Hrsg: Harald Bock, Ingo Bieberstein
Euro:39,99
380 Seiten
ISBN: 978-3-658-06537-9
Springer Gabler
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โLangsame und schwerfรคllige Institute werden viel Wasser schlucken und ums รberleben kรคmpfen.โ Denn sie sehen sich heute einem immer stรคrkeren Wettbewerbsdruck und verรคnderten Rahmenbedingungen im Retailgeschรคft ausgesetzt. Scheinbar altbewรคhrte aber zukรผnftig wohl nicht mehr haltbare Vertriebs- und Kommunikationsstrategien mรผssen daher in Frage gestellt und den neuen Anforderungen angepasst werden. Der Fokus liegt hierbei vor allem auf der digitalen Transformation. Kein Kreditinstitut wird die Notwendigkeit innovativer Ideen auf diesem Gebiet leugnen, doch zu tatsรคchlich zukunftsfรคhigen Konzepten hat diese Erkenntnis bisher noch zu selten gefรผhrt. Ausgehend von dieser These analysieren Harald Brock und Ingo Bieberstein in ihrem Sammelband โMulti- und Omnichannel-Management in Banken und Sparkassenโ die Entwicklung der Vertriebs- und Kommunikationskanรคle deutscher Kreditinstitute.
Die Herausgeber liefern in einem ersten Teil einen Abriss der theoretischen und historischen Grundlagen dienstleistungsspezifischer Distribu-tionssysteme im Allgemeinen sowie der Entwicklung der Vertriebs- und Kommunikationsstrukturen von Kreditinstituten im Speziellen. Darauf aufbauend diskutieren diverse Autoren die fรผr alle Banken und Sparkassen immanenten Herausforderungen durch digitale Transformation, Kundenemanzipation und neue Konkurrenzsituationen. Abschlieรend werden Lรถsungsangebote auf theoretischer wie auf praktischer Ebene gegeben. Dazu erhรคlt der Leser einige Beispiele aus den Bereichen Kundenmanagement, Interaktive Finanzberatung, Digital Signage, Mobile und Social Media, Crowdbanking, Smart Analytics und Online-identifikation.
โVernetzung zwischen Digitalisierung und Menschโ
Einen echten Mehrwert stellt die Vielfalt an Betrachtungsweisen durch Autoren aus unterschiedlichen Bereichen dar. So kommen in diesem Sammelband Wirtschafts- und Medienwissenschaftler, Unternehmensberater, Wirtschaftsjournalisten, Produktmanager, Firmengrรผnder, Psychologen und Vertriebsmanager zu Wort. In einem wesentlichen Punkt sind sich all diese Autoren einig: Die โOrientierung am Kundenerlebnisโ stellt eine unumstรถรliche Voraussetzung fรผr die erfolgreiche Zukunftsgestaltung von Kreditinstituten dar. Den Kunden als Kรถnig zu behandeln, ist wahrlich keine hochinnovative Maxime fรผr Unternehmen. In Zukunft sollten sich Kreditinstitute dies aber verstรคrkt zu Herzen nehmen. Denn die Zeit, in der ein Kunde sein Leben lang zu ein und demselben Berater in seine Bank um die Ecke gegangen ist, neigt sich dem Ende zu. Es steigt dagegen die Bereitschaft, sich selbst รผber Finanzprodukte zu informieren, seine Bank zu wechseln oder Konten bei mehreren Instituten zu erรถffnen.
โDie Zukunft des Bankings ist persodigitalโ
Die Autoren prophezeien keineswegs das Ende der Filiale. Um den Filialbesuch jedoch weiterhin als eine lohnende Option fรผr den Kunden erscheinen zu lassen, muss deren Gestaltung durch โEmotionalisierung, Marken-erlebbarkeit und Inszenierung ein differenzierendes, physisches Erlebnis schaffen.โ Dieselbe Regel gilt im Umkehrschluss allerdings auch fรผrs Digitale. Banking-Apps, Online-Tools und Digital Signage sollten nicht aus reinem Selbstzweck eingefรผhrt werden. Nicht alles, was digital ist, ist auch sinnvoll. Ein Printplakat durch eine digitale Werbeflรคche zu ersetzen, entspricht in keiner Weise einem echten Mehrwert produzierenden Omnichannel-Management. Hierzu muss die jeweilige Innovation in eine ganzheitliche Vertriebs- und Kommunikationsstrategie eingebettet werden. In diesem Zusammenhang fรผhrt Harald Brock den Begriff โpersodigitalโ ein, an dem sich das Banking der Zukunft orientieren mรผsse. Banken und Sparkassen werden ihr Angebot demnach persรถnlich, personalisiert und digital aufstellen mรผssen, um den Ansprรผchen ihrer Kunden gerecht werden zu kรถnnen.
Brock und Bieberstein ist eine hilfreiche Anthologie gelungen, die sowohl Studienbuch als auch Praxisratgeber fรผr die Finanzbranche sein kann. Zahlreiche Grafiken, ein leicht verstรคndlicher Schreibstil sowie kurze Zusammenfassungen innerhalb der einzelnen Kapitel erleichtern dem Leser den Einstieg und die erste Orientierung zu den jeweiligen Themenbereichen. Weitere Publikationen zum Omnichannel-Management werden ohne Zweifel folgen, denn der โSog ist so stark, dass sich kein Institut der digitalen Transformation entziehen kann.โ
Philipp Scherber war von Januar 2016 bis Oktober 2019 Redakteur bei BANKINGNEWS und bekleidete anderthalb Jahre die Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Wรคhrend seines Studiums der Geschichte und Medienwissenschaft sammelte er praktische Erfahrungen im TV- und Online-Journalismus. An der Universitรคt zu Kรถln verantwortete er von 2012 bis 2016 das Online-Rezensionsjournal www.lesepunkte.de.

