Jetzt Mitglied werden
Payment

„Wir sind noch weit entfernt vom bargeldlosen Alltag“

Anfang 2017 erhielt Auriga die Zulassung für das Geldautomaten-System der Deutschen Kreditwirtschaft. Geschäftsführer Vincenzo Fiore ist der Ansicht, dass deutsche Banken den GAA und andere SB-Automaten noch zu wenig in ihre Omnichannel-Strategien einbinden. Da das Bargeld vor allem in Deutschland in den kommenden Jahren weiterhin eine große Rolle spielen wird, sei auf diesem Feld ein enormes Potenzial zur Kundenansprache vorhanden.

Von Philipp Scherber - 17. Januar 2017

Vincenzo Fiore ist CEO des Software-Entwicklers Auriga.

BANKINGNEWS: Immer wieder wird die Abschaffung des Bargelds diskutiert, die Nutzungszahlen von Online-Banking steigen. Lohnt es sich überhaupt noch, in neue Geld- und SB-Automaten zu investieren?

Vincenzo Fiore: Auf lange Hinsicht wird die Bargeldnutzung in Europa zurückgehen, doch im Moment ist es für die Konsumenten noch sehr wichtig. Vor allem die Deutschen bevorzugen Bargeld als Zahlungsmittel und die Diskussion, die der Abschaffung des 500-Euro-Scheins seitens der EZB gefolgt ist, zeigt, dass wir noch weit entfernt von einem bargeldlosen Alltag sind. Das Online-Banking ist seit langer Zeit ein wichtiger Kanal der Bank, über den der Kunde eine Vielzahl grundlegender Geschäfte wie Überweisungen durchführen oder sich über Produkte der Bank informieren kann. Für komplexere Bankangelegenheiten, die einer Beratung bedürfen oder den Erwerb neuer Produkte beinhalten, bevorzugen die Kunden – und hierzu zählen auch die Millennials – den persönlichen Kontakt mit einem Berater und somit die Filiale. Aus diesem Grund müssen Banken auf eine Omnichannel-Strategie setzen, die alle Kanäle auf die gleiche Weise mit einbezieht und auch die Filiale in diese Strategie integriert. Investitionen in GAA- und Selbstbedienungs-IT bedeuten, dem Nutzer zusätzliche personalisierte Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die in der Lage sind, auch in der Filiale eine innovative Banking Experience zu bieten, die man schon vom Online-Banking gewohnt ist. Der Kunde muss die Möglichkeit haben, eine Operation von Zuhause oder vom Handy aus zu starten und in der Filiale zu beenden sowie andersherum. Das bedeutet, rund um die Uhr gleicherweise Zugriff auf sein Banking zu haben.

Im Puzzle der Omnichannel-Bank ist das Filial-Stück absolut fundamental.

Wäre es von der Kostenseite her nicht effizienter, wenn sich Filialbanken immer mehr in Richtung digitaler Direktbank mit einer großen Flagship-Filiale pro Region oder Stadt entwickeln?

Es stimmt, dass Banken Kosteneinsparungen vornehmen müssen und dass diese sehr häufig die Filiale betreffen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Filiale eine Seltenheit werden muss. Die Filiale der Zukunft ist technologisch ausgestattet und automatisiert. Das bedeutet, dass die Berater immer mehr von bürokratischen und verwaltungstechnischen Tätigkeiten befreit werden und sich verstärkt der Beratung und Unterstützung der Kunden widmen können. Eine technologische Filiale kann deutlich die Betriebs- und Personalkosten senken, während sie gleichzeitig den persönlichen Kontakt, auf den der Kunde weiterhin besteht, garantiert. Außerdem kann die Filiale mit der richtigen Technologie zu einem Verkaufsort werden. Hierzu wurden die Lösungen WWS OnetoOne, WWS Greæter und WWS Customer Management von Auriga entwickelt, denn sie geben dem Berater die Möglichkeit, den Kunden auf eine personalisierte Weise zu begrüßen und zu unterstützen und ihm Angebote, die mit dem Kundenprofil abgestimmt sind, zu unterbreiten. Dabei sollte betont werden, dass es auch einen entgegengesetzten Trend gibt und Online-Banken verstärkt versuchen, territoriale Präsenz zu zeigen: Dies dient der Sichtbarkeit und dem persönlichen Kontakt – unerlässlich für die Stärkung der Kundenbindung.

Auriga-Stand auf der Branch Transformation 2016 in London. Bildnachweis: RBR

Sie waren mit einem Stand auf der „Branch Transformation“ in London vertreten. Welche Ideen oder Leitlinien konnten Sie von dort mitnehmen? Sind sich die Experten einig, wohin die Reise der Bankfiliale geht?

