Jetzt Mitglied werden
Innovation

Making-of: BauFi-App

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie spazieren sonntags durch die Straßen und machen eine interessante Immobilie aus. Sie fragen sich, wie viel diese kostet und wie eine Finanzierung aussähe – Fragen, die Ihnen nun eine neue Bank-Applikation beantworten kann. Die Commerzbank hat seine solche App zur Baufinanzierung gelauncht. Wir sprachen mit Marcus Wetzel, Leiter des Produktmanagements Immobilienfinanzierung bei der Commerzbank, mit Ingo Küpper von der crossbuilders GmbH, mit dem Digital-Designer Alexander Kaiser sowie mit Jochem Kierig von der Sprengnetter GmbH über Planung, Realisierung und die technische Umsetzung dieses Projekts.

Von Christian Grosshardt - 20. Dezember 2017

Vier Köpfe, ein Projekt: Marcus Wetzel (oben links), Leiter Produktmanagement Immobilienfinanzierung bei der Commerzbank ; Ingo Küpper (oben rechts), Geschäftsführer von crossbuilders; Alexander Kaiser (unten links), Digital-Designer; Jochem Kierig (unten rechts), Geschäftsleitung Sprengenetter.

BANKINGNEWS: Die private Baufinanzierung gilt innerhalb der Branche als ein sich niemals erschöpfender Brunnen. Warum ist das so?

Marcus Wetzel (MW): Die Zinsen werden auch in den kommenden Jahren niedrig bleiben. Durch dieses Umfeld bleiben die Rahmenbedingungen für Baufinanzierer weiterhin günstig. Auch die Nachfrage nach Wohnobjekten wird unverändert hoch sein, sowohl zur eigenen Nutzung als auch zur Kapitalanlage. Denn Wohnraum ist knapp und die Haushaltszahlen steigen, vor allem in beliebten Groß- und Universitätsstädten. Dabei gilt: Lage, Lage, Lage. Besonders gefragt sind deshalb Objekte in guten Lagen mit attraktiver Infrastruktur – aus dem Bestand genauso wie dem Neubau. Das Niedrigzinsumfeld und die weiterhin hohe Nachfrage nach Wohnobjekten üben Druck auf die Preisentwicklung aus. Das wissen natürlich auch Anbieter von gebrauchten Immobilien und Projektentwickler. Das Ergebnis: Die Preise steigen. Ein Blick auf die Baugenehmigungen zeigt im Jahr 2016 mit 375.000 Wohnungen ein 16-Jahres-Hoch. All dies will finanziert werden. Der Markt wächst aber auch deshalb, weil sich viele Baufinanzierer bereits heute die niedrigen Zinsen für die Zukunft sichern und eine Forward-Vereinbarung abschließen. Die Commerzbank hat eine klare Wachstumsstrategie in der Baufinanzierung: Ziel ist der Ausbau des Bestandsvolumens durch eine deutliche Ausweitung des Neugeschäfts bis 2020.

Um das Geschäft noch prominenter zu positionieren, haben Sie eine App zur Baufinanzierung entwickeln lassen. Was steckt genau dahinter?

MW: Mit der Strategie „Commerzbank 4.0“ zielt die Bank auf massives Wachstum bei Privat- und Unternehmerkunden. Dabei setzt sie sowohl auf persönliche Beratung als auch auf die Chancen der Digitalisierung. Denn unsere Kunden möchten beides: 90 Prozent wünschen sich auch im digitalen Zeitalter einen persönlichen Ansprechpartner. Deshalb hält die Commerzbank an ihren rund 1.000 Filialen in Deutschland fest. Gleichzeitig werden viele Bankgeschäfte mehr und mehr digital erledigt – deshalb bauen wir auch unsere digitalen Angebote aus. Ziel ist es, 80 Prozent aller relevanten Geschäftsprozesse zu digitalisieren. Das gilt ebenso für die Baufinanzierung: Selbst wenn die meisten Kunden für eine Baufinanzierung in Zukunft weiterhin eine Filiale aufsuchen werden, gibt es auch eine Zielgruppe, die von Anfang bis Ende alles digital erledigen möchte. Diese Zielgruppe wollen wir ebenfalls für die Commerzbank gewinnen und damit unsere potenzielle Kundenbasis erweitern. Deshalb haben wir unsere BauFi-App entwickelt.

