Der Grund: Im Zuge der Banken- und Staatsschuldenkrise hat die EZB massiv am Leitzins gedreht. Je stรคrker die Zinsschraube nach unten gerichtet war, umso geringer auch die Guthabenzinsen. Wenn das Sparbuch nicht mehr weiterbringt, welche Geldanlagen spielen dann eine Rolle? Wer als Anleger wirklich an Wachstum im Vermรถgensaufbau interessiert ist, muss das Thema komplett neu angehen. An Aktien, Fonds oder Immobilien fรผhrt inzwischen kaum noch ein Weg vorbei. Sie sind die modernen Alternativen zum Sparbuch.
Tagesgeld: Flexibilitรคt, Sicherheit und bessere Rendite
Was das Sparbuch lange so interessant gemacht hat, ist der Sicherheitsaspekt. Moderat verzinst, fรคllt es in den Bereich der gesetzlichen Einlagensicherung. Damit genieรt es einen umfassenden Schutz. In der Praxis gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Sparprodukte, bei denen die Rahmenbedingungen recht รคhnlich aussehen โ wie das Tagesgeld.
Hierbei handelt es sich um Spareinlagen bei einer Bank. Verwahrt auf einem speziellen Konto โ dem Tagesgeldkonto โ kann der Inhaber tรคglich รผber das Guthaben verfรผgen. Auszahlungen bei dieser Form vom Sparkonto sind jederzeit mรถglich, es muss aber die รผbliche Bearbeitungsdauer einer รberweisung einkalkuliert werden. Gegenรผber dem Sparbuch hat das Tagesgeld damit dennoch einen entscheidenden Vorteil.
Sofern Privatanleger vom Sparbuch mehr als 2.000 Euro abheben wollen, ist immer eine Kรผndigungsfrist einzuhalten. Diese liegt bei drei Monaten. Ein echter Nachteil, wenn mit dem Guthaben eine grรถรere Anschaffung gestemmt werden soll. Erschwerend kommt an dieser Stelle hinzu, dass die Zinsen extrem niedrig sind. Der Guthabenzins auf dem Sparbuch deckt die Inflation schon lange nicht mehr. Deutlich unter 1 Prozent pro Jahr machen das Sparbuch als Geldanlage unattraktiv.
Sieht es beim Tagesgeld besser aus? Leider sind auch hier die Zinsen in den letzten Jahren deutlich abgesackt. Durch die Tatsache, dass Banken den Guthabenzins an Leitzinsen wie den EURIBOR koppeln, kann die Verzinsung auf der anderen Seite auch wieder recht schnell steigen. Lohnt es sich, Tagesgeld als Anlageprodukt im Auge zu behalten?
Geld zwischenparken โ geht hervorragend mit dem Tagesgeld
Sich allein auf das Tagesgeld zum Geldanlegen verlassen, ist angesichts der aktuellen Zinssituation keine gute Idee. Aber: Das Tagesgeldkonto bietet sich als Lรถsung an, wenn Geld kurzfristig zwischengeparkt werden muss. Sparbรผcher kommen aufgrund der Verfรผgungslimits nicht fรผr diese Aufgabe in Frage. Tagesgeld hat diesbezรผglich mehr Potenzial.
Beispiel: Im Depot wird ein Aktienpaket liquidiert. Aktuell liefern interessante Wertpapiere allerdings keine vielversprechenden Handelssignale. Stattdessen wird das Geld auf das Tagesgeldkonto geschoben. Hier kann es kurzfristig โgelagertโ werden. Sollte das Kapital รผber einen lรคngeren Zeitraum nicht gebraucht werden, ist das Festgeld eine Option.

Festgeld: Die noch sichere Alternative zum Sparbuch
Festgeld ist eine weitere der mรถglichen Alternativen zum Sparbuch, die eine vergleichbare Sicherheit bietet. Kern des Ganzen sind Spareinlagen, die nicht kurzfristig โ im Idealfall tรคglich โ verfรผgbar sind, sondern รผber einen festen Zeitraum bei der Bank hinterlegt werden. Hieraus leitet sich die Bezeichnung Festgeld ab. In der Praxis ist diese Variante bei Anlegern gefragt, die sich noch nicht komplett vom Zinssparen verabschieden wollen.
Wo liegen die Vorteile? Sich in einer Niedrigzinsphase zu binden, erscheint derzeit doch eher wenig lukrativ. Es gibt zwei gute Grรผnde, welche das Festgeld zu einer Option machen. Allerdings gelten diese nur mit gewissen Einschrรคnkungen โ und nicht fรผr alle Anlageprofile.