Seit einigen Jahren ist die Branch Transformation zu einem der wichtigsten internationalen Branchentreffpunkte zum Thema Bankfiliale geworden. Nachdem in den vergangenen Jahren Themen wie Automatisierung, Cash Handling und die Weiterentwicklung der Rolle des Personals in der Filiale diskutiert wurden, war das diesjährige Motto „Der Kunde im Zentrum“. Die diesjährigen Teilnehmer waren sich einig, dass Banken die Digitalisierungswelle nutzen müssen, um sich den Kunden zu nähern, indem sie moderner und zugänglicher und gleichzeitig mobil und besucherfreundlich werden. Im Puzzle, was die Omnichannel-Bank darstellt, ist das Filial-Stück absolut fundamental. Für den Einsatz von Innovation in der Filiale hat Auriga in London zwei neue Lösungen der Software-Suite WWS (WinWebServer) präsentiert: WWS Cash Management, ein strategisches Instrument zur Optimierung der Bargeldtransfers und -sicherheitslagerung, vor allem geeignet in Ländern wie Deutschland oder Italien, wo der Bargeldgebrauch noch sehr groß ist. Und WWS Customer Management, eine Lösung zur Vereinfachung der Kundeninteraktion in der Filiale wie Begrüßung, Organisation der Warteschlangen, Beratung und personalisierte Marketingaktivitäten.

Aufwertung des GAA in der Kundenbezieung

Das Zulassungsbüro der Deutschen Kreditwirtschaft hat Auriga die Deutsche-Geldautomaten-System-Zulassung für die Lösung WWS ATM erteilt. Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Nach der Eröffnung der Frankfurter Niederlassung im letzten Jahr stellt der Erhalt der Zulassung für Auriga einen weiteren Meilenstein beim Wachstum im vielversprechenden deutschen Markt dar. Deutschland zählt in Europa zu den Ländern, wo Menschen dem Bargeld als Zahlungsmittel am treusten sind mit einer hohen Abhebungsquote am Geldautomaten. Nichtdestotrotz bieten die deutschen Banken lediglich grundlegende Funktionen am GAA, der häufig nicht als Teil einer Omnichannel-Bank verwaltet und als nicht integrierten Kanal angeboten wird. Investitionen in den GAA zur Verbesserung der gebotenen Services und zur Aufwertung seiner Rolle in der Kundenbeziehung werden auch für deutsche Banken unverzichtbar. Inzwischen wird weltweit anerkannt, dass der SB-Kanal zukünftig einen wichtigen Kontaktkanal zwischen der Bank und dem Kunden darstellen wird.

 

Lesen Sie auch

„Will ich der digitale Löwe sein oder das Schaf?“

In einer Gesellschaft, die sich im stetigen Wandel[…]

Daniel Fernandez

Den Kaufprozess anders denken

Das liebe Bargeld hat die Deutschen nach wie[…]

Patrick Urban

Chancen von PSD2 offensiv nutzen

Die meisten Finanzinstitute planen derzeit, nur die Mindestanforderungen[…]

Christian Albrecht

Mobile Payment in Deutschland: Jahresrückblick 2017

Auch in diesem Jahr spielte Mobile Payment hierzulande[…]

Rudolf Linsenbarth

Das Ei-Ei-Problem

Noch bevor paydirekt wirklich gescheitert ist, wird dem[…]

Redaktion

Der digitale Aufbruch: Geschäftsmodelle neu denken

Banken und Fintechs sind zugleich Wettbewerber, Kunden und[…]

Andreas Linke

Mobile Payment ist in aller Munde – doch kaum ein Kunde fährt darauf ab

Die Medien sind voll von neuen mobilen Bezahllösungen,[…]

Daniel Hess

„Ich sehe viel Potenzial für Partnerschaften“

Auf der dmexco 2017 sprachen wir mit PayPal-Pressesprecherin[…]

Daniel Fernandez

Können Banken Innovation?

Liest man in der Presse über Innovation in[…]

Karsten Becker

Mobile Payment in Deutschland

Deutschland bewegt sich in Richtung mobiles Bezahlen, jedoch[…]

Christian Grosshardt

Cryptocoins – Investieren in digitale Währungen

Autor: Aaron Koenig, Preis: 16,99 €, 192 Seiten,[…]

Daniel Fernandez

Zahlungsverkehr & Online-Banking – Kunden jetzt begeistern

Der Zahlungsverkehr stellt einen wesentlichen Faktor im Wirtschaftskreislauf[…]

Sebastian Müller

Eine Revolution? Ja, aber…

Am 13. Januar des kommenden Jahres wird die[…]

Christian Grosshardt

Access to Accounts (XS2A) – Herausforderung oder Chance?

