Es klingt wie aus einem Hollywood-Film: Junge Kleinanleger schlieรen sich zusammen, treten den bรถsen Hedgefonds entgegen und schlagen sie ausgerechnet mit ihren eigenen Waffen. David gegen Goliath, der kleine Mann gegen das groรe Geld, verspรคtete Rache fรผr die Finanzkrise โ eine perfekte Heldengeschichte. Vielleicht etwas zu perfekt.
Denn obwohl der Plan, einen Short-Squeeze bei der GameStop-Aktie (GME) herbeizufรผhren, im Reddit-Unterforum Wallstreetbets seinen Anfang nahm, sind nicht sie die eigentlichen Gewinner der Kursrallye. Die wahren Profiteure sitzen an der Wallstreet. Der Hedgefonds Mudrick Capital zum Beispiel konnte mit Call-Optionen in GameStop Gewinne von 200 Millionen US-Dollar einfahren. Die amerikanische Investmentgesellschaft BlackRock hat Berichten zufolge mit Positionen in GME rund 2,4 Milliarden US-Dollar verdient. Ein treffenderes Resรผmee des GameStop-Hypes wรคre also: Goliath siegt รผber Goliath.
Weiterhin Hoffnung aus Short-Squeeze
Wรคhrenddessen hรคlt ein groรer Teil der Wallstreetbets-Community und dem deutschen Gegenstรผck โMauerstrassenwettenโ weiterhin ihre Aktien. Vor allem neue Mitglieder, die angefeuert durch den Media-Hype erst spรคt in GME eingestiegen sind, halten ihre Positionen trotz eines Kurverlusts von fast 80 Prozent. Die Community setzt darauf, dass der erhoffte groรe Short-Squeeze erst noch kommt. Nach dem Kurseinbruch Anfang Februar stehen die Chancen dafรผr schlecht.
Ob ein weiterer Short-Squeeze รผberhaupt noch mรถglich ist, lรคsst sich aktuell schwer beurteilen. Bloomberg berichtete am 1. Februar 2021, die Short-Interest Quote in GME sei nach dem Hรถchstwert von 140 Prozent mittlerweile stark gesunken und liege nur noch bei etwa 39 Prozent. Die definitive Short-Interest Quote fรผr die Woche nach der Kursrallye wird am 9. Februar 2021 von der New York Stock Exchange (NYSE) bekanntgegeben. Ist es Melvin Capital und anderen Shortsellern tatsรคchlich gelungen, Ende Januar die Mehrheit ihrer Short-Positionen zu schlieรen, mรผssen sich die Kleinanleger auf Wallstreetbets damit abfinden, dass die Chance vorbei ist: Entweder sie verkaufen mit hohem Verlust oder werden zu Langzeitinvestoren.
Die Neo-Broker und der GameStop-Hype
Auch unter den aktuell boomenden Neo-Brokern gab es wรคhrend des GameStop-Hypes Gewinner und Verlierer. Nachdem die beliebte Broker-App Robinhood am 28. Januar 2021, mitten in der Kursrallye, den Handel mit volatilen Aktien wie GameStop ausgesetzt hat, zog sie den Zorn von Million von Kleinanlegern auf sich. In den Sozialen Medien warfen Anleger dem Neo-Broker vor, gezielt den Handel mit GME-Aktien unterbunden zu haben, um den Short-Squeeze zu verhindern und Melvin Capital beziehungsweise seinen Investor Citadel zu retten, der pikanterweise ein wichtiger Partner von Robinhood ist.
Auf der Suche nach einer Alternative zu Robinhood wechselten Hunderttausende Anleger zum chinesische Neo-Broker Webull, der daraufhin kurzzeitig zur zweitbeliebtesten App in den USA wurde. Auch der Berliner Neobroker Trade Republic setzte zeitweise den Handel mit GameStop-Aktien aus und erhielt dafรผr tausende 1-Sterne-Bewertungen im Google Play Store. Doch ernsthaft geschadet hat ihnen die Kontroverse wahrscheinlich nicht. Langfristig kรถnnten Trade Republic und andere Neobroker davon profitieren, dass der GameStop-Hype genau bei ihrer Zielgruppe, der Generation Y und Z, das Interesse am Bรถrsenhandel geweckt hat.
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