Freitag, 19. Juni 2026

Wero: Wie europäisches Payment Fahrt aufnimmt – und warum Banken jetzt handeln sollten

Die Reisebank AG als Early Adopter in der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken

Wer im europäischen Online-Handel bezahlt, nutzt meistens amerikanische Infrastruktur. PayPal, Apple Pay, Google Pay – hinter nahezu jedem digitalen Checkout steckt ein US-Anbieter. Europäische Banken spielen dabei oft nur die Rolle des stillen Abwicklers im Hintergrund. Die Kundenschnittstelle, die Daten und damit ein erheblicher Teil der Wertschöpfung liegen woanders. Gleichzeitig entstehen Abhängigkeiten, etwa bei Gebührenstrukturen oder technischen Standards.

Zeit, das Steuer zu übernehmen

Wero ist der bislang ernsthafteste Versuch, das zu ändern. Entwickelt im Rahmen der European Payments Initiative (EPI), einem Zusammenschluss führender europäischer Banken und Zahlungsdienstleister, darunter die DZ BANK, setzt Wero auf direkte Konto-zu-Konto-Zahlungen in Echtzeit. Direkt, ohne Umwege über externe Wallets oder zwischengeschaltete Plattformen. Der gesamte Zahlungsprozess bleibt im europäischen Bankenökosystem verankert.

Für viele Marktteilnehmer geht es dabei längst nicht mehr nur um eine zusätzliche Bezahlmethode. Der Zahlungsverkehr zählt zu den zentralen Infrastrukturen einer Volkswirtschaft. Entsprechend wächst in Europa der Wunsch, neben internationalen Anbietern auch eigene leistungsfähige Lösungen zu etablieren, die resilient gegenüber Wettbewerbern sind. Europäische Banken und Finanzdienstleister wollen technologische Innovation jetzt aktiv mitgestalten.

Für Nutzerinnen und Nutzer von Wero bedeutet das konkret: Bezahlung direkt über das eigene Girokonto, Freigabe per QR-Code oder Banking-App, Zahlungsbestätigung in Sekunden. Ohne zusätzliche Accounts.

Für Banken bedeutet es etwas anderes: die Möglichkeit, die Kundenschnittstelle im digitalen Zahlungsverkehr zurückzugewinnen und gleichzeitig von einer gemeinsam getragenen, skalierbaren Infrastruktur zu profitieren.

Die Reisebank setzt früh auf Wero

Die Reisebank AG hat Wero in Zusammenarbeit mit der VR Payment kürzlich als zusätzliche Bezahloption in ihren Onlineshops für Fremdwährungen und Edelmetalle integriert. Damit steht erstmals neben Vorkasse, Visa, Mastercard sowie Apple Pay und Google Pay auch eine paneuropäische Lösung zur Verfügung.

Die Entscheidung ist nicht zufällig. Wer online Fremdwährungen und Edelmetalle kauft, bewegt sich in einem Umfeld, das besondere Anforderungen an Zahlungssicherheit und Verlässlichkeit stellt. Transaktionen sind oft hochpreisig, Kunden legen großen Wert auf Transparenz und schnelle Bestätigung. Wero erfüllt genau diese Anforderungen: Die Echtzeit-Abwicklung direkt über das Girokonto schafft Sicherheit auf beiden Seiten.

Darüber hinaus positioniert sich die Reisebank mit dieser Entscheidung als Vorreiter in einem sich verändernden Markt und baut Payment-Kompetenz auf, die künftig einen echten Wettbewerbsvorteil darstellen kann.

Der Verbund als Innovationsmotor

Dass die Reisebank zusammen mit dem strategischen Partner VR-Payment Wero frühzeitig einführt, hat auch eine institutionelle Logik: Die DZ BANK ist Mit-Eigentümerin der EPI und damit direkt in die Entwicklung von Wero eingebunden. Was auf europäischer Ebene als gemeinsames Infrastrukturprojekt entsteht, kann so im genossenschaftlichen Verbund schnell in konkrete Anwendungen überführt werden. Das ist der Verbundgedanke in seiner modernsten Form: Gemeinsam entwickelte Lösungen ermöglichen Skalierung über alle beteiligten Institute hinweg und reduzieren gleichzeitig die Abhängigkeit von externen Plattformen.

Was andere Banken daraus lernen können

Die Einführung von Wero bei der Reisebank ist ein konkretes Beispiel für eine Frage, die viele Institute gerade beschäftigt: Wie lässt sich digitale Innovation im Payment vorantreiben, ohne Kernkompetenzen dauerhaft an Externe abzugeben?

Die Antwort beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Welche Zahlungsströme laufen heute über Drittanbieter und welche davon könnten über eine eigene, europäische Lösung abgewickelt werden? Wer sich diese Frage noch nicht gestellt hat, sollte es jetzt tun.

Konkret bedeutet das: Wero in bestehende digitale Kanäle integrieren, wo immer es sinnvoll ist: im Onlineshop, in der Banking-App, im Kundenportal. Als gezielte Ergänzung dort, wo Echtzeitfähigkeit, Sicherheit und europäische Datensouveränität einen Mehrwert schaffen. Banken, die „Inhouse“-Lösungen aus Europa anbieten, gehen damit den Schritt in Richtung Unabhängigkeit und positionieren sich als verlässliche Partner ihrer Kundinnen und Kunden in einem Markt, der sich weiter konsolidieren wird. Denn: Zahlungsverkehr ist keine Randinfrastruktur, er ist der direkteste Berührungspunkt zwischen Bank und Kunde.

Marc Brandstätt verfügt über langjährige Erfahrung im Online‑Marketing und E‑Commerce mit Schwerpunkt auf der strategischen Weiterentwicklung digitaler Vertriebs- und Marketingkanäle. Aktuell ist er als Teamleiter E-Commerce bei der Reisebank AG in Frankfurt tätig und verantwortet dort die Konzeption und Umsetzung digitaler Verkaufsstrecken, darunter den neuen Edelmetalle-Onlineshop der Reisebank. Zuvor war Marc Brandstätt mehrere Jahre als Marketingreferent bei der Reisebank AG sowie als Marketing Specialist bei der DER Touristik GmbH tätig, wo er insbesondere in der Steuerung datengetriebener Kampagnen umfangreiche Erfahrung sammeln konnte. Seine akademische Grundlage bildet ein Master of Arts in Marketing and Sales der Hochschule Wismar sowie ein Bachelor of Science in Management, Tourismus und Marketing der Universität Trier.

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