„AANNND IT’S GONE!“. Dieser Satz aus der Serie Southpark mit einem Bild des bösen Bankers schmückte knapp 16 Stunden die Startseite des ehemaligen Vorzeige-Fintechs Savedroid.
Nicht nur in den sozialen Medien, auch bei Wiwo und WELT verbreitet sich die Meldung über die vermeintlich gehackte Seite von Savedroid rasant. Kurz nach dem ersten Reflex, dass es sich wohl um einen Angriff auf die Seite handeln müsse, gab es weitere Spekulationen.
Da der gesamte Support nicht zu erreichen war und auch Vertraute den Gründer Yassin Hankir nicht erreichen konnten, mehrten sich Spekulationen, dass er und sein Team sich mit dem Geld, welches zuvor über ein sogenanntes ICO (Initial Coin Offering) eingesammelt wurde, über alle Berge gemacht haben. Immerhin wurden bei dem ICO knapp 40 Millionen Euro eingesammelt. Ein Bild von Hankir mit einem Bier am Strand, welches in seinem Twitter-Account zu sehen war, nährte diese Theorie. Oder wurde sogar sein Twitter-Account gehackt?
Da ließ auch die dritte Theorie nicht lange auf sich warten: Ein PR-Stunt für das neue Angebot von Savedroid, die ICO Beratung.
Um es kurz zu machen: Seit heute Morgen gibt es ein Video (https://www.youtube.com/watch?v=o5_bwFf_byo&app=desktop) vom Gründer. Hier entschuldigt er sich für den Gag und erklärt die Umstände.
Durchatmen? Mitnichten!
Es ist offensichtlich, dass Hankir der gesamten Fintech-Branche einen Bärendienst erwiesen hat. Beim Thema Geld geht es um drei Dinge: Vertrauen. Vertrauen. Vertrauen. Und genau dieses Vertrauen dürfen weder Banken, noch Fintechs verspielen. Sind doch gerade Fintechs angetreten, alles besser zu machen als die vermeintlich bösen Banken, die in der Finanzkrise zur großen Geldvernichtung beigetragen haben.
Viele Anleger der ICOs äußerten im Netz ihre Angst, das angelegte Geld könnte verloren sein. Für solche, die zum ersten Mal in Kontakt mit Kryptowährungen gekommen sind, sicherlich ein Schock.
Zahlreiche Experten melden sich aktuell ebenfalls zu den Vorgängen. Die meisten kommen zum gleichen Ergebnis: Das Vertrauen in Savedroid und das Investment-Vehikel ICO ist massiv beschädigt. „Dumme-Jungen-Streiche“ haben in unserer Branche nichts verloren.
Nebenwirkungen
Politik und Aufsicht werden sich dem Thema annehmen und mal wieder über zwei bis drei Umdrehungen an der Regulierungs-Daumenschraube nachdenken. Für Banken besteht durchaus die Chance, verlorenes Terrain wieder gut zu machen. Schlimmste Nebenwirkung: Amazon und Co., noch ohne angekratztes Image in der Welt der Finanzen, könnten sich als die Guten positionieren und mit der angekündigten Konto-Offensive starten.
Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Herausgeber der BANKINGNEWS und Gründer des BANKINGCLUB. In seinem Editorial „Quer durch die Bank“ bezieht er regelmäßig zu den Themen Stellung, die die Welt der Finanzen bewegen.
Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen.
Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.