Auf dem Dashboard entscheidet der User, ob er das Budget berechnen, eine Immobilie suchen oder eine Immobilie bewerten lassen möchte.

 

 

Prognostizieren Sie denn für die Zukunft des Bankings einen singulären Fokus auf das Digitale?

MW: Die Zukunft des Bankgeschäfts ist aus meiner Sicht digital und persönlich. Die Mehrheit der Kunden will eine Bank, die alle Kanäle – online und offline – anbietet. Sie wollen selbst entscheiden, wann sie welchen Kanal nutzen. Deshalb entwickeln wir die Commerzbank von einer reinen Filialbank zu einer modernen Multikanalbank weiter, in der alle Zugangswege intelligent miteinander vernetzt sind.

Kunden scheuen noch, ihre Daten via App offenzulegen. Wie wollen Sie die Menschen mit Ihrem Service überzeugen?

MW: Baufinanzierungsinteressierte Kunden haben einen Anspruch auf interaktive Beratung – unabhängig von Filialöffnungszeiten. Mobile gewinnt auch hier enorm an Bedeutung, denn der Baufinanzierungsprozess wird schneller und effizienter. Immobiliensuche, Verhandlungen, Finanzierung, Behörden, Umzug – all diese Schritte kann der Kunde von zu Hause oder unterwegs erledigen. Die BauFi-App macht es mit umfangreichen Funktionalitäten möglich.

Welche Features beinhaltet die Applikation aktuell und sind funktionale Erweiterungen für die nächste Zeit geplant?

MW: Neben „Budgetrechner“, „Immobiliensuche“, „Immobilienbewertung“ sowie dem „Finanzierungszertifikat“ wurden weitere Anforderungen wie „Dokumentenmanager“ und „Merkzettel“ umgesetzt; der „Onlineabschluss“ kommt gegen Ende dieses Jahres.

Wie kann der Kunde beurteilen, ob eine bestimmte Finanzierungslösung für ihn überhaupt in Frage kommt?

MW: Bei der Finanzierungslösung kann der Kreditinteressent seine Finanzierung im Baukastenprinzip – etwa die Auswahl der Zinslaufzeit, Sondertilgungsmöglichkeit, Ratenhöhe – selber zusammenstellen und erhält in wenigen Sekunden eine Echtkondition in Abhängigkeit der Darlehensparameter. Diese Kondition garantieren wir dem Interessenten verbindlich über das Finanzierungszertifikat.

Der Kunde entscheidet, wo er seine Daten offenlegen möchte

Und wenn der Kunde seine Daten partout nicht in der App offenlegen möchte?

MW: Der Kunde entscheidet am Ende, wo er seine Daten offenlegen möchte: digital per App oder analog in der Filiale. Aber eines ist klar: eine Finanzierung ohne Kundendaten gibt es nicht. Doch in einem Punkt können wir alle Interessenten beruhigen: Die Sicherheit der Kundendaten hat für die Commerzbank oberste Priorität. Das haben wir auch bei der Entwicklung unserer BauFi-App berücksichtigt.

Gibt es ein solches Modell bereits in der Branche?

MW: Nein, nicht in diesem Umfang. Die Commerzbank hat mit ihrer BauFi-App derzeit ein Alleinstellungsmerkmal im Markt – keine andere Bank und kein Anbieter von Baufinanzierungen bietet aktuell eine interaktive, digitale Beratung von der Budgetplanung über die Immobiliensuche und die Marktbewertung bis hin zur passenden Finanzierungslösung. Ein Highlight ist für mich das sofortige und verbindliche Finanzierungszertifikat, das der Kunde innerhalb von Sekunden zur Vorlage bei Maklern und Verkäufern auf seinem Smartphone erhält. Dieses Zertifikat hilft den Kunden, schneller den Zuschlag bei der Wunschimmobilie zu erhalten.

