich), MyToys oder jรผngst der Online-Optiker Mister Spex, der nun auch 100 Filialen im umkรคmpften Markt um die Sehschwรคche erรถffnen will.

Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Herausgeber der BANKINGNEWS und Grรผnder des BANKINGCLUB. In seinem Editorial โ€žQuer durch die Bankโ€œ bezieht er regelmรครŸig zu den Themen Stellung, die die Welt der Finanzen bewegen.

Der Profinetzwerker zรคhlt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugรคnglich zu machen.

AuรŸerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Autor verschiedener Fachbรผcher und Buchbeitrรคge.

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