Mit der Payment Services Directive (PSD2) hat die[…]

Michael Göpper

„Einer der ersten alltagstauglichen Smart-Contract-Anwendungsfälle“

Die Sutor Bank hat mit dem Start-up Motionwerk[…]

Philipp Scherber

„ATM Future Trends 2017“: GAAs im Wandel

Der Geldausgabeautomat (GAA) wird 50. Zu diesem Jubiläum[…]

Redaktion
Gebühren für Bargeld Abhebungen

Hilflos

Die tradierten Erlösmodelle der Banken verschwinden allmählich. Der[…]

Thorsten Hahn

Es war einmal: Ein Anruf bei PayPal

PSD2, harte und weiche Authentifikationsmerkmale, zwei Faktoren, Biometrie[…]

Thorsten Hahn

Die Payment-Trends 2017

Was wir dieses Jahr im Bereich Payment erwarten[…]

Rudolf Linsenbarth

Kryptische Vorzeichen

Im Jahre 2008 wurde das Konzept der „Bitcoin“[…]

Christian Grosshardt

Was ist Geld? Der Geldbegriff der Kreditgeldwirtschaft

Autor: Dietrich Eckardt Euro: 34,80 170 Seiten, gebunden[…]

Christian Grosshardt

Ein Supermarkt ohne Kassen

Amazon hat bereits die Vormachtstellung im Onlinehandel für[…]

Daniel Fernandez

Auswirkung der Regulierung auf Banken

In Zeiten des digitalen Wandels und der regulatorischen[…]

Matthias Hönisch

Mobile-Banking-Lösungen als Erfolgsfaktor im Firmenkundengeschäft

In einem anspruchsvollen Marktumfeld müssen Banken ihren Kunden[…]

Christoph Radziej

Wie Unternehmen durch Digitalisierung zu Banken werden

Die Digitalisierung verändert die Welt mindestens genauso stark,[…]

Patrick Urban

Wie werden wir im Jahr 2030 bezahlen?

Dieser Frage gingen auf dem fünften Fachkongress Next[…]

Daniel Fernandez

ver.di ruft Geldboten zum Streik auf

Berlin – In neun Bundesländern sind am Freitag[…]

Daniel Fernandez

Warum wir eine paneuropäische Mobile-Payment-Lösung brauchen

Mobile-Payment-Lösungen wie Apple Pay aus den USA, Samsung[…]

Christian Pirkner

Weihnachten steht vor der Tür – das Online-Bezahlverfahren paydirekt ist bereit

Mit dem Eintritt des Weihnachtsgeschäfts in die heiße[…]

Ines Reichardt

Digitalisierung auch bei Bankenabrechnungen und Preisen

Die Digitalisierung dringt in immer mehr Bereiche unseres[…]

Monika Wetscheza

„Eine Operation am offenen Herzen“

Die Implementierung von paydirekt in den Kernbanksystemen glich[…]

Philipp Scherber

Stadionwurst via App

Am Wochenende startet die neue Bundesliga-Saison und viele[…]

Philipp Scherber

Ein Jahr paydirekt

Wir blicken zurück auf ein Jahr paydirekt und[…]

Anna Stötzer

Umsetzungsgedanken zum ZKG

Ein Girokonto ist auch in der Bundesrepublik Deutschland[…]

Patrick Haug

„Entscheiden wird immer der Endkunde“

Die United Mobility Technology AG (UMT), Entwickler von[…]

Philipp Scherber

Welche Mobile Payment-Strategie haben die Banken?

Für beide Unternehmen ist das Zusammengehen nicht Liebe[…]

Rudolf Linsenbarth

„Wir müssen zuerst laufen, bevor wir fliegen“

Ende 2015 startete paydirekt, das Onlinebezahlverfahren der deutschen[…]

Thorsten Hahn

„Die Zukunft des Bezahlens hat schon begonnen“

Payment hat viele Gesichter: Vom Bezahlen mit der[…]

Julian Achleitner

Ablenkungsmanöver

Seit der Finanzkrise hat sich der Kurs der[…]

Thorsten Hahn

Zunehmende Digitalisierung im Zahlungsverkehr: Herausforderung für die Sicherheit

Das Smartphone hat sich für die meisten Menschen[…]

Anja Prescher

Geldgeschäfte macht man mit der Bank?

In Zukunft werden Banken nur in Ausnahmefällen diesen[…]

Achim Himmelreich

Neuland betreten: Herausforderung Fintech

Bis vor kurzem war das Thema Fintech für[…]

Frank Niehage

Wie FinTechs den Banken die Kunden abgreifen

Sie heißen PayPal, Alipay oder TrenCent. Es gibt[…]

Christian Behrendt

Ein finaler Weckruf an die Branche

Neue Bezahlverfahren erscheinen auf der Bildfläche und die[…]

Rudolf Linsenbarth

Die Erlaubnis zum Betreiben des E-Geld-Geschäfts

Hrsg.: Gustav Meyer zu Schwabedissen Euro:44,00 190 Seiten,[…]

Julian Achleitner

Verspätete Offensive mit paydirekt

Im August begann die Pilotphase und nun soll[…]

Christian Grosshardt

paydirekt? Wir haben eine Meinung!

Rudolf Linsenbarth Senior Consultant COCUS Consulting GmbH In[…]

Rudolf Linsenbarth

Kreditprozesse: Wissensgesellschaft ist im Backoffice der Banken angekommen

„Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer[…]

Anouschka Scheideck

Telekom-Konten gehackt!

In der vergangenen Woche soll es zu mehreren[…]

Christian Grosshardt