Freitag, 17. April 2026
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Der Tag ist hell, ich schreibe dir

Autor: Tanja Langer

Euro: 19,99

408 Seiten, gebunden

ISBN: ย  978-3784433059

LangenMรผller Verlag 2012

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Ein Sprichwort besagt ja, dass sich Gegensรคtze anziehen. Programmatischen Ausdruck findet diese These in dem Denken und Handeln des ehemaligen Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen. Dieser reprรคsentierte wie kein anderer Banker nach ihm die Ambivalenz zwischen gewollter Gewinnerzielung und gelebter gesellschaftlicher Verantwortung. 1982 traf er in Kontext eines Talkshowauftritts die damalige Studentin Tanja Langer. Die 1962 in Wiesbaden geborene Vertreterin der โ€žNo-Future-Generationโ€œ beeindruckte den Spitzenmanager mit ihrer kritischen Meinung, so dass sich im Laufe der Jahre eine besondere Freundschaft entwickelte, in deren Verlauf es รผber Briefe und wรคhrend gemeinsamer Treffen zu einem regen Austausch kam. Dieser fรผr beide Seiten fruchtbare Dialog wurde 1989 jรคh durch den Mord an Alfred Herrhausen unterbrochen, zu welchem sich wenig spรคter die Rote Armee Fraktion bekannte. Die Welt verlor an diesem Tag nicht nur eine Legende der Bankbranche, sondern einen hoch angesehenen Menschen, der den schwierigen Spagat Kapitalismus und sozialen Verpflichtungen gegenรผber dem Volk mehr als ernst nahm und die Deutsche Bank rรผckblickend visionรคr umstrukturierte.

Eine fiktionale Geschichte mit historischen Wurzeln?

Sie fragen sich nun, was diese Einleitung im Rahmen einer Buchrezension bezwecken soll? 2012 verรถffentlichte Tanja Langer ihren Roman โ€žDer Tag ist hell, ich schreibe dirโ€œ, der den Leser wieder in das vom Kalten Krieg bestimmte Europa der 1980er Jahre versetzt. Auch wenn man fiktive Figuren nicht mit realen Personen gleichsetzen soll, so kann doch der in diesem literarischen Werk auftretende Julius Turnseck ohne groรŸen Zweifel mit Alfred Herrhausen identifiziert werden. Die Autorin instrumentalisiert den Spitzenmanager als Figur und dessen tragisches Schicksal, um die Geschichte der jungen Abiturientin Helen zu erzรคhlen, die 1982 eben jenen Bankier Julius Turnseck kennenlernt. Kurz nach dem Mauerfall fรคllt der Mann, der grundsรคtzlich nichts von fadenscheinigen Krediten hรคlt, einem Attentat zum Opfer. Jahre spรคter wird sie mit dem Leben des Bankiers durch Journalistenfragen konfrontiert und muss sich zwangslรคufig mit dessen frรผhen Jahren in der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Wรคhrend ihres investigativen Vorgehens bemerkt Helen, dass hinter dem Mordanschlag nicht unbedingt die Rote Armee Fraktion stecken muss, was wiederum auch fรผr die nichtfiktionale Welt von nicht zu unterschรคtzender Bedeutung ist. SchlieรŸlich hatten sowohl Herrhausen als auch Turnseck viele Feinde in der Bankenbranche. Hatten sogar diverse Geheimdienste beim Attentat ihre Finger im Spiel? Immer mehr stehen die Fragen im Raum, wer Julius Turnseck eigentlich war und warum er รผberhaupt sterben musste. Tanja Langer wรคhlt als Erzรคhlmodus einen multiperspektivischen Ansatz, der sowohl die Ich-Erzรคhlerin und Briefschreiberin Helen als auch die auktoriale Sicht wรคhlt, was die Figuren fรผr den Leser realistisch und greifbar macht.

Zeitgeschichte trifft auf spannende Unterhaltung

Tanja Langers Roman erschien in einer fรผr die Branche angespannten Zeit. Menschen gingen und gehen auf die StraรŸen, um gegen die (vermeintliche) Allmacht der Banken und Finanzwelt zu demonstrieren, wรคhrend sie im regen Gedankenaustausch mit einem Spitzenmanager der Branche stand, der wie kein anderer die Ideale der Gesellschaft verkรถrperte, die heute viele Menschen vermissen. Dabei vermittelt die Autorin รผber diverse Emotionen wie Komik und Traurigkeit, mit welcher Leidenschaft sie dieses Buch verfasst hat. Eine Leidenschaft fรผr die Sache, die sie mit Alfred Herrhausen verband und immer verbinden wird.

โ€žDer Tag ist hell, ich schreibe dirโ€œ ist ein lesenswerter Roman, der das Andenken Herrhausens in Ehren hรคlt, ohne dabei zu pathetisch zu sein.

Christian Grosshardt war zwischen 2014 und 2018 Redakteur im BANKINGCLUB und fungierte von Januar bis April 2018 als Chefredakteur von BANKINGNEWS. Wรคhrend seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kรถlnischen Rundschau.

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