Im Vergleich zum Sparbuch und dem Tagesgeld hat Festgeld dahingehend Vorteile, dass hier nach wie vor deutlich hรถhere Guthabenzinsen erzielt werden. Besonders fรผr Laufzeiten von mehr als zwei Jahren gibt es bei verschiedenen Banken einen Guthabenzins von รผber 1 Prozent. Das klingt im ersten Moment ebenfalls nicht nach sonderlich viel.
Im Vergleich dazu sind die Zinsen auf dem Sparbuch aber extrem niedrig. Laut dem Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2020 kommt das Sparbuch im Jahr 2019 im Durchschnitt auf einen Zins von 0,10 Prozent. Angesichts der aktuellen Inflationsrate lรคsst sich damit kein Vermรถgensaufbau mehr erzielen. Im Gegenteil: Vermรถgen schmilzt immer mehr zusammen.
Das Tagesgeldkonto hat ebenfalls einen entscheidenden Nachteil. Wer sich fรผr diese Option entscheidet, kommt nicht ohne Weiteres an das Geld heran. Es ist fรผr die gewรคhlte Laufzeit fest angelegt. Wird unbedingt Geld gebraucht, riskieren Anleger den mรผhsam ersparten Zinsgewinn. Gerade bei langfristigen Festgeld-Vertrรคgen muss dieser Aspekt prรคsent sein.
Festgeld fรผr den Substanzerhalt
Sind Laufzeiten zwischen drei Jahren und fรผnf Jahren beim Festgeld damit vom Tisch? Nein, wer fรผr den Ruhestand spart, sollte die Anlagevariante im Hinterkopf behalten. Der Grund: In den Anfangsjahren wird ein Depot auf Wachstum ausgerichtet. Spareinlagen wie das Festgeld spielen hier keine Rolle.
Ab einem gewissen Zeitpunkt wird das Portfolio umgeschichtet. Es geht dann nicht mehr um Wachstum um jeden Preis. Viel wichtiger wird hier der Substanzerhalt. Natรผrlich will niemand, dass die Inflation an dieser Stelle voll auf das Portfolio schlรคgt. An diesem Punkt kommt das Festgeld ins Spiel. Anleger schichten den Ertrag aus Aktien um โ in Anleihen und sichere Spareinlagen wie das Festgeld. Hintergrund: Als Bankeinlage fรคllt es unter die gesetzliche Einlagensicherung.
Fรผr die Auswahl passender Festgeldkonten ist ein gewisses Augenmaร gefragt. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase sind verschiedene Banken inzwischen dazu รผbergegangen, auch Spareinlagen mit einem โStrafzinsโ zu versehen. Hier sollte sehr genau vergleichen werden, wo die Konditionen โ auch mittelfristig โ entsprechend ausfallen.
Aktien: Deutlich hรถhere Rendite-Chancen
Aktuell sehr gute Ertragschancen haben immer noch Aktien. Daher gehรถren sie ebenfalls klar zu den lukrativeren Alternativen zum Sparbuch. รber die Bรถrsen gehandelt, gibt es hier zwei Optionen zum Geld verdienen: Kurssteigerungen und Dividenden. Generell lautet fรผr alle Anleger, die allein auf den Kurs โ sprich Wachstum โ setzen, dass billig eingekauft werden muss. Aus den Positionen wird natรผrlich in einem รผberkaufen Markt ausgestiegen. Auf diesem Niveau sind die Kurse einzelner Wertpapiere besonders hoch.

Was Aktien verlockend macht, erklรคrt sich รผber die Renditedreiecke des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Fรผr den DAX lรคsst sich hier gut ablesen, dass Aktien Potenzial haben. Auch, wenn es regelmรครig zu Krisen kommt und die Kurse in die tiefrote Zone abdrehen โ die Rendite kann sich sehen lassen. Mitunter sind sogar zweistellige Prozentsรคtze mรถglich.
Doch die Renditedreiecke unterstreichen einen Aspekt sehr deutlich: Wer sich als Anleger auf diese Form der Geldanlage einlรคsst, muss das Thema Sicherheit neu denken. Anders als bei den Spareinlagen, welche automatisch bis zu 100.000 Euro geschรผtzt sind, fehlt dieses Sicherheitsnetz. Im Fall der Aktien kommt es zu Kurskorrekturen. Kein Wertpapier kennt nur den Weg nach oben. Was ist von diesem Standpunkt aus betrachtet wichtig?
- Diversifikation: Ein solide aufgestelltes Portfolio muss in mehrere Richtungen gedacht werden. Es reicht nicht, sich mit drei oder vier Aktien auseinanderzusetzen. Im Depot mรผssen โ um das Ganze richtig zu machen โ mehrere Mรคrkte und Branchen vertreten sein. Andernfalls droht immer das Risiko, dass ein einzelnes Unternehmen oder eine Branche schwรคchelt und das den Wert des gesamten Portfolios bedroht.