Marcus Wetzel startete seine Bank-Karriere bei der Dresdner Bank. Dort nahm er Aufgaben im Vertrieb wahr, wurde Führungskraft und ihm wurden unter anderem die Leitung des Produktmanagements Baufinanzierung und Privatkredite sowie verschiedene Projektleitungen rund um webbasierte Beratungsanwendungen übertragen. 2009 wechselte er als Leiter Produktmanagement Immobilienfinanzierung zur Commerzbank.

Herr Küpper, als die Commerzbank an Sie herangetreten ist, was waren Ihre Überlegungen, um das Projekt erfolgreich an den Start zu bringen?

Ingo Küpper (IK): Wir kennen die Commerzbank aus der Zusammenarbeit in der Managementberatung. So waren wir in den letzten Jahren immer wieder in regulatorische und digitale Themen rund um das Kreditgeschäft eingebunden. Wir haben in unserer Gruppe nicht nur etliche Jahre an Know-how zu Bankgeschäftsmodellen und Prozessen, sondern durch crossventures und DvH Ventures zudem sehr erfahrene Fintech-Experten. Des Weiteren verfügen wir bei crossbuilders über viele Jahre Erfahrung im Bau und Betrieb digitaler Geschäftsmodelle. Und trotz dieser breiten Vorkenntnisse hatten wir – zurecht – großen Respekt vor der Herausforderung. Denn wir wussten, am Ende müssen wir uns zwischen den Welten bewegen: d.h. agil sein wie ein hippes Fintech und gleichzeitig die extrem professionellen Ansprüche einer Großbank beherrschen, die eben von Regulatorik, erforderlichen Formalismen großer Organisationen, technischem und inhaltlichem Perfektionsstreben und vielem mehr getrieben sind. Eine weitere Komponente war die Anzahl der Projektinvolvierten: Es ging ja nicht nur um die Commerzbank und uns, sondern ebenso um die Kernfunktionslieferanten wie Sprengnetter für die Objektbewertung und ImmobilienScout24, die für die Suche eingebunden werden mussten. Das Projekt hat gezeigt: Diese Anbieter verfügen nicht nur über tolle Funktionen und Inhalte, sondern auch über hervorragende Teams, die für eine effektive Zusammenarbeit sorgen.

Ein gerütteltes Maß an Gamification

Gab es Schlüsselmomente bei der Realisierung des Projekts, wenn Sie jetzt zurückblicken?

IK: Rückblickend würde ich sagen, dass es fünf elementare Faktoren gab. Erstens: das Hybrid-Modell in der Konzeption und Entwicklung, also etwa kein reines Scrum aber doch wesentlich agiler als beispielsweise die klassischen Konzeptions- und Entwicklungsmodelle der Bankenszene. Zweitens: bankfachliches Know-how auf allen Seiten, um in der Kommunikation effizient und möglichst frei von Missverständnissen zu bleiben – da man zu Gunsten der Geschwindigkeit und Agilität zu Beginn nicht alles dokumentiert, müssen einfach alle wissen, wovon sie reden. Drittens: tiefe technische Expertise, denn es war klar, dass die IT und insbesondere auch die Security-Experten der Commerzbank für uns kein Auge zudrücken – es muss eben einfach professionell funktionieren. Viertens: Kreativität und Mut zu Entscheidungen, um mit den unausweichlichen Überraschungen umgehen zu können. Fünftens: ein guter Team-Spirit und Vertrauen zueinander.

Über was muss eine App in diesem sensiblen Bereich verfügen bzw. was muss sie ausstrahlen, um auch vom Endkunden genutzt zu werden?

