Donnerstag, 05. Mรคrz 2026
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Inflation: Strohfeuer oder Daueraufreger?

Bereits mit Beginn des zweiten Corona-Jahres beschรคftigte man sich mit den Folgewirkungen einer Wirtschaftserholung, die durch immer neue Konjunkturprogramme weiter angetrieben wird. Und diese Folgewirkungen heiรŸen hรถhere Inflation und hรถhere Zinsen. Besonders die โ€žneue Inflationsgefahrโ€œ erregt die Gemรผter in der รถffentlichen Debatte. Und zwar geht es hier um die Konsumentenpreisinflation, in der die Preise fรผr Vermรถgensgรผter nichts zu suchen haben. Die Inflationsrate soll die Kaufkraftstabilitรคt des jรคhrlichen Durchschnittseinkommens aller privaten Haushalte messen. Es geht hierbei ausschlieรŸlich um den Kauf von Konsumgรผtern. Sparanlagen und Vermรถgenswerte gehรถren nicht dazu. Der Teil der Immobilien, der von den privaten Haushalten konsumiert wird, geht als Miete in die jetzige Inflationsrate sehr wohl ein. Kรผnftig wรคre es allerdings sinnvoll, auch eine GrรถรŸe fรผr die Wohnnutzung von Eigentรผmern im Preisindex aufzunehmen.

Vermรถgenswerte und Verbraucherpreise legen zu

Schon lรคnger gibt es รœberlegungen, wie Vermรถgenspreise in die Geldpolitik einbezogen werden sollten. Insbesondere, wenn sie eine Gefahr fรผr die Finanzmarktstabilitรคt darstellen, sollte der Zentralbankrat den Vermรถgenspreisen besondere Aufmerksamkeit schenken. Daher รผberlegen die fรผhrenden Notenbanken, wie durch moderate ร„nderungen des geldpolitischen Kurses die Vermรถgenspreise zumindest an weiteren kurzfristigen Steigerungen gehindert werden kรถnnen.

Zurรผck zur Verbraucherpreisinflation: Gleich zu Beginn des Jahres sprang die Inflationsrate in Deutschland auf 1,6 Prozent. Neben der Rรผckkehr zu den Vor-Corona-Mehrwertsteuersรคtzen hatte auch die Einfรผhrung der CO2-Steuer Einfluss darauf. So erhรถhte sich der Benzinpreis an der Zapfsรคule zusรคtzlich zu dem gestiegenen ร–lpreis. Doch diese Effekte sind allesamt einmalig und taugen nicht fรผr einen dauerhaften Inflationsprozess. Dazu kamen statistische Verzerrungen, wie etwa die auรŸerordentliche Anpassung des Warenkorbs durch die statistischen ร„mter oder ein wegen des Lockdowns ausgefallener Winterschlussverkauf. Das alles hat zu diesen ungewรถhnlich hohen Inflationsraten beigetragen.

Alle Konjunkturdaten sind durch die Corona-Krise in extremer Weise verzerrt und lassen keinen Rรผckschluss auf konjunkturelle Trends zu. Bei den Preisen fallen diese Erhรถhungen im Januar 2022 wieder aus dem Zwรถlf-Monats-Vergleich heraus (โ€žBasiseffektโ€). Da wird dann die Inflation einen Sprung nach unten machen โ€“ wenn sie nicht gefรผttert wird.

Aufholeffekte nach dem Corona-Loch

Trotzdem wundert es nicht, dass die Inflation das ganze Jahr รผber ein Thema bleibt. Ein wichtiger Grund: Nach der Wiedererรถffnung von Restaurants oder Kinos werden dort Preise wahrscheinlich heraufgesetzt werden. Zudem fรคllt noch ein weiterer Basiseffekt an: Ab Juli 2021 werden im Jahresvergleich Monate mit wieder normaler Mehrwertsteuer mit Monaten mit abgesenkter Mehrwertsteuer aus dem Jahr 2020 verglichen. Das wird die monatliche Inflationsrate in den kommenden Monaten sogar noch รผber drei Prozent in Deutschland treiben. Im Durchschnitt des Jahres 2021 dรผrfte wohl eine Inflationsrate von etwa 2,3 Prozent herauskommen. Allerdings muss man dies vor dem Hintergrund sehen, dass die Inflation im Corona-Jahr 2020 mit 0,4 Prozent fast eine Nullrunde einlegte. Es sind also hauptsรคchlich die Aufholeffekte nach dem tiefen Corona-Loch, die sich nicht nur in der Wirtschaft mit hoher Produktion, sondern eben auch in der Inflationsrate zeigen.

