„Wenn wir über die Zukunft von Banking sprechen, sprechen wir in erster Linie über Technologie. Doch Technologie alleine reicht nicht aus,“ stellte Ekaterina Kozhevatova, Head of Central Sales bei der Commerzbank, am zweiten Tag der FinTraWorld26 fest. Zahlreiche Vorträge von Expert:innen aus der Branche betonten am 28. und 29. Januar die Bedeutung von Technologie – insbesondere von Künstlicher Intelligenz (KI) – und der Weiterentwicklung der Digitalisierung. Zweifellos ist das der Kernpunkt des jetzigen Status Quo in der Bank- und Finanzbranche. Weg von Papier, hin zu Automatisierung, Skalierbarkeit, KI. Eine zentrale Erkenntnis bleibt aber: „Technologie ist wichtig. Expertise ist wichtig. Aber unser größter strategischer Vorteil ist Human Touch.“

Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die den Wandel vorantreiben und Veränderung anstoßen. Stephan Paxmann, Chief Innovation Officer bei der LBBW, eröffnete die zweitägige FinTraWorld26 in der historischen Location der MOTORWORLD Köln mit der provokanten Frage: „Wer braucht noch Fintechs, wenn es heute doch KI gibt?“ Was vorher ein Vorteil für Fintechs war – Schnelligkeit und Agilität – sei nicht mehr entscheidend, so Paxmann. Nun komme es auf neue Lösungswege an.
Die Zukunft gehört den KI-AgentenÂ
Sogenannte „Agentic Services“ gewinnen an Relevanz. Karl-Heinz Land, Vorstand und Gründer von neuland.ai, macht deutlich: „KI ist kein Tool: KI ist der neue Kern eines Unternehmens!“ Unternehmen müssten sich um KI „herum organisieren“ und auf die Zukunft der Agentic Workforce einstellen. „Agent-to-Agent-Communication wird das sein, womit wir uns beschäftigen werden“, sagte auch Marko Wenthin, Partner Banking Solutions bei SAP Fioneer, und sprach von einem modernen Kern, der Banking heute verändert.
Das bestätigen auch Studien: Google Cloud und die National Research Group befragten im Jahr 2025 insgesamt 556 Führungskräfte aus dem globalen Finanzsektor zum Return of Investment (ROI) von KI in der Finanzindustrie. Dabei stellte sich heraus, dass bereits 53 Prozent der Führungskräfte KI-Agenten in der Produktion nutzen. Die Implementierungen reichen von Chatbots mit generischer KI, die Fragen beantworten können, bis hin zu hochentwickelten Multi-Agenten-Systemen, die eigenständig Aufgaben ausführen können. Die Studie macht außerdem deutlich, dass generative KI zu erheblichen Produktivitätssteigerungen von Mitarbeiter:innen führt.
Ein praktisches Beispiel zeigte Torsten Nahm, Head of Data Science, indem er auf der FinTraWorld26 den GenAI-basierten Chatbot der DKB vorstellte. Als erste Bank in Deutschland brachte die DKB im April 2024 den Chatbot mit dem Ziel in Produktion, ihre Kund:innen bei möglichst vielen Anliegen zu unterstützen. Durch die volle Nutzung der Potenziale von GenAI will sich die DKB als schnellste und kundenorientierteste Problemlöserin im deutschen Bankenmarkt positionieren. In der Praxis habe sich der Chatbot bereits gut bewährt, so Nahm, und biete zuverlässige Hilfe für Kund:innen, während er den menschlichen Kundenservice erheblich entlaste.
FiDA und KI: Das „perfect match“Â
KI schlängelt sich durch alle Themen und Bereiche der FinTraWorld26. Die Financial Data Access Regulation (kurz FiDA) erweitert die Grundidee von Open Banking. Dabei handelt es sich um einen regulatorischen Rahmen für einen extensiven Austausch von Daten. Joris Hensen, Founder API Program bei der Deutschen Bank, konzentrierte sich auf dem Event auf die Fragen, wie eine Welt mit FiDA aussehen könnte und welche Möglichkeiten und Chancen sich daraus ergeben könnten. Auch für Hensen ist KI unumgänglich: „FiDA und AI sind kein Zufallspaar. FiDA und AI sind ein ‚perfect match‘.“

