Donnerstag, 05. Mรคrz 2026
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ESG im Krisenwandel

Fast schon ermรผdend oft wird betont, dass sich Banken verstรคrkt zu ihrer Klimaverantwortung bekennen mรผssen. In Anbetracht der aktuellen geopolitischen Situation scheinen jedoch auch in der Finanzbranche Sicherheitsthemen vorzugehen. โ€žVor dem Hintergrund der dynamischen regulatorischen, energie- und geopolitischen Lage haben wir beschlossen, unsere geplante Richtlinie fรผr nachhaltige Investmentfonds zurรผckzustellen. Fรผr eine dauerhafte Regulierung ist das derzeitige Umfeld nicht ausreichend stabilโ€œ, sagte BaFin-Prรคsident Mark Branson bei der Jahrespressekonferenz 2021.

Dabei gilt es, sich gerade jetzt stรคrker um ESG-Angelegenheiten zu kรผmmern. Es ist ganz offensichtlich, dass militรคrische Einsรคtze nicht nur den Menschen, sondern auch der Umwelt schaden und zudem an wertvollen Ressourcen zehren. Die Konsequenzen sind unbewohnbare Regionen, verschmutztes Grundwasser ebenso wie verseuchte Bรถden oder brennende Wรคlder. Landwirtschaftsflรคchen sind damit zunichtegemacht.

ESG und die Rรผstungsindustrie

Darรผber hinaus hat der Krieg in der Ukraine รผberdeutlich ins Bewusstsein gerufen, dass bislang zu wenig in erneuerbare Energien investiert wurde. Eine Abhรคngigkeit von fossilen Brennstoffen kann nicht das Ziel sein. So ist der รœbergang besonders zu Solar- und Windenergie, aber auch zum grรผnen Wasserstoff essentieller Schritt des Transformationsprozesses. Hier ist verstรคrkter Einsatz von Geldhรคusern gefragt, einen Fokus auf Projekte im Bereich erneuerbare Energien zu legen.

Die Invasion Russlands hat eine weitere Frage aufgeworfen: Wie sollen ESG-Kriterien auf Waffenproduzenten angewendet werden? Bislang hatten Rรผstungsunternehmen wegen der Folgeschรคden weitgehend das Nachsehen. So berichtet der Rheinmetall-Chef Armin Papperger im Interview mit der โ€žWirtschaftsWocheโ€œ von seiner schwierigen Suche nach Krediten. Die ESG Bedenken seien sowohl bei der LBBW als auch bei der BayernLB zu groรŸ gewesen.

Heute lockern sich die Positionen. Erste Institute wie die schwedische SEB Investment Management haben ihre Investmentkriterien bereits reevaluiert. Doch wer รผbernimmt die Kosten, falls es zum Einsatz der Waffen kommt? Die Fixierung auf den CO2-Zertifikatehandel allein reicht nicht aus, um die Umweltschรคden auszugleichen.

Unternehmerische Sozialverantwortung neu bewertet

Auch das Verstรคndnis der unternehmerischen Sozialverantwortung wird aufgrund des Angriffs auf die Ukraine neu bewertet. Die Nachhaltigkeitsexpertin Hortense Bioy von Morningstar sagt รผber den Anlagemarkt: โ€žRusslands Krieg gegen die Ukraine ist ein Weckruf fรผr den ESG-Anlagebereich.โ€œ Viele Geschรคftsverbindungen zu Russland wurden gekappt, wodurch Investoren immense Verluste erlitten. Fรผr zukรผnftige Anlageentscheidungen gilt es demnach auch, geopolitische Aspekte noch stรคrker zu prรผfen. So kรถnnte etwa der Verzicht auf gewisse Risiken mindern.

ESG ist im fortlaufenden Wandel. Auch kommende Krisen werden unter Umstรคnden zu einer (ethischen) Herausforderung fรผr Banken, Unternehmen und Investoren. Vergessen sollte man nur eines nicht: Klima- und Umweltschutz darf nicht als gesonderter Raum betrachtet werden, dessen Tรผr man vorรผbergehend schlieรŸt. Nachhaltigkeit ist das Dach, unter dem sich alle anderen Themen abspielen sollten. Und ein gesundes Klima ist das Fundament fรผr das Wohlergehen von Wirtschaft und Gesellschaft.

Fiona Gleim absolvierte von August 2021 bis Dezember 2022 ihr redaktionelles Volontariat bei der BANKINGCLUB Plattform GmbH und ist seitdem auch als festes Redaktionsmitglied beschรคftigt. Davor schloss sie ihren Bachelor of Arts an der Universitรคt Kassel ab.

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