Immer mehr junge Menschen informieren sich über Geldanlage und Finanzthemen auf TikTok und anderen sozialen Netzwerken. Gleichzeitig fehlt es vielen der dort aktiven Finfluencer an einer klar erkennbaren fachlichen Qualifikation. Das zeigt eine aktuelle Studie des Research Hub von BrokerListings, die zudem auf erhebliche Defizite bei der Darstellung von Risiken und der Kennzeichnung kommerzieller Inhalte hinweist.
Drei von vier Finfluencern ohne erkennbare Qualifikation
Finanzthemen gehören mittlerweile zu den erfolgreichsten Kategorien auf TikTok. Vor allem junge Erwachsene nutzen die Plattform, um sich über Geldanlage, Budgetplanung oder den Vermögensaufbau zu informieren. Nach Angaben der Studienautoren nennen immer mehr Erstinvestoren soziale Medien als wichtigen Einfluss auf ihre Anlageentscheidungen. Hintergrund sei unter anderem, dass viele Menschen grundlegende Finanzthemen weder in der Schule noch an anderer Stelle vermittelt bekommen und deshalb auf leicht zugängliche Inhalte im Internet zurückgreifen.
Für die Untersuchung analysierte BrokerListings 150 TikTok-Videos mit jeweils mindestens 100.000 Aufrufen, die sich mit allgemeinen Finanzthemen oder Anlagestrategien beschäftigten. Dabei zeigte sich, dass 74 Prozent der Creator keine klaren Angaben zu einer professionellen Finanzqualifikation machten. Viele bezeichneten sich stattdessen als Selbstlernende oder Unternehmer.
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Inhalte vermitteln häufig ein unausgewogenes Bild vom Investieren. 68 Prozent der analysierten Videos stellten mögliche Gewinne deutlich stärker in den Vordergrund als Risiken wie Verluste, Kursschwankungen oder Fehlinvestitionen. Nach Einschätzung der Autoren begünstigen auch die Mechanismen sozialer Netzwerke diese Entwicklung. Algorithmen belohnten vor allem kurze, emotional formulierte Inhalte mit klaren Erfolgsgeschichten. Differenzierte Erklärungen zu Diversifikation, langfristigem Vermögensaufbau oder Risikomanagement hätten es deutlich schwerer, eine vergleichbare Reichweite zu erzielen.
Werbliche Inhalte oft nicht eindeutig gekennzeichnet
Auch kommerzielle Interessen spielen auf FinTok eine wichtige Rolle. 61 Prozent der untersuchten Videos kombinierten Finanztipps mit Hinweisen auf Broker, Finanzprodukte, Affiliate-Links oder kostenpflichtige Kurse. Gleichzeitig fehlte bei 53 Prozent der werblichen Beiträge eine klare oder gut sichtbare Kennzeichnung der wirtschaftlichen Interessen der Creator. Nach Ansicht der Studienautoren verschwimmen dadurch die Grenzen zwischen unabhängiger Finanzbildung und Werbung.
Die Studie verweist darauf, dass Aufsichtsbehörden weltweit ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf Finanzinhalte in sozialen Medien richten. So seien unter anderem die US-Börsenaufsicht SEC, die britische Financial Conduct Authority (FCA) sowie die australische ASIC bereits gegen irreführende Finanzwerbung und nicht offengelegte Kooperationen von Influencern vorgegangen. Die Autoren sehen darin ein Zeichen dafür, dass soziale Medien inzwischen als fester Bestandteil des Finanzökosystems betrachtet werden und damit stärker in den Fokus regulatorischer Anforderungen rücken.
Mangelnde Finanzbildung treibt den Trend
Als wesentlichen Grund für den Erfolg von FinTok nennt BrokerListings die weiterhin geringe Finanzbildung. Unter Berufung auf Daten von S&P Global verweist die Studie darauf, dass weltweit lediglich rund ein Drittel der Erwachsenen über grundlegende Finanzkenntnisse verfügt. Kurze und leicht verständliche Videos könnten diese Wissenslücke zwar teilweise schließen, gleichzeitig steige jedoch das Risiko, dass vereinfachte oder interessengeleitete Empfehlungen ungeprüft übernommen werden. Die Ergebnisse verdeutlichen zugleich den wachsenden Bedarf an verständlicher und verlässlicher Finanzbildung. Gerade weil immer mehr Menschen ihre ersten Berührungspunkte mit Geldanlage und Vermögensaufbau über soziale Medien haben, kommt Banken und anderen etablierten Finanzdienstleistern eine wichtige Rolle zu. Sie können mit qualifizierter Beratung, transparenten Informationen und leicht zugänglichen Bildungsangeboten dazu beitragen, die Lücke zwischen kurzen Social-Media-Inhalten und fundierten Finanzentscheidungen zu schließen.