Die Panel-Diskussion „Gamechanger Open Finance“ bot zusätzlich die Möglichkeit für einen intensiven Austausch zum Thema, unter anderem, wie Open Finance in anderen Ländern bereits praktiziert wird. Slobodan Pantelic, Leiter Bereich Partner & Kunde bei HDI, wies dabei auf internationale Unterschiede hin: „Insbesondere in Singapur wurde ein solches Modell schnell umgesetzt. Dort herrscht ein anderes Mindset als bei uns – die Menschen sind viel digitaler.“
Weg vom Papier – hin zu skalierbaren ProzessenÂ
Auch im Jahr 2026 ist die Digitalisierung noch in vollem Gange und in der Bank- und Finanzbranche ein allgegenwärtiges Thema. Christian Rhino, CIO Private Bank bei der Deutschen Bank, appelliert: „Wir als Banken müssen umdenken und uns von dem Papierprozess lösen.“ Dabei geht es unter anderem um die Analyse von Kundenerwartungen und die Integration von virtuellen Agenten.
Auch für die Merkur Privatbank ist das von hoher Priorität, insbesondere aufgrund des Fachkräftemangels. In der kommenden Dekade werden Banken und Versicherungen 30 Prozent ihrer Belegschaft durch den Ruhestand verlieren – Digitalisierung ist ein Muss, und Prozesse müssen so gebaut sein, dass diese ohne zusätzliche Mitarbeiter:innen wachsen können. Das Stichwort lautet hier: Skalierbarkeit. Michael Karg, Leiter Unternehmensentwicklung bei der Merkur Privatbank, stellte digitales Onboarding in den Vordergrund: „Wir haben uns mit unserem Partner United Signals überlegt: Wie können wir digitales Onboarding besser und skalierbar machen? Und stellten einen Kunden-Onboarding-Prozess zur Verfügung, der unabhängig von Raum und Zeit stattfindet kann.“ Das Entlasten des Menschen steht im Vordergrund. „Digital ist Alltag – nicht Ausnahme,“ fasste Karg zusammen.

Das Zusammentreffen von MenschenÂ
Die Grundidee der FinTraWorld ist das Ankurbeln von innovativen Ideen und das Zusammentreffen von Menschen, die die Zukunft der Finanzbranche gestalten wollen. In einem Fireside Chat, einem Interview auf der Bühne, unterhielten sich Moderator und BANKINGCLUB-CEO Thorsten Hahn und Benjamin Bürkner, Managing Director bei Helaba Digital, über Startup-Investments. Für Helaba Digital sind Kooperationen mit Startups essenziell – denn diese schaffen Geschwindigkeit und einen Zugang zu Expertise. Dr. Daniel Oster, Leiter Digitalisierung und Innovationen bei der Kreissparkasse Köln, sprach gemeinsam mit Adriano Calabrese, Geschäftsführer der KSK-Wagniskapital, über Unternehmenskooperationen mit Startups: „Wir haben eine sehr große intrinsische Motivation, dass es den Menschen und der Wirtschaft in unserem Geschäftsbereich gut geht. Von Unternehmenskooperationen profitieren beide Seiten – Banken und Startups.“

Die FinTraWorld stellt solche Kooperationen in den Mittelpunkt und trägt zu einem Austausch zwischen Startups und Banken bei. In einem Pitch-Wettbewerb hatten Startups in elf Themenwelten die Chance, ihr Produkt vor einer Jury zu präsentieren und am Ende des ersten Tages als Themenwelt-Sieger herauszugehen. Am zweiten Tag entschieden Hauptjury sowie Publikum, welches Startup endgültig überzeugen konnte. Nachdem StrategyBridgeAI zunächst in der Themenwelt Corporate Banking beeindruckte, ging auch der erste Platz der Hauptjury an das Münchner B2B-Fintech, und konnte damit den Hauptpreis absahnen: ein Tag mit der LBBW mit der Möglichkeit zu einem konkreten, inhaltlich fokussierten Austausch im Innovation Hub der Landesbank.
Obwohl Startup-Kooperationen momentan eher rückläufig sind – laut dem Deutschen Startup-Monitor arbeiteten 2020 noch 71 Prozent der Startups mit etablierten Unternehmen zusammen, 2025 lag die Zahl bei 56,0 Prozent –, zeigt die FinTraWorld, dass Zusammenarbeit und Austausch Innovation und Transformation vorantreiben. Judith Mandel, Mitglied der Geschäftsleitung der WIBank, stellte in ihrem Eröffnungsvortrag des zweiten Tages die Zukunftswerkstatt der Förderbank vor und appellierte an die Zuschauer: „Menschen zu befähigen ist unser stärkster Wachstumstreiber. Transformation gelingt nur gemeinsam.“Â

Maria Scherban absolvierte ihr redaktionelles Volontariat beim BANKINGCLUB und arbeitet seit Mitte 2025 als Redakteurin. Zuvor schloss sie ihren Master of Arts an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ab.

