Freitag, 17. April 2026
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Ausgleich zwischen Belastungen und Ressourcen schaffen

Die Ausgangslage war fordernd: Zum einen fรผhrte die demografische Entwicklung zu einer lรคngeren Betriebszugehรถrigkeit und einem steigenden Altersdurchschnitt der Schwรคbisch Hall-Mitarbeiter in den kundenbetreuenden Einheiten, zum anderen empfanden sie die Arbeit zunehmend als belastend. Das schlug sich auch in einer รผberdurchschnittlich hohen Krankheitsquote nieder. Dies war fรผr den Vorstand der Bausparkasse Schwรคbisch Hall 2013 der Anlass, einen zweijรคhrigen Prozess anzustoรŸen, der sich mit der Bewรคltigung der โ€žHerausforderung Arbeitsbelastungโ€œ auseinandersetzte.

Zu Beginn des Projekts erprobten Piloteinheiten sinnvolle Herangehensweisen an das Thema โ€žArbeitsbelastungโ€œ. Mitarbeiter und Fรผhrungskrรคfte entwickelten in Workshops eine gemeinsame Antwort auf die Frage โ€žWas ist eigentlich Arbeitsbelastung konkret fรผr uns โ€“ und wie kรถnnen wir ihr begegnen?โ€œ. Ziel war es, im ersten Schritt ein Vorgehen zu finden, das die wesentlichen Ursachen der empfundenen Arbeitsbelastung identifiziert und die komplexen Zusammenhรคnge nicht zu sehr vereinfacht. Zwei Modelle erwiesen sich als nรผtzlich: erstens die Belastungs-Ressourcen-Waage und zweitens das Person-Situation-Organisation-Modell (PSO-Modell) des Instituts fรผr Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin (IAPAM).

Belastung ist nicht gleich Beanspruchung

Die Belastungs-Ressourcen-Waage fรผhrt plastisch vor Augen: Belastungen und Anforderungen werden erst zum Problem, wenn sie nicht mit adรคquaten Ressourcen aufgefangen oder bewรคltigt werden kรถnnen. Daraus folgt: Stimmen die Rahmenbedingungen, kรถnnen auch hohe Belastungen und Anforderungen positiv und motivierend wirken. Zugleich gilt: Auch wer mehr kann, als er darf โ€“ also dauerhaft unterfordert ist โ€“ ist unzufrieden.
Diese Betrachtungsweise fรผhrte zur Erkenntnis, dass Menschen durch eine Reduktion der Arbeitsbelastung nicht automatisch gesund und leistungsfรคhig bleiben. Vielmehr geht es um eine ausgewogene Gestaltung der Anforderungen sowie der Ressourcen.

Direktes Arbeitsumfeld wichtig

Beim Identifizieren der Stellschrauben im Arbeitsumfeld, um dieses Ziel zu erreichen, hilft das Person-Situation-Organisation-Modell. Bei seiner Anwendung zeigte sich: Die Stellschrauben sind nicht neu, aber erst das Erkennen der vielfรคltigen Wechselbeziehungen fรผhrt zu einer wirklich ganzheitlichen Betrachtung der Arbeitsbelastung.

Intensiver Dialog als Erfolgsfaktor

Um ein einheitliches Verstรคndnis der Zusammenhรคnge von Belastung und Ressourcen zu schaffen, fรผhrte jedes Kundenbetreuungsteam einen Workshop โ€žHerausforderung Arbeitsbelastungโ€œ nach dem jeweils gleichen Vorgehensmodell durch. Die รผbergeordnete Frage in den Workshops lautete: โ€žWas kรถnnen wir konkret tun, um bei mir und uns die Belastungen zu stabilisieren und die Ressourcen zu stรคrken?โ€œ Dabei kann es erstens um das Erlernen eines neuen Verhaltens (zum Beispiel bewusst gemeinsam Pausen machen โ€“ Aspekt โ€žPersonโ€œ) oder zweitens um das Gestalten von Systemen und Kulturen (zum Beispiel Neuorganisation der Postverteilung โ€“ Aspekt โ€žOrganisation und Fรผhrungโ€œ) oder drittens um das aktive Gestalten der Teamsituation (zum Beispiel Vertreterregelung konsequent leben โ€“ Aspekt โ€žSituationโ€œ) gehen. Entscheidend fรผr den Erfolg dieser Workshops war, dass die Stellschrauben definiert und MaรŸnahmen im Dialog entwickelt wurden.