- Know-how: Ohne das Erkennen der Handelssignale geht bei Kapitalanlagen schnell viel schief. An dieser Stelle geht es nicht nur um die Fรคhigkeit, Fundamentaldaten auswerten zu kรถnnen. Ohne das passende Know-how in der technischen Analyse werden Indikatoren schnell falsch interpretiert โ etwa im รผberkauften Markt. Die Folge sind herbe Verluste.
- Richtiges Trading: Jeder Anleger muss seine Grenzen kennen. Richtig zu traden heiรt, auch Orderzusรคtze wie den Stop Loss einzubauen. Dadurch lassen sich automatisch Reiรleinen in das Portfolio einbauen, um die Handelsplattform im Ernstfall aus den Positionen aussteigen zu lassen.
Die Sicherheitsoption: Aktien als Fonds
Gerade Einsteiger, die bisher keine Erfahrungen mit Wertpapieren und dem Trading รผber Broker an der Bรถrse haben, reagieren anfangs unsicher. Leider passieren in dieser Situation schnell Fehler, dank derer das Frustlevel steigt. Eine Mรถglichkeit: Mit einem Musterdepot wird zuerst Erfahrung gesammelt. Hier lassen sich unterschiedliche Strategien ausprobieren und deren Effekt beobachten.
Was Musterdepots so wertvoll macht, ist ein anderer Aspekt. Zum Funktionsumfang gehรถrt meist auch eine ganze Toolbox an Werkzeugen fรผr die Chartanalyse. Anhand der Indikatoren lassen sich Kurse beobachten, um Trends zu erkennen. Hieraus entstehen Handelssignale. Eine zweite Mรถglichkeit, um von den Kursen an der Bรถrse zu profitieren, sind Fonds. Neben aktiv verwalteten (klassischen) Investmentfonds rรผckt eine Anlageklasse zunehmend in den Fokus โ ETFs. Dahinter verbergen sich Fonds, welche einen Aktienindex abbilden.
Hier findet nur eine passive Verwaltung des Fondsvermรถgens statt. Die Zusammensetzung gibt immer der jeweilige Index vor. Der Vorteil: Im Vergleich zu herkรถmmlichen Fonds sind ETFs bei den Kosten gรผnstiger. Ein zweiter Aspekt ist das eingebaute โSicherheitsnetzโ. In einem ETF finden sich Aktien aus dem jeweiligen Index wieder. Auf diese Weise entsteht automatisch eine Diversifikation.
Robo Advisor: Die KI-Alternative
Mit der zunehmenden Digitalisierung verรคndert sich auch die Geldanlage โ Stichwort Robo Advisor. Dahinter verbergen sich Algorithmen, welche von Banken und Brokern zur Automatisierung im Assetmanagement zum Einsatz kommen. Lange blieben diese Algorithmen institutionellen Investoren vorbehalten. Inzwischen werden Robo Advisor zunehmen auch im Retail-Segment โ also fรผr Privat- und Kleinanleger โ eingesetzt.
Was die Algorithmen gegenรผber menschlichen Tradern heraushebt: fehlende Emotionen. Wรคhrend Anleger Entscheidung immer wieder โaus dem Bauchโ heraus treffen oder sich von der Stimmung auf dem Parkett beeinflussen lassen, agieren Robo Advisor nรผchtern. Ihre Anlageentscheidungen beruhen allein auf harten Fakten โ wie Short- und Long-Signalen aus den Kurscharts. Insofern รผberwiegen an dieser Stelle nรผchterne Entscheidungen.
Zudem errechnen Robo Advisor als digitale Vermรถgensverwalter das fรผr den Anleger am besten geeignete Portfolio und รผberwachen und verwalten dieses dann automatisch nach den Maรgaben des Kunden.
Trotzdem sollten Anleger bei der Wahl eines Anbieters genau hinschauen, denn es gibt zum Teil erhebliche Unterschiede bei den Anlagestrategien und der Qualitรคt der Entscheidungen. Diese schlagen sich am Ende in der Performance nieder.
Immobilien: Auch als Rendite-Objekte interessant
Das sogenannte โBetongoldโ hat in den zurรผckliegenden Jahren eine ganz neue Bedeutung bekommen. Aufgrund des aktuellen Zinsumfelds ist die Nachfrage nach Immobilien so hoch, dass die Preise deutlich angezogen haben. Besonders deutlich wird dieser Trend am Preisindex der Pfandbriefbanken. Hier sind teils Steigerungen von 10 Prozent bis 12 Prozent mรถglich. Um Immobilien in die eigene Anlagestrategie einzubauen, gehรถren einige Aspekte auf den Prรผfstand:
- Sind sie Mieteinnahmen in der gewรคhlten Region interessant?