Fรผr einen andauernden Inflationsprozess braucht es einen stรคndigen Treiber, der Jahr um Jahr die Preise steigen lรคsst. ร–l- und Rohstoffpreise scheiden hier aus, denn sie fallen nach groรŸen Anstiegen regelmรครŸig wieder zurรผck. Bleiben also die Lรถhne als stรคrkster Kostenfaktor, den die Unternehmen stets aufs Neue auf ihre Preise umlegen kรถnnten. Im Corona-Jahr 2020 sind die Tariflรถhne in Deutschland noch um 2,5 Prozent gestiegen, zum groรŸen Teil aufgrund von langfristigen Vereinbarungen. Fรผr das laufende Jahr ist wegen der schwierigen Wirtschaftslage nur mit einem Anstieg von 1,5 Prozent zu rechnen. Kein Stoff, aus dem eine groรŸe Inflation gemacht ist.

Nรคchste Drehung der Inflationsschraube

Aber wer sagt denn, dass es dabei bleibt? Dass nicht starke Lohnsteigerungen die nรคchste Drehung der Inflationsschraube sind? Niedrigste Zinsen, hohe Geldmengensteigerungen, hohe Verschuldung, abnehmende Globalisierung – eigentlich liegen schon alle Inflationszutaten im Topf, es muss nur jemand den Herd andrehen. So lauten die Befรผrchtungen in der ร–ffentlichkeit und an den Mรคrkten. Dies erklรคrt auch die empfindliche Reaktion der ร–ffentlichkeit und der Finanzmรคrkte auf jeden Anstieg der Raten.

An den Finanzmarktpreisen fรผr inflationsgeschรผtzte Anlagen kann man ablesen, dass bis jetzt nicht so sehr die Inflationserwartungen selbst als vielmehr die Inflationsunsicherheit โ€“ also die Risikoprรคmie gegen mรถgliche Inflationssteigerungen โ€“ angestiegen sind. Fรผr die Vermรถgensanlage generell gilt hier die alte Regel, dass Sachwerte wie Immobilien und Aktien eine Inflation am besten verkraften kรถnnen, da ihre Ertrรคge mit steigenden Verbraucherpreisen mitwachsen.

Spareinlagen verlieren weiter an Kaufkraft

Da die Sparzinsen trotz der gegenwรคrtigen Inflationsdebatte noch lange Zeit extrem niedrig sind, verlieren Spareinlagen Jahr fรผr Jahr weiterhin an Kaufkraft. Sollte die Inflation anziehen, und sei es auch nur moderat, steigt dieser Kaufkraftverlust weiter an. Vermรถgen sollte deshalb heute nicht nur aus Spareinlagen, sondern mehr und mehr auch aus Anteilen von Sachwerten wie zum Beispiel Aktien bestehen.

Neben den Inflationsunsicherheiten steigen auch die realwirtschaftlichen Aussichten auf einen neuen Konjunkturzyklus an. Damit sind etwas hรถhere Realzinsen auch aus diesem Blickwinkel gerechtfertigt. Bleibt der Renditeanstieg im Rahmen, so ist er fรผr die Aktienmรคrkte wie auch fรผr die Kurse von Unternehmensanleihen verkraftbar, denn dahinter stehen gute Wirtschaftsaussichten. Eine Konsequenz aus der รœberwindung der Corona-Krise: Die Zinsen bleiben niedrig, aber nicht mehr ganz so niedrig wie zuvor.

 

Dr. Ulrich Kater ist Chefvolkswirt der DekaBank. Zuvor betreute er im Stab der โ€žfรผnf Wirtschaftsweisenโ€œ die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt.

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