โMein Bruder sagte mir mal, dass nichts, was jemand vor dem Wort โaberโ sagt, wirklich etwas zรคhlt.โ Diesem Ausspruch konnten aufmerksame Zuschauer der preisgekrรถnten TV-Serie Game of Thrones lauschen, als Benjen Stark seinen Bruder Lord Eddard zitiert. Ein kluger Satz, der auch in der Finanzbranche eine Daseinsberechtigung hat.
In ein paar Monaten wird die von der Europรคischen Kommission รผberarbeitete PSD2-Richtlinie Wirklichkeit. Doch haben Bankkunden ob dieser Tatsache ambivalente Gefรผhle. Im Juni dieses Jahres hat PricewaterhouseCoopers (PwC) 1.000 Deutsche befragt, wie es um ihre Bereitschaft steht, ihre Kontodaten Drittanbietern zugรคnglich zu machen. 67 Prozent sind der Studie nach einverstanden, wenn ihre Bank Informationen weitergibt. 33 Prozent votierten mit einem โNeinโ. Wenig verwunderlich ist die Antwort bei der Gruppe der unter 30-Jรคhrigen: Hier liegt der Anteil derer, die Drittanbietern einen Zugriff auf ihr Bankkonto erlauben wรผrden, bei 86 Prozent. โAus Kundensicht geht die Entwicklung klar weg von getrennten Bankdienstleistungen, die unabhรคngig voneinander verwaltet und gesteuert werden mรผssen, und hin zu einem รkosystem verschiedener Dienstleister, die reibungslos und digital verknรผpft miteinander interagieren. PSD2 ist der Katalysator fรผr diese Entwicklungโ, analysiert Peter Kleinschmidt, Leader Digital Financial Services bei PwC Deutschland. 67 Prozent haben also fรผr ein โJaโ gestimmt. Dieser nackte Wert mag den Anschein von Begeisterung erwecken, allerdings stellt die Studie heraus, dass nur sechs Prozent der Befragten eine grundsรคtzliche und somit eine bedingungslose Bereitschaft zur Weitergabe ihrer Daten besitzen. 38 Prozent der โJa-Sagerโ gaben an, dass sie nur dazu bereit seien, wenn ihr Konto vor dem Zugriff durch Unbefugte geschรผtzt wird. 34 Prozent lassen ihrem โAberโ die Bedingung folgen, dass ihre Daten sicher sind und der Datenschutz geklรคrt ist. Zudem muss der Umfrage nach jeder fรผnfte Kunde zunรคchst davon รผberzeugt sein, dass der Service eines potenziellen Drittanbieters รผberhaupt einen Mehrwert besitzt.
Diese Zahlen treffen auf einer anderen Ebene eine weitere Aussage: Banken genieรen in Deutschland immer noch einen groรen Vertrauensvorsprung. Digitales Banking wird interessanter, doch geht Sicherheit weiterhin vor. Folglich wird keiner der 67 Prozent der Weitergabe seiner Daten zustimmen, wenn die Bedingungen nach dem kleinen Wรถrtchen โaberโ nicht erfรผllt sind. Ihr โJaโ in dieser exemplarischen Studie wird gegenstandslos. Eddard Stark sieht das mit Sicherheit รคhnlich.
Christian Grosshardt war zwischen 2014 und 2018 Redakteur im BANKINGCLUB und fungierte von Januar bis April 2018 als Chefredakteur von BANKINGNEWS. Wรคhrend seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kรถlnischen Rundschau.

