Samstag, 11. April 2026
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Banken mit Covid-19 infiziert?

Ein Jahr Corona-Krise und das Bangen und Warten hรคlt an. Noch immer ist nicht abzusehen, wo und wie stark die Folgen von Lockdown und Wirtschaftskrise den Finanzsektor erschรผttern werden. Vier Problemfelder kristallisieren sich heraus, die verschiedene Institutsgruppen unterschiedlich treffen wรผrden.

Stichwort Unternehmensinsolvenzen

Rund ein Fรผnftel der kleinen und mittelstรคndischen Unternehmen (KMU) bezeichnen in einer Befragung des ifo-Instituts von November 2020 die Lage als existenzbedrohend. Im Mรคrz verkรผndete die Sparkasse KรถlnBonn, mit Ausfรคllen bis zu 100 Millionen Euro im Jahr 2021 zu rechnen. Sie steht exemplarisch: Kreditausfรคlle der KMU wรผrden vor allem Regionalbanken treffen. Dr. Markus Demary, Senior Economist am Institut der deutschen Wirtschaft in Kรถln, sieht die Lage durchaus kritisch: โ€žMit der Lรคnge der Pandemie und den damit verbundenen Lockdown-MaรŸnahmen steigt auch das Insolvenzrisiko der Unternehmen. Davon besonders betroffen sind das Gastgewerbe und der stationรคre Handel.โ€ Diese sind hรคufig Kunde bei einer Sparkasse oder Genossenschaftsbank. Gerade bei diesen Institutsgruppen sieht er jedoch eine gute Resilienz: โ€žAllerdings weisen die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken eine sehr gute Kapitalausstattung aus. Zudem verfรผgen beide Bankengruppen รผber interne Sanierungssysteme. Von daher ist davon auszugehen, dass diese Bankengruppen eine Welle von Insolvenzen ihrer Kunden schultern kรถnnen.โ€

Kentern Schiffs- und Flugzeugfinanzierungen?

Eine stark von der Pandemie getroffene Branche sind die Reiseveranstalter. Erste Prognosen gehen fรผr 2020 von 64 Prozent weniger Flugpassagieren weltweit aus. Deutsche Airlines verbuchten im vergangenen Jahr รผber 21 Milliarden US-Dollar weniger Umsatz. Ebenso ergeht es dem Kreuzfahrt-Business: Organisierte Reisen bรผรŸten insgesamt 65 Prozent auf 23 Milliarden Euro Reiseausgaben in 2020 ein. Damit fรคllt der Umsatz auf ein Niveau von vor รผber 30 Jahren zurรผck. Fรผr Kreuzfahrten insgesamt (Fluss- und Hochseekreuzfahrten) gaben die Deutschen laut GfK-Auswertungen rund 2,4 Milliarden Euro aus โ€“ ein massiver Rรผckgang um 60 Prozent.
Schiffe und Flugzeuge werden mit hohen Volumina an Fremdkapital finanziert. Dabei dienen die Fahrzeuge als Sicherheiten. Gerรคt jedoch die Branche in die Krise, werden sie schlimmstenfalls unverkรคuflich โ€“ ein Szenario, dass die Containerschiffe nach der Finanzkrise durchleiden mussten. Damals waren die Landesbanken besonders betroffen. Wenn sich die Geschichte wiederholt, fielen groรŸe und wenig diversifizierte Kredite aus, die eher GroรŸ- und Landesbanken treffen wรผrden.
Wie die Reisewelle nach Mallorca Mitte Mรคrz zeigte, ist die Reiselust jedoch ungebrochen. Markus Demary ist auch bei diesem Risiko daher nicht allzu pessimistisch: โ€žViele Lรคnder machen beim Impfen gute Fortschritte, sodass der Tourismus sich dort auch wieder erholen kann. Durch die Einfรผhrung eines digitalen Impfpasses sollten dann auch wieder Reisen mรถglich sein.โ€œ Dies ermรถglichte ein Anziehen des Tourismus sogar vor Ende der Pandemie.

