Seit Monaten pflegen BaFin und N26 ein inniges Verhรคltnis zueinander. Es begann im Sommer 2021, als das Fintech wegen zahlreicher zu spรคt gemeldeter Geldwรคscheverdachtsfรคlle negativ aufgefallen war und mit einem Buรgeld von 4,25 Millionen Euro ermahnt wurde.
Strafverfolgungsbehรถrden sowie Verbraucherschรผtzer hatten die Identifizierung neuer Kunden bei der jungen Bank fรผr ausbaufรคhig erklรคrt. Laut Lars Hornuf, Finanzexperte der Universitรคt Bremen, sind Online-Banken fรผr Kriminelle besonders attraktiv, da diese einfacher zu durchdringen sind als klassische Bankinstitute. Authentifizierungsverfahren wie Videoident, die sich in der Finanztechnologie groรer Beliebtheit erfreuen, weisen Sicherheitslรผcken auf. Diese werde immer mehr von Cyberkriminellen ausgenutzt.
Als ausreichend befand man dies nicht. Denn neben der Geldstrafe entsandte die Bonner Aufsichtsbehรถrde einen Geldwรคsche-Sonderbeauftragten an die Seite der Berliner Neobank. Trotz des Dรคmpfers genoss die junge Bank sommerliche Blรผte und kann sich seit Kurzem mit dem Titel โWertvollstes deutsche Start-upโ schmรผcken. Nichtsdestotrotz dรผrften die von der BaFin aufgespรผrten Mรคngel ihren Einfluss auf die Unternehmensbewertung ausgeรผbt haben.
N26 soll gebremst werden
Das Hoch wรคhrt nur kurz, am neunten November 2021 teilte die Behรถrde mit: Das Wachstum der Bank wird auf 50.000 Neukunden pro Monat beschrรคnkt. Laut eigenen Angaben konnte das Berliner Fintech in der Vergangenheit um das Doppelte monatlich wachsen. Der Sanktionskatalog fasst noch darรผber hinaus und reduziert das Volumen der Immobilienkredite auf maximal 500 Millionen Euro. Dies trifft auf alle Lรคnder zu, in denen die N26-Bank tรคtig ist.
Offiziell intendiert die Anordnung die Beseitigung von Defiziten im Risikomanagement der Bereiche IT und Auslagerungsmanagement. Es heiรt, im gleichen Zuge bestehe fรผr die Bank die Chance, ihre Ressourcen zur Stabilisierung der Kundenidentifikationsprozesse, des Transaktionsmonitorings und des Verdachtsmeldewesens vermehrt einzusetzen.
Zwei Sonderbeauftragte, eine Bank
Es ist zu erwarten, dass mit der Deckelung der Neukunden-Zahlen, der Zulauf bei Wettbewerbern wie Revolut oder Monese steigen wird. Fraglich also, ob N26 mit der Verordnung so geholfen ist. Besonders in osteuropรคischen Lรคndern kรถnnte die Beschrรคnkung problematisch werden. Da dort das Vertrauen in deutsche Finanzinstitute ausgesprochen hoch ist, kรถnnte die Wachstumsrestriktion entsprechend verheerend sein. Fรผr Bestandskunden dรผrften sich allerdings kaum Verรคnderungen ergeben.
Um die ordnungsgemรครe Geschรคftsorganisation sicherzustellen, wagt die Bafin tatsรคchlich noch einen ungewรถhnlich harten Schritt, welcher fรผr den deutschen Bankenmarkt ein Novum darstellt. Nachdem der Neobank bereits ein Sonderbeauftragter zugeteilt wurde, schlieรt sich diesem nun ein zweiter an. Man kรถnnte sagen, die Behรถrde verliert ihre Mitarbeiter an N26, um die geforderte Qualitรคt in der Kundenannahme zu gewรคhren.
Man kommt um das Bild einer jungen Bank, die an beiden Hรคnden einen Aufpasser fasst, nicht herum: Diese sollen รผber den Umsetzungsfortschritt der Maรnahmen berichten und im Laufe der Mรคngelbewรคltigung die Anordnungen stufenweise anpassen und herabsetzen.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Maรnahmen auf die Reputation der Bank auswirken und ob deren Bremse nicht das Gas fรผr die Konkurrenz bedeutet.
Fiona Gleim absolvierte von August 2021 bis Dezember 2022 ihr redaktionelles Volontariat bei der BANKINGCLUB Plattform GmbH und ist seitdem auch als festes Redaktionsmitglied beschรคftigt. Davor schloss sie ihren Bachelor of Arts an der Universitรคt Kassel ab.

