Kweku Adobolis Position ist eindeutig: Solange sich strukturell in der Bankbranche nichts verรคndert, ist eine Wiederholung der Ereignisse nicht auszuschlieรen. Gemeint sind die Ereignisse der Jahre 2008 bis 2011, fรผr die Adoboli Verantwortung bekennt. 2012 wurde der ehemalige Investmentbanker des Betruges schuldig gesprochen. Grund waren nicht autorisierte Spekulationsgeschรคfte, durch die die Schweizer Groรbank UBS eine Summe von rund 2,3 Milliarden US-Dollar verlor.
Mit Risiko zum Profit
Seine Wurzeln hat Kweku Adoboli in Ghana. Hier wurde er 1980 geboren, als Sohn eines Diplomaten der Vereinten Nationen. Zweifelsohne bescherte ihm die Profession seines Vaters gewisse Privilegien. Die Familie lebte in verschiedenen Lรคndern, bis es sie 1991 schlieรlich nach London verschlug. Dort blieb Adoboli auch, wรคhrend es den Rest der Familie zum nรคchsten Wohnort zog. Nach der Internatsschule trat er zunรคchst ein Studium zum Chemieingenieur an, bevor er dann doch im E-Commerce und der Wirtschaftsinformatik landete.
Als Praktikant im Jahr 2002 kam Adoboli zum ersten Mal in Kontakt mit der UBS. In spรคteren Interviews erklรคrt er, dass ihn dabei besonders die kooperative und vertrauensvolle Arbeitsatmosphรคre in der Bank beeindruckt hatte. Bereits 2003 unterschrieb er bei UBS den Arbeitsvertrag und stieg als Trainee fรผr Hochschulabsolventen ein.
Nachdem er sich unterschiedlichen Positionen in verschiedenen Bereichen angenommen hatte, arbeitete er ab 2006 im Londoner Delta-1-Handelsteam im Bereich โGlobal Synthetic Equityโ mit Exchange Traded Funds (ETFs). Durch seine รผberaus hohe Risikobereitschaft konnte er sich von seinen Kollegen abgrenzen. Dieserart gelang es Adoboli, hohe Profitsummen fรผr die Institution zu schlagen. Entsprechend wurde er auch belohnt und fand sich spรคter als Associate Director wieder.
Betrรผger aus dem Land verbannt
In seinen Entscheidungen also bestรคtigt, weitete Adoboli seine Risikobereitschaft zunehmend aus und verlieร damit auch den Bereich des Autorisierten. Die Wagnisse รผberschlugen sich, was er durch Schein-Absicherungsgeschรคfte zu verschleiern versuchte. Im Rahmen von UBS-Kontrollverfahren fielen die Positionen des Hรคndlers auf. Rรผckfragen fรผhrten zum Gestรคndnis.
Der offizielle Vorwurf: Betrug durch Missbrauch seiner Position in zwei Fรคllen sowie vier weitere Fรคlle der Bilanzfรคlschung. Trotz des Plรคdoyers auf Unschuld hinsichtlich der Klagepunkte entschuldigte sich Adoboli รถffentlich. Damit rรคumte er den Milliardenverlust durch die Missachtung jeglicher intern geltender Risikovorschriften verursacht zu haben sowie die Haltung geheimer Konten ein. Das Urteil wurde 2012 von einem Londoner Geschworenengericht ausgesprochen und erklรคrte ihn des Betruges in zwei Fรคllen schuldig, was fรผr Adoboli in eine Haftstrafe von sieben Jahren mรผndete. Seitens der UBS reagierte der damalige Chief Executive Officer (CEO) Oswald Grรผbel mit seinem Rรผcktritt.
Aufgrund guter Fรผhrung konnte Kweku Adoboli frรผhzeitig entlassen werden. Fรผr ihn endete die Strafe jedoch nicht hier: Neben einem lebenslangen Berufsverbot in der Finanzdienstleistungsbranche, drohte ihm 2016 die Deportation zurรผck nach Ghana. Das Verwaltungsgericht wies alle Einwรคnde Adobolis ab, 2018 wurde die Ausweisung vollgestreckt und seither lebt er in der Hafenstadt Tema.
Das Problem liegt im System, nicht in Individuen
Trotz der widerwilligen Ausweisung aus seiner Wahlheimat, lรคsst sich Kweku Adoboli nicht ins gesellschaftliche Exil drรคngen. Auf die Frage, ob er sich selbst als Krimineller bezeichnen wรผrde, entgegnet er, dass ihm dieses Label auferlegt wurde. So sei es ihm ein persรถnliches Anliegen zu seinen Lรผgen und fehlerhaften Entscheidungen zu stehen, jedoch habe er kaum fรผr die Bereicherung seiner selbst betrogen und stets im Sinne der Institution handeln wollen.
Nach Jahren der Reflektion bemรผht sich Adoboli heute um Offenheit und Transparenz, was den Arbeitsalltag und das Umfeld eines Investmentbankers angeht. So schildert er rรผckblickend die Herausforderung des Jobs, verbunden mit dem kontinuierlichen Druck und hohem Stresslevel, die an der physischen und psychischen Gesundheit zehren. Ebenso betont er den Konkurrenzdrang der Branche wie auch den Mangel echter sozialer Beziehungen. Er beschreibt die Tatsache, dass Risikotrรคger als Innovatoren gelten, als einen fundamentalen Konflikt.
Heute sieht er seine Aufgabe darin, anderen anhand seiner Erfahrung zu helfen und die Probleme des Systems aufzuzeigen. Das groรe Ziel sei dabei, die Strukturen zu verรคndern und Rogue Trading zukรผnftig zu verhindern. Seit seiner Entlassung im Jahre 2015 beteiligt er sich an Workshops und Seminaren, besucht Universitรคten und spricht รผber Themen wie โRisk, Culture and Systems Failureโ oder โEthics and Guidance in the Corporate Worldโ.
Fiona Gleim absolvierte von August 2021 bis Dezember 2022 ihr redaktionelles Volontariat bei der BANKINGCLUB Plattform GmbH und ist seitdem auch als festes Redaktionsmitglied beschรคftigt. Davor schloss sie ihren Bachelor of Arts an der Universitรคt Kassel ab.