IK: Sie muss für den Kunden den richtigen Bedarf befriedigen; also in einer unkomplizierten Art eine Baufinanzierung zum Anfassen bieten. Ein tolles Beispiel dafür ist die von Herrn Wetzel genannte Highlight-Funktion: das verbindliche Finanzierungszertifikat. Des Weiteren muss die App, wenn gewünscht, Interaktion mit einem Berater ermöglichen. Und für alle diejenigen, die gerade erst am Anfang ihrer Überlegungen stehen, muss sie ein gutes Set an Convenience-Funktionen bieten, wie etwa die Bewertung per Foto oder Knopfdruck sowie die Suche mit ImmobilienScout24-Qualität – das bedeutet nicht zuletzt ein gerütteltes Maß an Gamification.

Die Bank muss alte Zöpfe abschneiden

Banken wird gerne vorgeworfen, dass die Implementierung neuer Software oder Prozesse langsam und anstrengend sei. Können Sie das in Bezug auf dieses Projekt bestätigen?

IK: Für die Vergangenheit war das in Banken sicherlich so. Das ist auch nicht überraschend, denn keiner von uns will sich vorstellen, dass in der Bank seines Vertrauen irgendetwas nicht „richtig“ läuft und nachher auch noch Geld weg ist. Genauso möchte ich nicht in ein Flugzeug einsteigen, dessen Landung nur „meistens“ funktioniert. Damit bleibt es nicht aus, dass es sehr aufwendig ist, Software und Prozesse zu implementieren, die professionell funktionieren. Trotzdem muss auch eine Bank hier die Quadratur des Kreises schaffen und alte Zöpfe abschneiden. Wir haben das zusammen wirklich gut und flexibel geschafft. Und dennoch ist eine Großbank in ihren Kernprozessen erst mal noch eine Großbank – die in den letzten Jahren aufgestockte IT-Regulatorik lässt da einfach keine Wahl.

Wie lange haben Sie von der Entwicklung der Idee bis zum Release benötigt?

IK: Mit einer ausgewachsenen App sind wir bereits nach weniger als neun Monaten live gegangen. Zum Vergleich: In mancher Bank braucht es alleine sechs Monate, um einen neuen Server aufzusetzen.

Herr Kaiser, wie funktioniert die Applikation aus technischer Sicht genau?

Alexander Kaiser (AK): Die App wurde als Hybrid entwickelt. Das bedeutet, dass wir mit Web-Technologien auf einer einheitlichen Codebasis entwickeln und auf diese Weise flexibel in Entwicklung und Pflege sind, egal ob für iOS oder Android-Systeme. Zahlreiche Funktionen unterstützen den End-User bei der Immobilienwahl, der Finanzierung und dem Kaufabschluss; so etwa eine vollständige Immobiliensuche, die wir über die Anbindung der ImmobilienScout24-API ermöglichen. Die Möglichkeit, die Immobilie dann zu bewerten, erfolgt über die Anbindung der Sprengnetter-API. Im nächsten Schritt kann der Nutzer mit Hilfe eines Budgetrechners schnell und einfach berechnen, ob er sich diese Immobilie leisten kann, und erhält bei positiver Prüfung innerhalb weniger Sekunden eine Finanzierungszusage. Dafür wird die App an einen neuen Web-Service der Commerzbank angeschlossen, der diese „Live-Konditionen“ liefert. Dass so viele verschiedene Dienste miteinander „sprechen“, bemerkt der End-User in der App gar nicht.

Wie gewährleisten Sie dabei die Sicherheit der Kundendaten?

AK: Arbeitet eine App mit solch sensiblen Daten, wie denen zur persönlichen Finanzsituation, hat das Sicherheitskonzept oberste Priorität. Ein wichtiger Aspekt während des gesamten Entwicklungsprozesses bestand deshalb in der Datensicherung. Sämtliche Nutzer-Anfragen werden unter anderem über eine mehrfache SSL-Verschlüsselung eine End-to-End-Verschlüsselung wie auch besondere Backend-Strukturen gewährleistet.

