Für Banken waren die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel wohl alles andere als eine besinnliche Zeit. Gleich drei Fälle von Banküberfällen und entleerten Schließfächern sorgten für medialen Aufruhr. Noch immer finden polizeiliche Ermittlungen zu dem „spektakulären Millionen-Raub“ in der Gelsenkirchner Sparkasse kurz nach Weihnachten statt – die Täter bleiben bislang unbekannt und weiterhin auf der Flucht. Spektakulär, denn über 3000 Schließfächer sind hier geöffnet worden, was die Täter mehrere Tage gekostet haben muss. Der entstandene Schaden wird noch ermittelt, liegt schätzungsweise aber im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich. Die Täter, von denen es Videoaufnahmen auf Überwachungskameras gibt, sollen sich über ein Parkhaus in das Sparkassengebäude gearbeitet und schließlich über mehrere Türen und mithilfe eines großen Bohrers Zugang zum Tresorraum verschafft haben. Trotz eines während der Tat ausgelösten Brandmeldealarms blieb der Einbruch für die Einsatzkräfte vor Ort unbemerkt.
Zwar weniger filmreif aber ebenso besorgniserregend waren die anderen beiden Fälle, die sich im Laufe des Dezembers zugetragen haben. Erst am 31. Dezember wird bekanntgegeben, dass schon Mitte des Monats auch in einer Filiale der Sparkasse KölnBonn zwei Schließfächer mit Gold entleert wurden. Die Bank selbst kommunizierte den Raub als einen „internen Sicherheitsvorfall im Schließfachbereich“ und ein ehemaliger Mitarbeiter wurde verdächtigt, sich unbefugten Zugang verschafft zu haben. Bei einer Durchsuchung des Haupt- und Nebenwohnsitzes des Verdächtigten konnten zwar Beweismittel entdeckt werden, für einen Haftgrund reichte es allerdings nicht aus. Auch in Halle wurden in einer Sparkassen-Filiale Ende Dezember vier Schließfächer aufgebrochen und ausgeraubt. Nach polizeilichen Angaben erfolgte die Tat tagsüber und gänzlich ohne Gewalt, näheres zum Tatverlauf ist noch nicht bekannt gegeben worden.
Insbesondere der Banküberfall in Gelsenkirchen sorgte seitens der KundInnen für emotionale Reaktionen, von Fassungslosigkeit und Verzweiflung hin zu Wut. Eine hohe Nachfrage nach sicherer Vermögensaufbewahrung außerhalb des eigenen Wohnsitzes sorgt seit Jahren für eine starke Auslastung der Schließfächer deutscher Banken. Zusätzlich hat sich die Situation aber durch zunehmende Filialschließungen verengt – Tresorräume werden also aufgegeben und die Nachfrage nach unabhängigen Schließfächern wächst stetig. „Heute geht es vor allem um persönliche und emotionale Wertgegenstände, etwa Schmuck, Erbstücke oder wichtige Dokumente, die für Menschen von unschätzbarem Wert sind“, so Vera Nonn, Managing Director von CitySafes Deutschland, Europas größtem Anbieter für bankunabhängige Schließfachlösungen. CitySafes positioniert sich dabei nicht als Konkurrent, sondern als Partner von Banken: sie nutzen ehemalige Bankgebäude, statten die Tresorräume mit VdS-C zertifizierten Alarmanlagen aus und übernehmen die vollständige Betreuung und Verantwortung, ebenso wie die Haftung. Die Commerzbank, Rabobank, ING Diba oder ABN AMRO sind bereits Kooperationspartner, denn das Phänomen ist kein deutsches, sondern in ganz Europa zu beobachten.
Doch ohne einen unabhängigen Schließfach-Anbieter gilt für höchste Sicherheit: klare Vertragsbedingungen, eine passende Zusatzversicherung und sorgfältige Dokumentation. Einige Kundinnen und Kunden hatten im Fall Gelsenkirchen Wertgegenstände von mehreren Hunderttausend Euro in ihrem Schließfach – die Versicherungsgrenze der Sparkasse liegt jedoch bei jeweils 10.300 Euro, sehr zur Überraschung einiger Kunden. Das Problem liegt hier womöglich also auch bei einer unzureichenden Beratung und könnte zu einigen zivilrechtlichen Klagen gegen die Sparkasse führen.
In den vergangenen Jahren habe es vereinzelt mehrere Diebstähle aus Bankschließfächern gegeben. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erlaube jedoch lediglich eine grobe Erfassung unter „schwerem Diebstahl in oder aus Banken“, eine detaillierte Auswertung einzelner Taten sei nicht leistbar. Insgesamt gehe das Landeskriminalamt NRW von einem sehr geringen Anteil solcher Delikte aus. Der Vorfall beschäftigt inzwischen auch die Politik: In einer kurzfristig anberaumten Sondersitzung des Innenausschusses im Landtag sollen insbesondere Schwachstellen im Sicherheitskonzept der Sparkasse und mögliche Bezüge zur organisierten Kriminalität erörtert werden. In den letzten Jahren wurden außerdem steigende Fallzahlen des Phänomens Geldautomatensprengungen verzeichnet. Hier geht es zum ausführlichen Bericht dieses Problems, ebenso zum Interview mit Innenminister Rheinland-Pfalz Michael Ebling (SPD).
Fiona Gleim absolvierte von August 2021 bis Dezember 2022 ihr redaktionelles Volontariat bei der BANKINGCLUB Plattform GmbH und ist seitdem auch als festes Redaktionsmitglied beschäftigt. Davor schloss sie ihren Bachelor of Arts an der Universität Kassel ab.


