Sparschweine sind fรผr viele junge Menschen der erste Berรผhrungspunkt mit dem Thema Finanzen. Als eine Art Vorlรคufer des Bankkontos geben sie Kindern die Mรถglichkeit, das Sparen und den Umgang mit Geld spielerisch zu verstehen. Im Gegensatz zu seiner jungen Zielgruppe kann das Sparschwein jedoch auf ein langes Leben zurรผckblicken. Auch wenn sie noch nicht die charakteristische Form von Schweinen aufwiesen, gibt es bereits in der Antike zahlreiche Beispiele fรผr Spardosen, die genauso funktionieren wie heute.ย ย
Im antiken Griechenland wurden meist Ton-Amphoren mit engem Hals und breiterem Bauch verwendet, um kleine Mรผnzen und andere Wertgegenstรคnde darin zu sammeln. Auch in der rรถmischen Frรผhgeschichte fanden รคhnliche Gegenstรคnde Verwendung, oft in Form von Ton-Truhen oder -Behรคltern mit Deckeln, die mit Intarsien verziert waren.ย ย
Eine der รคltesten Funde einer solchen Spardose stammt aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. und wurde in der heutigen Tรผrkei bei der Ausgrabung eines Wohnhauses gefunden. Dieses Exemplar besitzt die Form eines griechischen Schatztempels, auch Thesauros genannt, und enthรคlt im Giebelfeld des Tempels einen Einwurfschlitz fรผr Mรผnzen. Sparbรผchsen in den unterschiedlichsten Formen wurden auch in groรen Mengen in Pompeji und Herculaneum sowie im rรถmischen Britannien und entlang des Rheins ausgegraben.ย
ย Schweine statt Amphoren
Die Geschichte der Spardose in Schweineform kann in der westlichen Geschichte bis ins Mittelalter zurรผckverfolgt werden. Die ersten Sparschweine wurden aus Ton hergestellt und in Europa zum Sammeln kleiner Mรผnzen und anderer Wertgegenstรคnde verwendet. Seinen Namen erhielt das „Sparschwein“ vom alten Brauch, echte Schweine โzu sparenโ, um sie spรคter als Reserve fรผr schlechte Zeiten oder fรผr wichtige Anschaffungen zu verkaufen. So wurde das Schwein selbst schlieรlich zum Symbol fรผrs Sparen und gab der Spardose seine tรถnerne Form. Anderen Theorien zufolge hat das westliche Sparschwein seinen Ursprung in Deutschland, wo Schweine als Glรผckssymbole verehrt wurden. Das รคlteste deutsche Sparschwein stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde bei Bauarbeiten in Thรผringen gefunden.ย
Den รคltesten Geldbehรคlter in Schweineform entdeckte man jedoch auf der Insel Java. Er stammt aus dem 12. Jahrhundert. Der javanische Begriff cรจlรจngan (wรถrtlich „Bild eines Wildschweinsโ) existiert als Begriff sowohl fรผr Ersparnisse als auch fรผr das Sparschwein auch heute noch in der indonesischen Sprache. In einer archรคologischen Ausgrabungsstรคtte von Trowulan, einem Dorf in der indonesischen Provinz Ostjava wurden zahlreiche Sparschweine in Form von Wildschweinen entdeckt.ย
Diese frรผhen Funde von Spardosen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zeigen, dass das Konzept des Sammelns von Wertgegenstรคnden bereits seit Jahrtausenden existiert und die Notwendigkeit, Wertgegenstรคnde sicher aufzubewahren, so alt wie die Menschheitsgeschichte selbst ist. Mit der Zeit entwickelten sich die Sparschweine weiter und wurden aus verschiedenen Materialien wie Holz, Keramik und sogar Stoff hergestellt.ย ย
Heute gibt es sie in unterschiedlichsten Formen und Grรถรen, vom klassischen Sparschwein aus Keramik bis zum elektronischen Sparschwein mit Digitalanzeige. Doch obwohl sich die Formen und Materialien im Laufe der Jahrhunderte verรคnderten, blieb das Konzept des Sparens und Sammelns von Wertgegenstรคnden unverรคndert.ย ย
Auch in Deutschland ist und bleibt das Sparschwein mit seiner langen Geschichte ein unverzichtbarer Teil des Lebens vieler Kinder. Die frรผhe Einfรผhrung in die Welt des Sparens kann den Grundstein fรผr eine erfolgreiche finanzielle Bildung legen und auf ein verantwortungsvolles finanzielles Leben vorbereiten. Daher ist das Sparschwein mehr als nur ein Spielzeug โ es ist ein Werkzeug, das Kinder dabei unterstรผtzen kann, ihre finanziellen Fรคhigkeiten zu entwickeln.ย
Daniel Fernandez ist seit 2025 Chefredakteur der BANKINGNEWS. Seine journalistische Laufbahn begann er 2017 in der Redaktion als Volontรคr. Er studierte English Studies an der Universitรคt Bonn (B.A. 2016) und vertiefte seine akademische Ausbildung mit einem Master in English Literatures and Cultures, den er ebenfalls in Bonn abschloss. Erste redaktionelle Erfahrungen sammelte er parallel zum Studium als freier Werbetexter.