Art und Weise einer Beratung bietet noch viel Entwicklungspotenzial

Herr Küpper, welche weiteren Potenziale sehen Sie für die Digitalisierung der Branche?

IK: Noch eine Menge. Wie die Commerzbank bin ich der Ansicht, dass die meisten Kunden in Fragen wie etwa der Baufinanzierung am Ende immer noch eine Art Beratung haben wollen. Die Art und Weise einer Beratung bietet noch viel Entwicklungspotenzial. Ich kann mir vorstellen, dass es noch mehr digitale Convenience-Services, nützliche Informationen, Benutzerführung und eine Art Robo Advice geben wird, die es erlauben, für viele Fälle die Beratung zu fokussieren und einige Teilthemen sogar „beratungsfrei“ zu erledigen. Die App ist jedenfalls ein guter Schritt in diese Richtung. Und wir arbeiten mit Hochdruck an Weiterentwicklungen – wie im Übrigen auch viele andere in der Branche. Wir könnten ja mal „Alexa“ fragen, was sie dazu sagt. (lacht)

Ingo Küpper ist seit der Gründung Geschäftsführer und kreativer Vordenker von crossbuilders und Investor in digitale Geschäftsmodelle. Er ist Partner bei crossconsulting und zuständig für den Bereich Banking.
Alexander Kaiser ist einer der führenden Digital-Designer und User-Interface-Experten in Deutschland und federführend bei der Entwicklung der Baufinanzierungs-App der Commerzbank beteiligt.

Herr Kierig, die hier angesprochene App der Commerzbank bietet Kunden via Smartphone eine Marktwerteinschätzung innerhalb von Sekunden – ein Foto der gewünschten Immobilie reicht aus und Sie liefern die entsprechenden Daten. Wie machen Sie das genau und wie sicher sind diese Daten?

Jochem Kierig (JK): Das alles ist kein Hexenwerk, sondern basiert auf dem Sprengnetter Bewertungssystem. Nicht nur die Commerzbank, auch zahlreiche andere Institute arbeiten damit. Dahinter steht unsere Immobilienpreisdatenbank, eine der größten Deutschlands. Dort sind Millionen von Angebotspreisen und Angebotsmieten, vor allem aber auch mehrere hunderttausend real erzielte Kaufpreise für alle Lagen in Deutschland und Österreich gespeichert. Für die Bewertung stehen damit weit über eine Milliarde Objektinformationen zur Verfügung. Die Berechnung der Werte erfolgt durch das Sprengnetter Automated Valuation Model (AVM). Es nutzt mathematische und statistische Methoden auf der Basis hedonischer Preismodelle. Wir benötigen dafür nur wenige Informationen zum Bewertungsobjekt, nämlich die Art und die Lage der Immobilie. Auf dieser Basis ist bereits eine sehr valide Marktwerteinschätzung für das Objekt möglich – in Sekunden. Mit einigen zusätzlichen Objektinformationen mehr lässt sich der Wert noch besser auf das Objekt zuschneiden. Gibt der Anwender weitere Daten ein, wird das Ergebnis dadurch noch präziser. Bei einem Einfamilienhaus sind das Grundstücksgröße, Baujahr, Wohnfläche, Anbauweise und zusätzliche Informationen, etwa ob eine Garage vorhanden ist.

In diesem abgebildeten Schritt definieren die User ihren individuellen Finanzierungsbedarf.
Die Handhabung ist intuitiv und macht neugierig.

Wie sieht die Praxis aus? Was passiert, wenn eine Bewertungsanfrage via App bei Ihnen im Haus ankommt?

