BANKINGCLUB: Herr Wibbe, was treibt Banken aktuell bei ihrer Transformation an โ und woran scheitert die Umsetzung in der Praxis?
Oliver Wibbe: Viele Institute stehen massiv unter Druck โ regulatorisch, technologisch, personell. Die meisten wissen, dass sie schneller und flexibler werden mรผssen, um Schritt zu halten. Unsere gemeinsame Studie mit NelsonHall zeigt: 96โฏProzent der befragten Fรผhrungskrรคfte wollen ihren Umsatz steigern, 89โฏProzent ihre Betriebskosten senken, 81โฏProzent die Transformation beschleunigen. Auch Skalierbarkeit ist ein groรes Thema โ 62โฏProzent sehen hier klaren Handlungsbedarf. Im Fokus stehen dabei Verbesserungen in der Kundenbetreuung, mehr Automatisierung im Tagesgeschรคft und die Neugestaltung veralteter Ablรคufe. Was sie dabei ausbremst, ist nicht der Wille, sondern der Mangel an Ressourcen. Mehr als zwei Drittel geben an, dass sie weder die Kapazitรคten noch das Know-how haben, um operative Ablรคufe und Transformationsinitiativen parallel zu stemmen. Wer aber nicht transformiert, bleibt stehen. Genau da setzt BPO an โ es verschafft den Instituten nicht nur Freiraum fรผr die Transformation, sondern kann auch gesamte Prozesse und Themengebiete transformieren.
Wie genau setzen Banken BPO heute ein โ und worin liegt der strategische Nutzen?
Frรผher war Outsourcing gleichbedeutend mit Kostensenkung. Heute ist es vielmehr auch ein Hebel zur strukturellen Modernisierung. So sehen heute die Mehrzahl der Bankenmanager BPO als einen entscheidenden Faktor bei der Transformation von Bankprozessen. Es geht darum, Komplexitรคt rauszunehmen, intern den Blick fรผr strategisch Wichtigeres freizumachen und gleichzeitig den Zugang zu Technologie und Spezialwissen zu sichern. Im Fokus stehen Prozesse wie Kreditbearbeitung, Kunden-Onboarding, Zahlungsverkehr oder die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen โ alles Bereiche mit hohem Volumen, vielen manuellen Schnittstellen und strengen regulatorischen Anforderungen. Gerade hier lassen sich mit spezialisierten Partnern groรe Effizienzgewinne erzielen. Wir sehen auch, dass Institute nicht nur einzelne Aufgaben auslagern, sondern zunehmend ganze Prozessketten โ inklusive Compliance, Dokumentenmanagement und Kundenkommunikation.
Ein Aspekt, der in Ihrer Studie hervorsticht, ist KI. Wie wichtig ist das Thema fรผr die Auswahl eines Outsourcing-Partners?
Immer wichtiger. 84โฏProzent der Befragten sagen, dass die Fรคhigkeit zur Integration generativer KI ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl ihres BPO-Partners ist. Bei SPS setzen wir solche Lรถsungen lรคngst produktiv ein, etwa bei der Dokumentenklassifikation, beim Datenabgleich im Kreditgeschรคft oder im automatisierten Kundendialog. Das senkt Fehlerquoten, reduziert Bearbeitungszeiten und verbessert das Erlebnis auf Kundenseite โ und es entlastet die internen Teams spรผrbar. Ein groรer Vorteil ist auch: Als BPO-Partner kรถnnen wir unsere KI-Lรถsungen in unterschiedlichen Umfeldern erproben und systematisch weiterentwickeln โ รผber Branchen, Prozesse und Lรคnder hinweg. Dieses Know-how geben wir gezielt an unsere Kunden weiter. Institute mรผssen so keine eigenen groรen KI-Projekte aufsetzen โ sondern sie kรถnnen von praxiserprobten, skalierbaren Lรถsungen profitieren, die sich nahtlos in bestehende Systeme integrieren lassen. Fรผr uns ist KI ein Handwerkszeug, welches in unserer Organisation und unseren Prozessen fest verankert ist.
Was zeichnet einen guten BPO-Partner fรผr Transformationsprojekte in der Finanzbranche aus?
Ein verlรคsslicher Partner muss nicht nur technologische Exzellenz mitbringen, sondern auch ein tiefes Verstรคndnis fรผr regulatorische Vorgaben und die Marktlogik der Branche. SPS arbeitet mit รผber 250 Banken und Versicherern weltweit zusammen โ darunter viele, die aus einem einzelnen Projekt heraus in eine langfristige strategische Partnerschaft gewachsen sind. Unsere Lรถsungen sind PCI- und ISO-zertifiziert, unsere Prozesse erfรผllen durchgehend die regulatorischen Anforderungen. Unsere stark automatisierten und standardisierten Prozesse liefern hรถchste Genauigkeit und gewรคhrleisten damit den Datenschutz sowie Governance.
Was geben Sie Instituten mit auf den Weg, die รผber Outsourcing nachdenken?
Outsourcing ist keine Notlรถsung, kein kurzfristiges Sparprogramm, sondern eine strategische Entscheidung. Wer langfristig erfolgreich sein will, braucht Partner, die Komplexitรคt reduzieren, statt neue Abhรคngigkeiten zu schaffen. Es geht nicht darum, einzelne Aufgaben abzugeben โ sondern darum, operative Last loszuwerden und Wachstumsfรคhigkeit zurรผckzugewinnen. Die Studie ist hier eindeutig: Die Institute, die frรผh auf BPO setzen, sind heute agiler, innovativer und kundenorientierter unterwegs.
Die neue Studie von SPS und NelsonHall macht die zentralen Herausforderungen der Branche sichtbar und zeigt auf, welche Rolle strategisches Outsourcing bei der Transformation von Bankprozessen spielt. Alle Ergebnisse stehen hier kostenfrei zum Download zur Verfรผgung: Strategisches BPS-Outsourcing.
Oliver Wibbe
Oliver Wibbe ist Geschรคftsfรผhrer der SPS Germany GmbH und verantwortet die Business Process Services (BPS) in Kontinentaleuropa. Sein Ziel ist es, mit den Business Process Services die Kunden bei der digitalen Transformation zu unterstรผtzen, die Customer Experience zu erhรถhen und die Effizienzen zu steigern. Er verfรผgt รผber umfangreiche Erfahrung in den Bereichen Outsourcing und Shoring sowie in IT-Lรถsungen und -Dienstleistungen fรผr verschiedene Branchen, insbesondere bei Banken und Versicherungen.ย
Fiona Gleim absolvierte von August 2021 bis Dezember 2022 ihr redaktionelles Volontariat bei der BANKINGCLUB Plattform GmbH und ist seitdem auch als festes Redaktionsmitglied beschรคftigt. Davor schloss sie ihren Bachelor of Arts an der Universitรคt Kassel ab.