- Steht die Selbstnutzung der Immobilie im Vordergrund?
- Wird der Verkauf mit Wertsteigerung als Hauptziel anvisiert?
- Geht es auch ohne physischen Immobilienbesitz?

Eine Selbstnutzung kommt fรผr viele Eigentรผmer spรคtestens mit dem Ruhestand in Frage. Die Immobilie ist abbezahlt, es wird mietfrei gewohnt. Auรerdem stellt die Immobilie einen Wert dar, welcher verrentet oder beliehen werden kann, um die eigene Altersversorgung zu verbessern.
Noch dazu besteht immer die Mรถglichkeit, eine Immobilie zu verkaufen. Gerade in einem angespannten Markt mit hoher Nachfrage werden auch auf dem Land Immobilien inzwischen mit teils exorbitanten Aufschlรคgen gehandelt. Dabei stellt sich die Frage, ob nicht vielleicht doch die Vermietung eine Option sein kann.
Prinzipiell kann das Projekt Mietimmobilie so aufgestellt werden, dass es sich gut selbst trรคgt. Das bedeutet: Die Mieteinnahmen decken alle anfallenden Kosten. Bevor sich Laien an diesem Punkt ein Luftschloss bauen, mรผssen die Stolperfallen klar sein. Eine Mietwohnung muss โ damit sie einen Ertrag erzielt โ vermietet sein. Steht sie dagegen leer, kostet sie Geld. Im Raum steht aber auch die Frage, welchen Wert die Substanz hat. Im Neubau lรคsst sich das Ganze meist gut beantworten. Beim Kauf einer Mietimmobilie aus dem Bestand sieht die Situation schnell anders aus, so dass eine genaue Prรผfung unerlรคsslich erscheint.
Investitionsobjekte genau prรผfen
Aus diesem Grund muss eine Devise lauten: Drum prรผfe, wer sich bindet. Dieser Check-up bezieht sich auf eine ganze Reihe von Faktoren, wie:
- Lage
- Bausubstanz
- Mietergemeinschaft
Gerade in sozialen Brennpunkten ist die Gefahr durchaus gegeben, dass es zu einer hohen Fluktuation bei den Mietern kommt. Auรerdem darf ein Aspekt nicht unterschรคtzt werden: Mietnomaden. Letztere sorgen nicht nur fรผr รrger. Vermieter bleiben in diesem Fall meist auch auf den Kosten sitzen.
Darรผber hinaus ist eingehend zu prรผfen, in welcher Form die Mikro- und Makrolage Einfluss nehmen. Sind in der Flรคchen- und Stรคdteplanung eventuelle Infrastrukturprojekte vorgesehen? Diese kรถnnen einen positiven wie negativen Effekt haben. Investitionsobjekte eingehend zu prรผfen ist die Grundvoraussetzung, um erfolgreich in Immobilien zu investieren.
Anleihen: Als Alternativen zum Sparbuch einen Blick wert
Neben Aktien und Fonds sollte der Blick beim Thema Wertpapier ebenso auf Anleihen gerichtet sein. Hierbei handelt es sich um sogenannte Rentenpapiere. Hintergrund: Mit der Ausgabe einer Anleihe wird Geld eingesammelt. Hierfรผr erhalten Anleger festgelegte Zinszahlungen und bekommen am Ende der Laufzeit ihr Geld zurรผck.
Verbreitet sind Anleihen in Form von Staatsanleihen โ auch der Bundesrepublik โ und Unternehmensanleihen. Letztere dienen in erster Linie dazu, Kapital einzustreichen, ohne dafรผr einen Bankkredit aufzunehmen oder Aktien ausgeben zu mรผssen.

Prinzipiell gelten Anleihen als Wertpapier mit einem geringen Verlustrisiko. Besonders bei den Staatsanleihen gibt es einige, welche besonders gut bewertet werden. Natรผrlich gibt es auch an dieser Stelle neben den Chancen ein gewisses Restrisiko. Aber: Je solider die Staatsanleihe, umso geringer meist der Ertrag.
Hinsichtlich der Unternehmensanleihen sind die Risiken etwas anders verteilt. Hier hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass Insolvenzen durchaus eine Gefahr darstellen. Gerade das Segment der Mittelstandsanleihen ist daher kein Feld, um einfach โMonopolyโ zu spielen. Jede potenziell interessante Anleihe sollte immer intensiv durchleuchtet werden.
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