JK: Die App überträgt beim Fotografieren den Standort. Dadurch wissen wir, in welcher Lage sich das Objekt befindet. Alternativ kann die Adresse eingegeben werden. Die intelligente Bilderkennung unserer Lösung sagt uns zusätzlich, ob es sich um ein Einfamilienhaus oder eine Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus handelt. Auf Basis dieser Grundinformationen ermittelt das Sprengnetter Bewertungssystem den durchschnittlichen Marktwert der Immobilien in der Lage des Bewertungsobjekts und die durchschnittliche Miete, zu der sich die vergleichbaren Immobilien bei einer Neuvermietung vermieten lassen. Diese Ergebnisse liefert es im Bruchteil einer Sekunde an das aufrufende System zurück. Bei der Commerzbank werden die Objektangaben in der hauseigenen BauFi-App erfasst und an unseren Webservice geschickt. Sie können aber auch anders erfasst werden. Die ING-DiBa nutzt zum Beispiel eine mobile Lösung, die auf unserer Bewertungs-App ImmoWert2Go beruht. Selbst die Spracherfassung der Objektdaten mittels Alexa-Skill hat Sprengnetter bereits realisiert – also Marktwerteinschätzung auf Zuruf. Eines ist allen digitalen Kanälen gemein: Die Bewertung erfolgt immer durch unser SprengnetterAVM. Das alles geht sehr schnell. Die BauFi-App der Commerzbank zeigt dem potenziellen Kunden, wie schnell: in Sekunden. Aus Sicht der Kreditwirtschaft ist dieser schnelle Prozessdurchlauf ein wichtiges Moment für die Kreditentscheidung des Kunden. Unsere Lösung zur Marktwerteinschätzung unterstützt dieses Tempo bei der Bereitstellung eines entscheidungsreifen Kreditantrags perfekt – bei aller Verlässlichkeit der ermittelten Werte.

Wie präzisieren Sie denn die Daten?

JK: Die Daten in unserem Bewertungssystem werden laufend aktualisiert und kalibriert. Wir erfassen pro Jahr rund 200.000 tatsächlich erzielte Kaufpreise. Diese ergänzen wir vierteljährlich mit sämtlichen Angebotsdaten, die in den großen Immobilienportalen vorhanden sind. Nach jeder Aktualisierung unserer Datenbank überprüfen wir die Qualität des Systems durch eine große unabhängige Datenstichprobe. So stellen wir sicher, dass unser System die Markt- und Mietwerte jederzeit treffsicher und aktuell abbildet. Neben statistischen Kenngrößen liefert das SprengnetterAVM aber auch Preisspannen. Was zunächst nach fehlender Präzision aussieht, ist im Gegenteil hilfreich. Denn die Preise, die der Markt für eine Lage aushandelt, streuen zum Teil erheblich. Preisspannen lassen den Nutzer der App erkennen, dass „sein“ ermittelter Wert immer nur einen Durchschnitt von Preisen darstellt. So kann er die Genauigkeit seines Bewertungsergebnisses besser beurteilen und die Angemessenheit der Kaufpreisforderung prüfen. Am Ende des Tages kommt es in der Kreditwirtschaft aber auf die BelWertV-konforme Bewertung des Objektes an. Auch dafür bieten wir mit Ten2Click und SprengnetterONE umfangreiche Lösungen für seine Kunden an.

Welche weiteren Services wollen Sie mittel- bzw. langfristig über diesen technischen Weg anbieten?

JK: Das Bewertungssystem kann schon bald weitere Informationen zum Objekt bereitstellen, zum Beispiel zur Wertentwicklung und der Lagequalität der Immobilie. Auch soziodemografische Daten zur Lage können wir anbieten. Wir arbeiten gleichzeitig an einem Tool, das alle objektbezogenen Informationen als Report darstellt, gut verständlich aufbereitet in Form von Heatmaps und Diagrammen. Auch unsere intelligente Bilderkennung entwickeln wir fortlaufend weiter. In Kürze kann sie nicht nur die Art der Immobilie, sondern auch das Baujahr, den Zustand und andere relevante Eigenschaften des Objektes erkennen.