Risiko Staatsanleihen

Ein Anhalten der Wirtschaftskrise kรถnnte dazu fรผhren, dass die hohe Schuldenlast der europรคischen Staaten zu einem Downgrade der Bonitรคt fรผhrt. Daraus wรผrden Verluste bei den Banken resultieren, da sie fรผr europรคische Staatsanleihen kein Eigenkapital vorhalten mรผssen. Deutsche Banken halten etwa 38 Prozent ihrer Anleihen in Bundesanleihen, die als sehr sicher gelten. Rund ein Viertel des Volumens fรคllt allerdings auf europรคische Anleihen, so dass ein Downgrade italienischer, spanischer oder franzรถsischer Anleihen ebenfalls zu Verlusten fรผhren kรถnnte.
Obwohl die Europรคische Zentralbank (EZB) mit ihren Wertpapierkรคufen den Druck von den Staaten genommen hat, hinterlรคsst die COVID-19-Krise trotzdem ihre Spuren in den Staatsfinanzen. Daher lรคsst sich das Risiko von Downgrades nicht generell ausschlieรŸen, schรคtzt Markus Demary die Situation ein. Gleichzeitig habe sich die EZB aber anpassungsfรคhig gezeigt: โ€žVermutlich wird es deshalb keine neue Eurokrise geben.โ€œ Sollte es doch dazu kommen, wรคren GroรŸ- und Landesbanken am stรคrksten betroffen.

Nicht nur eine Chance: Digitalisierung

Chance oder Fluch? Die Corona-Krise hat den Digitalisierungsdruck in der Finanzbranche noch einmal krรคftig erhรถht. Als die Filialen im Lockdown schlieรŸen mussten, haben sich die Kunden flexibel gezeigt und digitales Banking fรผr sich entdeckt. Laut einer Studie von Mastercard wickelten 28 Prozent der Deutschen hรคufiger Finanztransaktionen รผber eine App oder online ab und 35 Prozent zeigten sich an neuen digitalen Banking-Lรถsungen interessiert.
Die Unternehmensberatung Deloitte bezeichnet die COVID-19-Krise im โ€žBanken- und Kapitalmarktausblick 2021โ€œ als digitalen Lackmus-Test fรผr Banken: Wer bereits vorher strategische Investments in die Technologie getรคtigt hat, kommt gestรคrkt aus der Krise heraus. Auch die Rolle der Filialen wird sich verรคndern. Jรถrg Engels, Mitglied im Risk Advisory-Fรผhrungsteam bei Deloitte, beobachtet die Kombination von digitalen Strategien und persรถnlichem Kontakt in der Filiale. Fast die Hรคlfte der fรผr den Kapitalmarktausblick Befragten plane zum Beispiel eine Live-Interaktion mit Bankangestellten รผber den Bankautomaten. Rund ein Drittel der Befragten erwรคge โ€žweitere Funktionalitรคten, wie einen mit kรผnstlicher Intelligenz ausgestatteten Roboter im Eingangsbereich von Flagship-Filialen zu positionieren oder den Filialbesuch um sensorbasierte Virtual-Reality- / Augmented-Reality-Erlebnisse zu erweitern.โ€œ
Deloitte erwartet auรŸerdem 2021 wieder einen verstรคrkten Konsolidierungsdruck. Dabei macht Jรถrg Engels zwei Kandidatengruppen aus: โ€žDer Konsolidierungsdruck wird vor allem fรผr Institute mit anhaltend geringer Profitabilitรคt und den potentiell nunmehr steigenden Kreditausfรคllen weiter zunehmenโ€œ, nennt er die eine. โ€žDoch kann fรผr die M&A-Strategie von Banken auch das Hinzugewinnen digitaler Kompetenzen sowie das SchlieรŸen von Digitalisierungslรผcken von zentraler Bedeutung sein, um sich fรผr das New Normal besser aufzustellen.โ€œ

Sie mรถchten mehr aus der aktuellen Ausgabe lesen? Mit einem Klick kommen sie hier auf das Interview mit Eckhard Forst „ร–ffentliche Banken sind Treiber der Digitalisierung“ oder hier auf unser groรŸes Interview mit Helaba-Vorstand Christian Rhino.

Ronja Wildberger ist ehemalige Chefredakteurin beim BANKINGCLUB.

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