th – Deutschland ist overbanked.
Nur das Logo der Deutschen Bank lässt es vermuten: Q110 die
Filiale der Deutschen Bank auf der Friedrichstrasse in Berlin.
Bildquelle: www.deutsche-bank.de

Eintagsfliege oder eine Strategie mit Zukunft?
Die Gründe sind relativ einfach: Zu hohe Bankendichte und zu niedrige Zinsmargen werden in schöner Regelmäßigkeit für die Probleme des deutschen Finanzsystems verantwortlich gemacht. Und ohne Zweifel haben die deutschen Privatbanken in Reaktion auf die starke inländische Konkurrenz bei den traditionellen Bankprodukten neue und auch deutlich profitablere Geschäftsfelder aufgebaut: Beratungsgeschäft, Vermögensverwaltung und Emissionsgeschäft. Und dennoch zeichnet sich in den letzten Monaten ein Strategiewechsel ab, erleben wir offenbar die Renaissance des Filialkonzepts. Die Deutsche Bank nennt sie Q110, auf dem Flughafen Frankfurt heißt sie SEB-Lounge und bei der Raiffeisenbank im Nachbarort mutiert die Zweigstelle zum „Finance Meeting Point“ mit Bankshop und Reisebüro. „Die Filiale vermittelt dem Kunden die Kompetenz seiner Bank“, so Dr. Hans-Martin Kraus, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Bank, im Rahmen der BANKINGLOUNGE in Frankfurt. Die Wiedergeburt des Filialbankings sei eigentlich eine logische Konsequenz. Die neue Filiale präsentiere keine Abkehr vom Multikanalbanking, sondern die konsequente Integration von Online- und Offline-Banking. Auch der Online-Kunde müsse seine Bank in der Filiale wiedererkennen können, meint Kraus.
Bankgeschäfte, Latte Machiatto oder beides? Wer die Wahl hat,
hat die Qual am in der SEB-LOUNGE am Frankfurter Flughafen.
Bildquelle: SEB Bank AG

„Convenience-orientiert“ bedeutet für die Bankenlandschaft ein Filialbereich mit professioneller Kinderbetreuung, eine Wohlfühlecke mit Kaffeebar oder ein ausgewähltes Angebot bankfremder Produkte. Doch damit einher gehen muss auch eine geänderte Kommunikationsstrategie. „Dies ist auch dringend nötig. Das klassische Modell hat ausgedient“, weiß Prof. Dr. Dominik Georgi, Professor für Retail Banking und Dienstleistungsmanagement an der Frankfurt School of Finance & Management. Die Kunden kaufen eine Rente in einer bestimmten Höhe, die ab dem 65. Lebensjahr auf ihr Konto fließen soll, und nicht die Riesterrente, erklärt Georgi. Auch hier sei die Deutsche Bank in Berlin mit ihren Mitarbeitern im Quartier 110 Vorreiter gewesen und habe Produkte greifbar gemacht, indem die Finanzprodukte in Blechdosen verpackt wurden. Nun liegen die Sparbücher nicht mehr anonym in einer Schublade hinter dem Tresen, den es ohnehin nicht mehr gibt, sondern stehen für den Kunden sichtbar in den Regalen der Filiale. Ergebnis: Signifikantes Neugeschäft.
Auch der zweite Trend zur Nische macht sich im Filialgeschäft der Bankbranche bemerkbar. So fokussieren Verbraucherkreditinstitute wie Fortis, Migros Bank oder Norisbank mit auffälligen und grellen Filialen in hochfrequenten Citybereichen ihre Zielgruppen und erreichen mit diesem Konzept mitunter einen Neukundenanteil von 50 % und mehr. Besonders beliebt sind Läden in die großen Shopping-Malls, die eine Frequenz an Laufkundschaft erzielen, die anderswo nicht zu erreichen ist.
Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Herausgeber der BANKINGNEWS und Gründer des BANKINGCLUB. In seinem Editorial „Quer durch die Bank“ bezieht er regelmäßig zu den Themen Stellung, die die Welt der Finanzen bewegen.
Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen.
Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