Jochem Kierig ist Mitglied der Geschäftsleitung bei Sprengnetter und verantwortet den gesamten Geschäftsbereich Kreditwirtschaft (unter anderem Softwareentwicklung, Dienstleistungen, Marktforschung ). Als Sachverständiger für Immobilienbewertung und Mitglied im Gutachterausschuss für Grundstückwerte für den Bereich Osteifel-Hunsrück verfügt er über einen reichen Erfahrungsschatz.

Lesen Sie auch

Beschleunigte Innovation durch Kooperation

Das Retail Banking sieht sich mit einer Reihe[…]

Patrick Düpmann

Brauchen Banken eine eigene Wallet-App für das mobile Bezahlen?

Gerade die jüngere Kundengeneration bevorzugt bei mobilen Bezahlvorgängen[…]

Volker Koppe

Rezension: Digital Work Design

Der Begriff der „Digitalisierung“ ist heutzutage nicht mehr[…]

Dalia El Gowhary

Tech-Unternehmen haben spezielle Anforderungen

Start-ups aus dem Technologiebereich haben besondere Anforderungen, wie[…]

Patrick Lindstädt

Der Computer analysiert, der Mensch entscheidet

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz hat das Potenzial,[…]

Thomas Belker

Erklärvideos: effektive Kommunikation für erfolgreiche Unternehmen

Schlechte Kommunikation kommt Unternehmen weltweit teuer zu stehen.[…]

Ellen Hildebrand

„Die kulturellen Unterschiede können enorm sein“

Wie unterscheiden sich die Digitalisierungsstrategien von Banken in[…]

Philipp Scherber

„Nicht nur bunte Zettel und Workshops“

Eine Erkenntnis stand im Zentrum des zweitägigen Fachkongresses[…]

Redaktion

Das gute Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben

Klingt nach einer klassischen Fintech-Idee, kommt aber von[…]

Nils Brinkhoff

Die digitale Renaissance der Bancassurance – neue Geschäftsmodelle für alte Ideen

Eine Verknüpfung von Bank- und Versicherungsleistungen kann sowohl[…]

Tim Kunde

Das Blockchain Lab der Commerzbank

Vor zwei Jahren startete die Commerzbank zusammen mit[…]

Sören Hartung

„There is no such thing as a killer feature“

Auf dem Ein-Tages-Kongress "Digitale Transformation" am 10. April[…]

Philipp Scherber

„Technologie lässt Barrieren fallen“

An zwei Abenden in Köln und Berlin stellten[…]

Philipp Scherber

Digital Wealth Management im Drehstuhl

Am 18. Mai 2018 widmeten wir uns gemeinsam[…]

Philipp Scherber

Das Ende der Banken

Autor: Jonathan McMillan Preis: 29,80 € 304 Seiten, gebunden ISBN: 978-3-593-50841-2 Campus[…]

Philipp Scherber

„Auf dem Weg zu einem vernetzteren Finanzökosystem“

Im Oktober 2017 startete der Bundesverband deutscher Banken[…]

Philipp Scherber

„Die Macht von Spiel und Spaß“

Mit CryptoKitties startete im November 2017 das weltweit[…]

Daniel Fernandez

„Mit offenen Plattformen können Banken ihren Kunden Innovation bieten“

Neue Ideen braucht das Land. In einer von[…]

Christian Grosshardt

„Ein guter Berater spricht kein Bankchinesisch“

Hansjörg Weber von der Volksbank in der Ortenau[…]

Philipp Scherber

Fintech-Beteiligungen der Berliner Volksbank Ventures

Seit 2015 unterstützt die Berliner Volksbank Ventures Unternehmensgründer[…]

Anne Klesse

Klarheit – Kreativität – Realismus

Wie können Partnerschaften zwischen Banken und Fintechs zum[…]

Philipp Scherber

Kunst und Wissenschaft: Fintech und Instinkt im Investitionsprozess

Der Ausdruck „das Beste aus beiden Welten“ kann[…]