Aufschlussreiche Projekterkenntnisse

Bei Schwรคbisch Hall fanden innerhalb von zwei Jahren รผber 120 Workshops mit rund 1.800 Mitarbeitern statt, teamspezifische MaรŸnahmen wurden umgesetzt und ein Dutzend bereichsรผbergreifender MaรŸnahmen identifiziert. Die Akzeptanz des gewรคhlten Vorgehens war groรŸ, was auch die Change-Multiplikatoren aus den Teams bestรคtigten. Sie wurden zu Beginn des Projekts installiert und trafen sich im Projektverlauf regelmรครŸig, um Erfahrungen und Best Practice-Ansรคtze auszutauschen.

Eine im November 2014 durchgefรผhrte Mitarbeiterbefragung zeigte erste Erfolge: Die subjektiv empfundene Arbeitsbelastung war in den betroffenen Einheiten bereits deutlich gesunken, und die Mitarbeiter stellten den Fรผhrungskrรคften ein gutes Zeugnis bei der Unterstรผtzung der individuellen Balance aus. AuรŸerdem waren die Bekanntheit und Nutzung der vielfรคltigen Angebote des Gesundheitsmanagements von Schwรคbisch Hall und die Zufriedenheit mit ihnen weiter gestiegen. Zudem war und ist die Krankheitsquote in der Tendenz rรผcklรคufig.

Dauerhafter Prozess sichert Nachhaltigkeit

Um eine dauerhafte Haltungs- und Verhaltensรคnderung zu erzielen, war das Projekt ein erster wichtiger Schritt. In ihm wurde eine Vielzahl von Instrumenten fรผr die Anwendung im Team entwickelt. AuรŸerdem wurde im Jahresgesprรคch zwischen Mitarbeiter und Fรผhrungskraft verankert, dass die individuell empfundene Belastungssituation angesprochen wird.
Auch die MaรŸnahmen und Angebote des Gesundheitsmanagements wurden รผberarbeitet. Sie folgen nun der Logik von โ€žBalance lebenโ€œ. Der Fokus liegt heute erstens auf der individuellen Gesunderhaltung (โ€žMein Leben in Balanceโ€œ), zum Beispiel durch eine Vielfalt von Kursen im betriebseigenen Gesundheitszentrum, zweitens auf einem gesunden Fรผhrungsverhalten (โ€žFรผhrung in Balanceโ€œ) durch eine Sensibilisierung der Fรผhrungskrรคfte und drittens auf einer gesundheitsfรถrderlichen Teamsituation (โ€žTeam in Balanceโ€œ), die durch Workshops gestรคrkt wird.

Fazit

Mit dem PSO-Modell wurden in dem Projekt bekannte Stellhebel aus unterschiedlichen Disziplinen sinnvoll kombiniert. Erst diese ganzheitliche Betrachtung, die die Aktivitรคten des Gesundheitsmanagements mit MaรŸnahmen zur Personal- und Organisationsentwicklung verbindet, schafft eine nachhaltige Wirkung, die die Arbeitszufriedenheit und โ€žGesundheitsquoteโ€œ positiv beeinflusst.

Bildnachweis: sajithsaam via istockphoto.de

Stephanie Danhof ist als Leitung Personalentwicklung Ausbildung Gesundheitsmanagement bei der Bausparkasse Schwรคbisch Hall tรคtig.

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