Dienstag, 10. Mรคrz 2026
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Illegal geht auch digital

Neben bekannten Wirtschaftswissenschaftlern wie Peter Bofinger, Kenneth Rogoff und Larry Summers fordert auch Bjรถrn Ulvaeus, ehemaliger Sรคnger der schwedischen Popgruppe ABBA, die Abschaffung des Bargeldes. Wรคhrend die Ersteren Argumente aus der Nationalรถkonomie ins Feld fรผhren, versucht sich der schwedische Bargeldskeptiker auf dem Feld der Kriminologie. Er trรคumt den Traum, den schon Generationen von professionellen und Hobby-Kriminologen vor ihm hatten – nรคmlich den von einer verbrecherfreien Gesellschaft. In erster Linie ist es aber nur eines, nรคmlich ein Traum.
In Schweden, genauso wie in anderen skandinavischen Lรคndern, halten die meisten Bรผrger das Bargeld eh fรผr obsolet und archaisch. In diesem Punkt stimmt sogar der Wirtschaftsweise Bofinger ein, er benutzt nur eine andere Vokabel. Er spricht von Anachronismus. Dieses Argument ist aber noch schwรคcher als die angebliche Trockenlegung des kriminellen Sumpfes.

Die Welt ist nicht statisch

Wer so argumentiert geht zwangslรคufig von einem statischen Gesellschafts- und Menschenbild aus und unterstellt, dass sich nichts รคndert. Aber oft ist das genaue Gegenteil der Fall. Kriminelle sind nicht nur lernfรคhig, sondern sind durchaus intelligent und begabt. Vielleicht nicht der drogenabhรคngige Junkie auf der Suche nach dem nรคchsten Schuss, aber der Hehler, der ihn bezahlt.

Gutscheine als Ersatz

Schon heute werden Prepaidkarten und Gutscheine als Zahlungsmittel verwendet und zur Geldwรคsche missbraucht. Warum sollten sie in einer bargeldlosen Gesellschaft auf diese spezielle Form des Zahlungsverkehrs verzichten? Gerade wenn man bedenkt, dass man mit Gutscheinen des Internetriesen Amazon alles erdenklich Mรถgliche kaufen kann. Im Gegensatz zu staatlichem Geld sind die Gutscheine des Versandriesen durch hinreichend Waren gedeckt.

Illegal geht auch digital

Dabei mรผssen die Verfechter einer bargeldlosen Gesellschaft nicht einmal in die Geschichte zurรผckblicken, die so manche Utopie schnell zerstรถrt. Nein, ein Blick in die gegenwรคrtige Verbrechensfinanzierung reicht vรถllig aus. Das Internet bietet auch der organisierten Kriminalitรคt beste Mรถglichkeiten, sich zu finanzieren. Ross William Ulbricht verdiente im Dark Net mit seiner Plattform Silk Roads stolze 15,8 Millionen Euro. Dabei wurde das Geld weder auf sein Bankkonto รผberwiesen noch in Koffern bar vorbeigebracht: Er empfing sein Geld mit digitalen Bitcoins. Das alleine zeigt doch schon die Lernfรคhigkeit der Kriminellen, die sich nicht von einem Bargeldverbot in ihrer โ€žBerufsausรผbungโ€œ hindernย  lassen. Die Welt gehorcht nun mal nicht einem kindlichen Schwarz-WeiรŸ Schema.

Julian Achleitner war von 2014 bis 2016 Redakteur bei BANKINGNEWS.

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