Furio Pietribiasi

Falsche Freunde

David Marcus, ehemals Präsident von PayPal, ist seit[…]

Redaktion

Kooperation statt Konfrontation: Wie Fintechs Factoring bereichern

Fintechs haben das B2B-Geschäft für sich entdeckt: Mehr[…]

Joachim Secker

KI – Hollywood zeigt uns den Weg

Künstliche Intelligenz (KI) ist eines der heiß diskutierten[…]

Thomas F. Dapp

Kooperation „WeltSparen“ – wie alles anfing

Als Tamaz Georgadze im Sommer 2012 mit seinem[…]

Reiner Guthier

„Es bedarf schlankerer Strukturen für Start-ups“

Die Deutsche Börse hat eine Studie zur deutschen[…]

Philipp Scherber

„Banken, seid nicht wie der Frosch, der die steigende Wassertemperatur erträgt, bis er stirbt“

Die Fintechs Contovista und GIROMATCH gewinnen das Fintech[…]

Philipp Scherber

So funktioniert das Open Banking der Hypothekarbank Lenzburg

Die Hypothekarbank Lenzburg AG hat ihr Kernbankensystem mit[…]

Marc Fischer

360-Grad-Blick auf die Digitalisierung im Gesundheitsmarkt

Es gehört inzwischen zur Routine bei der Patientenbehandlung,[…]

Stefan Seyler

„Realtimebasierte Kampagnen über alle Kanäle“

Kennt der Berater seinen Kunden, weiß er auch[…]

Christian Grosshardt

Ich digitalisiere, also bin ich?

Ist die Digitale Transformation ein lästiges oder ein[…]

Christian Grosshardt

Unausweichliche Kollateralschäden?

Die Generation Y abholen, eine Customer Journey generieren[…]

Christian Grosshardt

„Eine globale Plattform der Interkonnektivität“

Im Rahmen des Kongresses „Digitale Transformation“ in Frankfurt[…]

Philipp Scherber

Einkaufen ohne Portemonnaie

Jetzt können Kunden der Deutschen Bank im Supermarkt,[…]

Michael Koch

Digitalisierung – Pflicht oder Kür?

Dass an der Digitalisierung im Bankensektor kein Weg[…]

Ates Demir

„Alexa, Kontostand bitte!“

Sprachsteuerung – das nächste große Ding oder der[…]

Thorsten Hahn

„Die Chancen für ein Scheitern der Digitalen Transformation stehen gut“

Diese provokante These stellte Marco Leist (TME AG)[…]

Philipp Scherber
digitale Technologien führen zu einem Wandel der Finanzbranche

Digitale Transformation – Manche führen, manche folgen

Im Jahr 2016 wurde der Begriff „Digitalisierung“ inflationär[…]

Farhad Khakzad
Fintechs und Banken

Banken und Fintechs: Konkurrenten oder Partner?

Das Internet und die damit verbundene Digitalisierung haben[…]

Dieter Fromm
Design-Thinking-Methoden

Design Thinking – Werkzeug für Workshops; Toolbox und Mindset für Projekte

Entwickelt im Silicon Valley hat sich die Innovationsmethode[…]

Katharina Berger

„Alles andere als eine Alibi-Veranstaltung“

Das Grand Final der POST /bank Hackathon Roadshow[…]

Philipp Scherber

Innovative Geschäftsmodelle im Digital Wealth Management

Autoren: Stephan Paxmann & Stefan Roßbach Euro: 39,00[…]

Philipp Scherber

Fintech-Hubs als Motor der digitalen Innovation

Schrille Schlagzeilen begleiten derzeit den Umbruch im Bankenmarkt.[…]

Oliver Dlugosch

Versicherung morgen – Veränderungen in Distribution und Produkt

Die digitale Transformation und das damit veränderte Kundenverhalten[…]

Nikolaus Sühr