Bei den Arbeitsplรคtzen scheinen die Zahlen bislang moderat zu sein. So schรคtzt die Helaba, das etwa 3500 Banker:innen von der Themse an den Main gezogen sind. Dazu kommen Abwanderungen in die anderen europรคischen Finanzmetropolen Luxemburg, Dublin und Paris. Das klingt zunรคchst nicht viel, immerhin gehen wir von 1,1 Millionen Finanzjobs im ersten Quartal 2020 aus โ immerhin 3,2% der britischen Arbeitsplรคtze. Nach anderer Zรคhlweise sind es sogar noch mehr: www.thecityuk.com spricht von 2,3 Millionen Arbeitnehmenden.
Auf der anderen Seite sagt diese Zahl aber auch alles รผber die Bedeutung der Canary Wharf fรผr das Vereinigte Kรถnigreich aus. Wem sie noch nicht reicht: In 2019 trug der Finanzsektor 132 Milliarden Pfund zur UK-Wirtschaft bei, das entspricht fast 7% der Wirtschaftsleistung (TheCityUK: 10%). Gut, in Luxemburg sind es 27% ยญโ aber dieser Wert ist auch weltweit einsame Spitze unter den OECD-Staaten.
Alles halb so schlimm?
Die bisherigen Daten deuten darauf hin, dass durch den Austritt Groรbritanniens aus dem europรคischen Binnenmarkt einige Arbeitsplรคtze und auch Geschรคftsvolumen an Finanzzentren innerhalb der EU verloren gegangen sind. Aber die Auswirkungen sind eventuell weniger groร, wie zunรคchst von einigen befรผrchtet. Schlieรlich gingen die Prognosen soweit, bis zu 100.000 Arbeitsplรคtze in Frage zu stellen.
Dennoch: Beim Aktienhandel etwa gab es harte Einbrรผche. โRund sechs Milliarden Euro tรคgliches Handelsvolumen wanderten am ersten Bรถrsentag des Jahres aus London nach Amsterdam, Paris und anderen EU-Standorten ab. Damit verlor das britische Finanzzentrum auf einen Schlag fast die Hรคlfte seines Aktienhandelsโ, schreibt das Handelsblatt.
Sind Fintechs die Zukunft?
Auรerdem hat die Covid-19-Pandemie zusรคtzlich die Finanzszene belastet. Das erschwert es allerdings auch, die volle Tragweite des Brexits zum jetzigen Zeitpunkt korrekt einzuschรคtzen. Die britische Regierung plant derweil eine radikale รberarbeitung der Finanzdienstleistungsregulierung. Ziel ist, das Vereinigte Kรถnigreich fรผr auslรคndische Mรคrkte attraktiver zu machen.
Auรerdem mรถchte man sich als der internationale Standort fรผr Fintechs etablieren โ sicherlich kein schlechter Plan, um abwandernde Banker zu ersetzen. Die Ausgangslage ist nicht schlecht. London ist ein gutes Pflaster fรผr Software-Schmieden und verfรผgt รผber eine exzellente Infrastruktur fรผr Venture Capital.
Im ersten Halbjahr 2020 haben laut TheCityUK etwa 76.500 Menschen in London fรผr Fintechs gearbeitet und dabei 6,6 Milliarden Pfund Umsatz erwirtschaftet. Darunter sind so namhafte Unternehmen wie Revolut, Checkout.com., Starling Bank oder Currency Cloud. Ob allerdings diese jungen Unternehmen die gut dotierten Jobs von Investmentbankern ersetzen? Sie schaffen eher Jobs an der Schnittstelle zur IT. Es bleibt daher spannend, wie sich London weiterentwickelt. Aber eines ist klar: Die City blickt nach vorne und hat die Zukunft fest im Blick. Inklusive Fintechs.
Die City in Zahlen:
- Sie erwirtschaftet 9% des britischen Bruttoinlandsprodukts. Das entspricht 132 Milliarden Pfund.
- Sie bietet 1,1 Millionen Jobs an, das entspricht 3,2% aller Arbeitsplรคtze im Vereinigten Kรถnigreich.
- Weltmarktfรผhrer ist sie im Wรคhrungshandel: 43% des globalen Devisenhandels laufen รผber die City. Dort werden 2,5 mal so viele Dollars gehandelt wie in den Vereinigten Staaten.
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Ronja Wildberger ist ehemalige Chefredakteurin beim BANKINGCLUB.

