Montag, 09. Mรคrz 2026
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Das Leid der Millionen-Boni

Sie sind vielleicht rar gesรคt, aber es gibt sie: Die Gewinner der Pandemie. Dazu kรถnnen sich Investmentbanken zรคhlen, deren Geschรคfte wรคhrend der Krise auf Hochtouren liefen. Kursausschlรคge, gefolgt von reihenweise Bรถrsengรคngen und Anleiheplatzierungen, sorgten trotz Krise fรผr finanzielles Wohlbefinden. Die grรผnen Zahlen machen sich ebenso fรผr die Belegschaft bezahlt. Marktschรคtzungen besagen, dass die Prรคmien bei der Deutschen Bank bis zu 15 Prozent hรถher ausfallen kรถnnten als im Vorjahr.

Wo bleibt noch das Geld fรผr schlechte Zeiten?

Die Branche verzeichnet die hรถchsten Boni-Ausschรผttungen seit der Finanzkrise. Dabei lassen sich Aktienhรคndler oder Banker, die im Fusions- und รœbernahmegeschรคft tรคtig sind, als die grรถรŸten Profiteure und Empfรคnger der hรถchsten Bonuszahlungen ausfindig machen.

Ungeachtet der rentablen Geschรคfte vergangener Monate, stieรŸen die Vergรผtungszahlen bei hรถheren Instanzen aber auf Widerstand. So erinnerte etwa die Europรคische Zentralbank daran, die Kosten zu mรครŸigen. Und aufgrund der Corona-Krise mahnte die Bankenaufsicht in Bezug auf das Risikomanagementsystem, dass es sich fรผr schlechte Zeiten zu rรผsten gilt.

Boni, um die Mitarbeiter zu halten

Die Boni-Zahlungen verstehen sich jedoch auch als PrรคventivmaรŸnahme gegen die hohe Mitarbeiter-Fluktuation. Geschaut wird dabei auch nach links und rechts, besonders US-Hรคuser liegen mit ihren Gehรคltern weit vorn. Dort wurden sogar Einstiegsgehรคlter aufgestockt, sodass Jungbanker jetzt bis zu 100.000 Euro verdienen.

Europรคische Banken sahen sich da in Verzug und dem Zwang unterzogen, mitzuziehen. Denn zu groรŸ ist die Angst, Mitarbeiter an die amerikanische Konkurrenz zu verlieren. Der Wettbewerb um Talente hat lรคngst ein neues Level erreicht. Es lรคsst sich kaum vermeiden, dass Banker sich nach noch volleren Auftragsbรผchern, lukrativen Alternativjobs bei Beteiligungsfirmen oder florierenden Neugrรผndungen umschauen.

Fatal fรผr die Bankinstitute: Die Erwartungen gleichen sich dem bestehenden Angebot im Markt an. Die Geldhรคuser geraten in Erklรคrungsnot, wenn es um ihre Entscheidungen in der Bonuspolitik geht: Denn die Rechnung geringerer Bonuszahlungen bei besseren Zahlen geht fรผr viele nicht auf. Man sieht sich bei guten Geschรคften also dazu gezwungen, dies auch in den Boni widerzuspiegeln.

Auch die Commerzbank lรคsst durchblicken, dass sie ihre Bonus-Zahlungen wieder anhebt. Womรถglich eine Reaktion auf den Eklat, der sich Anfang 2019 zugetragen hatte: Damals waren รผber 100 Beschรคftigte รผber Kรผrzungen der variablen Vergรผtung in Rage. Lautstarke Beschwerden, die im Intranet zutage kommen, werfen kein gutes Licht auf die Reputation einer Bank.

Ein weiterer Kritikpunkt war, dass es im europรคischen Raum kein weiteres Geldhaus gab, das mehr Einkommensmillionรคre verzeichnete als die Deutsche Bank. Dahinter liegen die britische GroรŸbank Barclays mit etwa 448 Topverdienern und die franzรถsische BNP Paribas mit โ€žnurโ€œ 222 Millionรคren.

Es ist verzwickt: Zum einen sollen Beschรคftigte finanziell belohnt und so im Unternehmen gehalten werden. Zum anderen fungiert das Gehalt als Tool, um Talente zu locken. Bedeutet dies schlussendlich etwa: Je mehr die Gehรคlter in die Hรถhe sprieรŸen, desto hรถher die Fluktuation?

Fiona Gleim absolvierte von August 2021 bis Dezember 2022 ihr redaktionelles Volontariat bei der BANKINGCLUB Plattform GmbH und ist seitdem auch als festes Redaktionsmitglied beschรคftigt. Davor schloss sie ihren Bachelor of Arts an der Universitรคt Kassel ab.

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